Pfand für Getränkeverpackungen im Aufwind: Ab 2023 startet auch Schottland

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Pfand für Getränkeverpackungen im Aufwind: Ab 2023 startet auch Schottland

Thomas Reiner | 19.08.2022

Wer in Schottland Getränke herstellt, importiert, kauft oder verkauft, hat es ab August 2023 mit einem neu eingeführten Pfandsystem zu tun. Mit der Etablierung von Pfand für Getränkeverpackungen will das Land seinen Müll um ein Drittel reduzieren und die Klimaemissionen um 160.000 Tonnen CO2eq reduzieren. Pfand liegt im Trend. Bis 2030 werden alle Ländern in Richtung Mehrweg- bzw. Pfandsysteme gehen. Ursächlich dafür sind nicht geschlossene Kreisläufe, die für Aktivitäten bei den Regulierern sorgen. Zusätzlich rücken wirtschaftliche und gesellschaftliche Faktoren in den Vordergrund – denn Abfall ist nicht nur ein Umwelt- und Klimaproblem, sondern auch ein großer Kostenfaktor.

 

 

Das schottische Pfandsystem für Getränkedosen und -flaschen gilt ab dem 16. August 2023. Von diesem Zeitpunkt an sind alle Hersteller und Importeure von Getränken in Schottland unabhängig von ihrer Größe für die Sammlung ihrer Verpackungen verantwortlich.

 

Entwickelt wurde das Pfandsystem unter Beteiligung von „Zero Waste Scotland“.  Die NGO hatte im Auftrag der Regierung Designoptionen und die damit verbundenen Kosten, Vor- und Nachteile ermittelt und erkundet, wie das Pfandsystem im Land am besten funktionieren könne.

 

Aktuelle Situation und Ziele

Derzeit recycelt Schottland etwa die Hälfte der im Land vertriebenen Getränkebehälter. Über das neue Pfandsystem sollen bis 2025 90 Prozent aller im System befindlichen Dosen und Flaschen erfasst werden – und damit jährlich Milliarden von Getränkebehältern für das Recycling zur Verfügung stehen.

Klimaschutz: Mit dem Pfandsystem will das Land seinen Müll signifikant reduzieren und dadurch einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz leisten. Man rechnet mit durchschnittlich 160.000 Tonnen eingesparten CO2eq, was etwa 109.000 Hin- und Rückflügen von Edinburgh nach New York entspricht.

Kostenfaktor: Ein gewichtiges Argument für die Einführung des Pfandsystems spielen auch finanzielle Faktoren. Nach offiziellen Angaben kosten die umfassenderen Auswirkungen von Müll die schottische Wirtschaft und Gesellschaft jährlich 361 Millionen Pfund (rund 427 Millionen Euro).

 

Das schottische Pfandsystem im Detail

  • Verbraucherinnen und Verbraucher zahlen beim Kauf eines Getränks im Einwegbehälter ein Pfand von 20 Pence (ca. 24 Cent). Sie erhalten das Pfand zurück, wenn sie die leere Flasche oder Dose im Geschäft oder Imbiss zurückgeben oder von einem Online-Händler abholen lassen.
  • Die neue Regelung gilt für Einwegbehälter aus PET, Aluminium, Stahl und Glas von 50 Millilitern bis einschließlich drei Litern.
  • Prognostiziert werden zehntausende von Rückgabestellen in ganz Schottland. Sie sollen eine Bearbeitungsgebühr erhalten, die alle Kosten für den Betrieb der Rückgabestelle abdeckt.

 

Folgen für Unternehmen

  • Wer betroffen ist: Aus dem Pfandsystem ergeben sich neue gesetzliche Verpflichtungen in Bezug auf Verkauf, Sammlung und Recycling von Getränkebehältern.
    • Betroffen sind Unternehmen in der gesamten Getränkeindustrie – einschließlich Hersteller, Einzelhändler, Großhändler und Gastronomie.
    • Wer immer in Schottland Getränke herstellt, importiert, kauft oder verkauft, wird sich an das neue Pfandrückgabesystem halten müssen.
  • Verantwortlichkeiten:
    • Getränkehersteller müssen sich im System registrieren und sind für alle Behälter verantwortlich, in denen ihre Produkte geliefert werden. Zur Verantwortlichkeit gehört auch die Verwaltung von Sammlungen zum Recycling.
    • Einzelhändler, Großhändler und Gastronomiebetriebe müssen sicherstellen, dass ihre im Land verkauften Getränke von einem registrierten Hersteller stammen. Sie sind verpflichtet, für jeden Getränkebehälter Pfand zu erheben. Gegebenenfalls müssen sie darüber hinaus auch eine Rückgabestelle betreiben oder einen Rücknahmeservice anbieten.

 

Pfand weltweit auf dem Vormarsch

Pfandrückgabesysteme gibt es bereits in mindestens 45 Ländern und Territorien auf der ganzen Welt. Bis 2030 werden wir in allen Ländern Ansätze oder bereits etablierte Mehrweg- bzw. Pfandsysteme sehen.

Pfand und Mehrweg sind keine Mode. Es handelt sich um einen klaren und starken Trend, der bestehen bleibt, solange die Kreisläufe nicht geschlossen sind.

Bis dahin wird auch der Druck der Regulierer bestehen bleiben. Denn es geht nicht nur um Klima und Umwelt – sondern auch um die mit Abfall verbundenen finanziellen Kosten.

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