Next Level Paperisation: Papierflaschen für den Non-Food-Markt.

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Next Level Paperisation: Papierflaschen für den Non-Food-Markt.

Thomas Reiner | 30.08.2021

Procter & Gamble entwickelt zusammen mit Paboco die nach eigenen Angaben weltweit erste Papierflasche, die zu 100 Prozent biobasiert und recycelbar ist. Sie soll für Marken wie Lenor und Ariel verwendet und 2022 in einem westeuropäischen Pilotversuch getestet werden. Die Innovation ist ein weiteres Beispiel für den dynamischen Verlauf der „Paperisation“ bei Verpackungen. Ein Ende ist nicht abzusehen, solange die Kreisläufe bei Kunststoff nicht geschlossen sind. Knackpunkt für noch mehr Dynamik ist die funktionierende, recycelbare Barriere – und die Situation am Faser-Rohstoffmarkt.


 

Entstanden in Zusammenarbeit mit „the paper bottle company“ Paboco, soll die Flasche nächstes Jahr in einem westeuropäischen Pilotversuch getestet werden.

Schon seit einiger Zeit testen große Marken vermehrt Flaschen auf Papierbasis. Bisher auf den Lebensmittelbereich beschränkt, wagt sich mit Procter & Gamble ein Konsumgütergigant jetzt auch in den Non-Food-Markt. Solange die Kreisläufe bei Kunststoff nicht geschlossen sind, wird der Trend zu Papier weitergehen. Und je mehr Faserverpackungen die Barriere-Frage lösen können, desto dynamischer wird die Entwicklung voranschreiten.

Störfeuer könnte aus einer anderen Richtung drohen: Die knappe Rohstofflage bei Holz und steigende Preise und Verfügbarkeiten bei Fasermaterialien könnten einen Einfluss auf den Trend zu Papier als Kunststoffersatz haben.

 

Die Lenor-Papierflasche

  • Procter & Gamble nennt die Flasche „die erste ihrer Art, die in großem Maßstab produziert wird, sowohl in Bezug auf ihr Design als auch auf ihre Technologie“. Sie sei aus nachhaltig beschafftem, FSC-zertifiziertem Papier und werde zunächst einer dünnen Kunststoffbarriere aus recyceltem PET ausgestattet.
  • Die Flasche wird im Rahmen eines Pilotversuchs ab 2022 in Westeuropa getestet. Das Unternehmen erhofft sich von seiner „Test-and-Learn“-Strategie Erfahrungen, um den Anteil an Papierverpackungen in seinem Portfolio in größerem Umfang zu erhöhen.
  • Procter & Gamble plant nach eigenen Angaben, die Barriere bei zukünftigen Versionen der Flasche direkt in die Papierauskleidung zu integrieren. So soll eine nahtlose, zu 100 Prozent biobasierte Flasche geschaffen werden, die vollständig über den Altpapierstrom recycelt werden kann.
  • P&G verwendet für seine Marke Lenor bereits mit großem Erfolg recycelten Kunststoff. So werden transparenten Flaschen auf dem europäischen Markt aus bis zu 100 Prozent Rezyklat hergestellt. In der Papierflasche sieht man den nächsten Schritt, der „in die vielversprechende Zukunft biobasierter Verpackungen“ führt.
  • P&G hat verkündet, den Einsatz von Neukunststoffen bis 2030 um 50 Prozent zu reduzieren. Der Geschäftsbereich „Fabric Care Europe“ hat sich darüber hinaus zu einer absoluten Kunststoffreduzierung von 30 Prozent bis 2025 sowie zu einer 100-prozentigen Recyclingfähigkeit bis 2022 verpflichtet.

 

Entwicklungspartner Paboco

  • Das in Dänemark beheimatete Unternehmen „Paboco“ bezeichnet sich als „The paper bottle company“.
  • „Die Lagerung von Flüssigkeiten in Papier ist eine besondere Herausforderung, aber ihre erfolgreiche Einführung könnte große Vorteile für den Planeten haben“, so Pabocos Interims-CEO, Gittan Schiöld.
  • Pabocos Papierflaschentechnologie wird von einer Gruppe führender Konsumgüterunternehmen und Branchenexperten unterstützt, zu denen The Coca-Cola Company, Carlsberg Group, The Absolut Company, L’Oréal, BillerudKorsnäs, ALPLA und nun auch P&G gehören.
  • Für Coca-Cola hat Paboco im November vergangenen Jahres den Prototypen für eine Coca-Cola-Papierflasche präsentiert. Aktuell testet Coca-Cola die Papierflasche in Kooperation mit einem Online-Lebensmittelhersteller in Ungarn.

 

Kunststoff vs. Papier

Als neutraler Beobachter von Markttendenzen haben wir im Materialbereich keine grundsätzlichen Präferenzen. Aber man muss kein „Fan“ sein, um zu erkennen, dass die Paperisation nach dem Becher-Bereich längst in andere Segmente eingedrungen ist, die traditionell eine Domäne des Kunststoffs waren. Klar ist auch: Solange die Kreisläufe bei Kunststoff nicht geschlossen werden, gewinnt Paperisation weiter an Dynamik. Der Non-Food-Bereich ist dabei ein logisches nächstes Ziel. Nicht zufällig hat auch Unilever vor kurzem angekündigt, eine eigene, papierbasierte Waschmittelfalsche testen zu wollen.

Probleme könnten aus einer bis vor kurzem noch wenig beachteten Richtung kommen. Denn die Lage am Rohstoffmarkt für Holz ist pandemiebedingt sehr kritisch. Es bleibt abzuwarten, ob ausufernde Preise und Lieferengpässe nur kurzfristiger Natur sind. Andernfalls könnten sie die Paperisation durchaus bis zu einem gewissen Grad bremsen.

 

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