Mehr Verpackung = Mehr CO2? Corona offenbart ganz andere Abhängigkeiten

 

 

Mehr Verpackung = Mehr CO2?

Corona ganz andere Abhängigkeiten

Thomas Reiner | 27.04.2020

Wie unsere im letzten Blog-Beitrag vorgestellten Berechnungen zeigen, führt das durch die SARS-CoV-2-Pandemie veränderte Konsumverhalten zu rund 10 Prozent mehr Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel – und in direkter Konsequenz zu einem signifikant steigendem Bedarf an entsprechenden Verpackungen.

Genau gegenläufig ist der Trend beim CO2-Ausstoß. Mehr Verpackung bedeutet also nicht mehr CO2.

Pandemiebedingt sinken die deutschen CO2-Emissionen beispielsweise alleine in den ersten 15 Kalenderwochen 2020 gegenüber dem gleichen Zeitraum in 2019 um rund 30 Mio. Tonnen. Dauert die pandemische Situation bis Mitte des Jahres an, werden sich die Reduzierungen dann auf etwa 100 Mio. Tonnen summieren.

Die vier Hauptquellen für CO2 sind in Deutschland die Energiewirtschaft, Industrie, Gebäude und Verkehr. 2019 gelangten nach Zahlen des Bundesumweltamts (UBA) rund 805 Mio. Tonnen CO2 in die Atmosphäre. Für 2020 lautete die Zielvorgabe 750 Mio. Tonnen, also eine Reduzierung um knapp 7 Prozent. Diese Zahlen konnten kassiert werden. Aktuelle UBA-Prognosen gehen für 2020 von 675 – 745 Mio. Tonnen aus.

Es steht außer Frage, dass die Corona-Pandemie, beispielsweise durch den Zusammenbruch des Reiseverkehrs, einen sehr großen Einfluss auf den CO2-Ausstoß hat. Aber nicht alles ist Corona-gemacht.

So sorgen beispielsweise in Deutschland die milden Wintermonate Januar und Februar sowie die gleichzeitig starke Windstromproduktion zu einer auf das Gesamtjahr umgelegten Reduzierung von 20 Mio. Tonnen. Planmäßig, also bereits vor SARS-CoV-2 eingeleitete Maßnahmen, tragen weitere 10 – 15 Tonne Reduzierung bei.

Wie massiv einmalige Effekte in Bezug auf die CO2-Bilanz sein können, zeigen auch die massiven Buschbrände in Australien, die von Juni 2019 bis Februar 2020 etwa 830 Mio. Tonnen CO2 freisetzten. Das ist mehr, als der Jahresausstoß von Deutschland und rund 2 Prozent der jährlichen, globalen CO2-Emissionen.

Dass Deutschland seine Klimaziele in Bezug auf CO2 in diesem Jahr erreichen oder sogar übererfüllen wird, ist eine Überraschung, auf die Anfang des Jahres niemand gewettet hätte. Die Gründe liegen bei einmalig auftretenden Effekten in verschiedenen Sektoren. Der Einfluss durch den erhöhten Einsatz von Verpackungen ist in dieser Rechnung kein Faktor. Mehr Verpackung bedeutet nicht mehr CO2.

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