Mechanisches vs. chemisches Recycling von Kunststoff: Initiativen wie das ChemCycling Projekt sind gefragt.

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Mechanisches vs. chemisches Recycling von Kunststoff: 

Initiativen wie das ChemCycling Projekt sind gefragt.

Thomas Reiner | 03.12.2019

Das mechanische Recycling von Kunststoff stößt aktuell an seine Grenzen. Quantitativ fehlen die benötigen Kapazitäten. Qualitativ fehlt die benötigte Güte für einen Einsatz der Rezyklate im Lebensmittelbereich. Während Politik und Umwelt-NGOs das chemische Recycling vorwiegend kritisch beäugen und kontrovers diskutieren, suchen Unternehmen der Branche pragmatisch nach validen Antworten, um die Kreisläufe zu schließen.

Politik und Öko-NGOs setzen zurzeit ausschließlich auf das mechanische Recycling von Kunststoff. Es wird als Standard gesetzt, weil es bereits etabliert ist. Zwei wichtige Fragen bleiben dabei jedoch unbeantwortet. Erstens: Wie können wir angesichts der fehlenden Kapazitäten die Kreisläufe bei Kunststoff komplett schließen? Und zweitens: Wie schaffen wir es, Kunststoffrecyclat für den Einsatz im Lebensmittelbereich zu erzeugen, wenn das mechanische Recycling dazu nicht in der Lage ist?

Die Unternehmen BASF, Borealis, Südpack und Zott haben jetzt Prototypen einer Verbund-Verpackung für Lebensmittel vorgestellt, die aus 100 Prozent chemisch recyceltem Polyamid und Polyethylen besteht. Die im Rahmen des Projekts „ChemCycling“ produzierte Mehrschicht-Folienverpackung bietet die benötigen Barrierefunktionen und ist bei identischer Funktionalität im Vergleich zu entsprechenden Verpackungen aus Virgin-Material ökologisch deutlich vorteilhafter. Durch die Beteiligung von Unternehmen, die die gesamte Wertschöpfungskette abbilden, konnte die Lösung erstmals durchgängig vom Rohstoff bis hin zur Verpackung zertifiziert werden.

Der Schritt ist bedeutsam, da Mehrschichtmaterial in mechanischen Recyclingprozessen nur sehr schwer oder gar nicht recycelbar ist. Ein „tragischer“ Nachteil, weil uns gerade Verbunde in die Lage versetzen, den Materialeinsatz bei Verpackungen deutlich zu reduzieren und dadurch nicht nur eingesetzte Rohstoffe, sondern auch CO2-Emissionen beim Transport einzusparen. Umso wichtiger ist es, die Kreisläufe auch bei den Verbunden zu schließen.

Auch wenn noch längst nicht alle Fragen des chemischen Recyclings von Kunststoff- und Verbundmaterialien gelöst sind, kann man die Initiative von BASF, Borealis, Südpack und Zott nur begrüßen. Denn wir können uns den Luxus, auf die perfekte Komplettlösung zu warten, nicht erlauben. Trotz – oder gerade wegen – aller offenen Fragen, müssen wir Erfahrungen in allen Recyclingverfahren sammeln.

Es gibt keinen Weg zum Ziel ohne den ersten Schritt.

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