Hybrid- und Kombi-Flasche: Nestlé geht neue Wege bei der Kunststoffreduktion.

Bildquelle: Nestle

Hybrid- und Kombi-Flasche: Nestlé geht neue Wege bei der Kunststoffreduktion.

Thomas Reiner | 20.08.2021

Auch jenseits strikter Monomaterial-Ansätze gibt es intelligente Lösungen für den nachhaltigen Umgang mit Kunststoff. Zwei clevere Innovationen bringt Nestlé für Vittel auf den Markt: Das GO-System verbindet eine widerverwendbare Hartschalen-Schutzhülle mit dünnen Nachfüllbeuteln. Die Hybridlösung „Eco Bottle“ kombiniert eine ultradünne Kunststoffflasche mit einer leicht abtrennbaren, faserbasierten „Umverpackung“. Die Beispiele zeigen, wie man Kunststoffeinsatz auf sein wesentliches Element reduziert: Schutz! Bleibt die Frage, ob der Konsument das Hybridsystem versteht und mitzieht.


 

Nestlé bereichert das Segment der Getränke mit zwei cleveren Verpackungs-Innovationen: Einer „Kombi-Lösung“ aus wiederverwendbarer Schale und recycelbarer Nachfüllpackung sowie einem „Hybrid-System“, das eine ultradünne Kunststoffflasche aus Rezyklat mit einer leicht abtrennbaren, faserbasierten Umhüllung aus Recyclingmaterial kombiniert.

Die neuen Lösungen sind gute Beispiele, wie man den Einsatz von Kunststoff ohne Funktionalitätsverlust intelligent auf seine Kernfunktion beschränkt: Den Produktschutz. Mit seinen Lösungen zeigt Nestlé aber auch, wie kreativ und entschlossen man die Kunststofffrage angehen kann.

Gerade bei der Hybrid-Lösung ist die spannende Frage nun, ob Konsumentinnen und Konsumenten mitziehen (können). Denn sie müssen das neue System verstehen und die beiden Verpackungskomponenten über einen patentierten Abrissstreifen trennen sowie getrennt entsorgen.

 

Die „Kombi-Lösung“ GO

Das GO-System setzt Nestlé bei seiner Mineralwassermarke Vittel ein.

  • Das System besteht aus einer wiederverwendbaren Hartschalen-Schutzhülle, die für die Aufnahme von 50-cl-Nachfüllpackungen konzipiert ist. Die Gesamtverpackung kommt so mit 40 Prozent weniger Kunststoff aus, als eine herkömmliche 50-cl-Vittel-Flasche.
  • Nestlé hat viel dafür getan, die Nachfüllpackungen mit so wenig Plastik wie möglich herzustellen. Das macht sie sehr flexibel und leicht.
  • Eben jene Flexibilität bringt es aber auch mit sich, dass die „einlegbaren“ Nachfüllpackungen nicht ohne den wiederverwendbaren Schutzbehälter verwendet werden können. Das schränkt den Gebrauch der Packung respektive den Konsum des Wassers ein. Es ist eine Lösung für „zu Hause“. To go funktioniert das System schlecht.

 

Die „Hybrid-Lösung“ Eco Bottle

Die Eco Bottle ist eine recycelbare 1-Liter-Hybrid-Flasche. Auch sie wird von Nestlé für seine Marke Vittel eingesetzt.

  • Die „innere Verpackung“ besteht aus einer ultradünnen Kunststoffflasche, die vollständig aus recyceltem Material besteht. Berichten zufolge benötigt die Herstellung 50 Prozent weniger Kunststoff, als eine klassische 1-Liter-Flasche.
  • Die „äußere Verpackung“ ist ein faserbasiertes Material, das zu 100 % aus recyceltem Karton und alten Zeitungen besteht und die innere Kunststoffschicht umgibt.
  • Firmeneigene Technologien ermöglichen die sichere Verbindung der Kunststoff- und Faserschichten. Dabei entsteht eine funktionelle, robuste Wasserflasche, die Konsumentinnen und Konsumenten bei Gebrauch zur keiner besonderen Vorsicht zwingt.
  • Um die beiden Verpackungsbestandteile für die haushaltsnahe Entsorgung einfach trennen zu können, setzt Nestlé auf einen neuartigen, patentierten Abrissstreifen. Er soll den Verbraucherinnen und Verbrauchern nicht nur die leichte Trennbarkeit garantieren, sondern auch ihre „Recycling-Experience“ verbessern.

 

Innovation durch Kooperation und Sonderfinanzierung

Für die Entwicklung der beiden Verpackungs-Innovationen kooperierte Nestlé mit dem kalifornischen Start-up „Ecologic Brands“, das sich auf ökologisches Design von Verpackungen spezialisiert hat und seit Januar dem US-amerikanischen Anbieter von Fertigungslösungen, Jabil, gehört.

Bei Nestlé selbst widmeten sich die Expertinnen und Experten des Nestlé-Forschungs- und Entwicklungszentrums für Wasser in Vittel, Frankreich, dem Projekt. Die Arbeiten wurden über eine Sonderfinanzierung der Nestlé-internen F&E-Initiative „Shark-Tank“ ermöglicht.

 

Learnings

Den Start der Verbrauchertests für die GO-Flasche und die Eco Bottle startete im Juli 2021 in Frankreich. Beide Innovationen sind Teil der Bemühungen des Unternehmens, den Einsatz von Neukunststoffen bis 2025 um ein Drittel zu reduzieren.

Sowohl „Go“ als auch „Eco Bottle“ sind starke Beispiele für die Reduktion von Kunststoff auf das Wesentliche: Die Schutzfunktion. Für beide Innovationen gilt auch, dass sie die Entschlossenheit und Kreativität zeigen, mit der das Unternehmen alles versucht, um den Kunststoffeinsatz zu reduzieren.

Spannend an den Flaschen ist auch, dass sie Beispiele für Innovationen jenseits der strikten Mono-Material-Lösung aufzeigen. Es ist keine Sünde, mehr als nur ein Material zu verwenden – wenn die Materialien nach Gebrauch einfach zu trennen und auf ihrem jeweils eigenen Weg in den Kreislauf zurückgeführt werden können.

Ebenfalls spannend ist allerdings auch, ob die Konsumentinnen und Konsumenten die Lösungen annehmen, begreifen und richtig nutzen. Gerade bei der Eco-Bottle müssen sie das hybride System erkennen und verstehen. Der Umgang mit Verpackungen, die nach Gebrauch haushaltsnah getrennt werden sollen, ist noch ungewohnt und will deshalb trotz des patentierten Abrissstreifens „gelernt sein“.

 

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