Die Umwelt-Ampel für Lebensmittel kommt – Verpackung inklusive

Bildquelle: Carlos Gómez | Unsplash

Die Umwelt-Ampel für Lebensmittel kommt – Verpackung inklusive

Thomas Reiner | 28.10.2021

Das neue Ökosiegel-Programm von Foundation Earth zeigt: derhandel hat einen gewaltigen Hebel, um Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft voranzutreiben. Wenn große Einzelhändler etwas fördern, bewegt das die gesamte Wertschöpfungskette.


 

Neben Tesco, PepsiCo, Danone, Lidl und Starbucks unterstützen auch Morrisons, Aldi, Waitrose und weitere große Einzelhändlern, Lebensmittel- und Getränkemarken die im Juni gegründete Organisation Foundation Earth und ihr Ökosiegel-Programm.

Die Unterstützung erfolgt aktuell im Vorfeld eines Pilotprojekts. Die Unternehmen sind Teil der Beratungsgruppe der Branche, die Foundation Earth bei der Optimierung ihres im Entstehen begriffenen Ampel-Umweltbewertungs-Systems hilft. Nach einer im Herbst 2021 laufenden Testphase auf über 100 Produkten, unter anderem von M&S, Costa Coffee, Meatless Farm, Greencore, Abel & Cole, Mash Direct und Finnebrogue Artisan, soll die Umwelt-Ampel in ganz Europa eingeführt werden.

 

Foundation Earth

  • Foundation Earth ist eine unabhängige, gemeinnützige Organisation. Sie wurde mit dem Ziel gegründet, leicht verständliche und klar Umweltbewertungen von Lebensmitteln auf der Vorderseite der Produktverpackungen anzubringen.
  • Die Stiftung ist das Ergebnis jahrelanger Arbeiten der Universität Oxford und des EU-finanzierten EIT Food-Konsortiums. Das EIT Food ist eine „Wissens- und Innovations-Gemeinschaft“, das 50 führende Unternehmen, Universitäten und wissenschaftlichen Einrichtungen aus allen Bereichen der Lebensmittel-Kette vereint.
  • Ziel der Aktion ist, Verbraucherinnen und Verbrauchern nachhaltigere Kaufentscheidungen zu ermöglichen. Parallel dazu sollen Lebensmittelhersteller zu umweltfreundlicheren Innovationen motiviert werden.

 

Das Ampelsystem

  • Das Siegel auf der Vorderseite von Lebensmittelverpackungen verwendet ein von Mondra entwickeltes Ampelsystem, das auf Daten aus der wissenschaftlichen Arbeit von Poore & Nemecek (2018) beruht.
    • Mondra ist nach eigenen Angaben eine datengesteuerte Insights-Plattform, die Akteure des Lebensmittelsystems dabei unterstützt, ihre CO2-Neutralitätsziele zu erreichen, ihre Leistung zu kommunizieren und positive Effekte für den Planeten zu erzielen.
  • Das Pilotprojekt läuft parallel zu einem intensiven neunmonatigen Entwicklungsprogramm, das von Nestlé unterstützt wird und die „Mondra“-Methode mit einem System kombiniert, das vom EIT Food-Konsortium der belgischen Universität Leuven und der spanischen Forschungsagentur AZTI entwickelt wurde.
  • Das Mondra- und das EIT-Food-System sind weltweit einzigartig, da sie zwei Produkte desselben Typs anhand einer vollständigen Produktlebenszyklusanalyse auf ihre individuellen Vorzüge hin vergleichen können. Das ist ein entscheidender Vorteil, da hier nicht nur Sekundärdaten zur Abschätzung der Umweltauswirkungen einer ganzen Produktgruppe verwendet werden.
  • Für die Umweltbewertung und das entsprechende Ampel-Ergebnis werden nicht nur die Nachhaltigkeitsaspekte der Produkte, sondern auch jene ihrer Verpackungen in die Bewertung des Kennzeichnungssystems aufgenommen. Die Ampel kennzeichnet insgesamt 8 Level, die von A+ bis G reichen.
  • Die CO2-Emissionen machen 17 Prozent des endgültigen Umweltzeichens eines Produkts aus.

 

Der Handel hat den Kreislauf-Hebel

Eine Umwelt-Ampel für Lebensmittel und ihre Verpackungen ist kein neues Thema. Die Politik versucht sich schon seit Jahren an einer entsprechenden Regelung. Bisher erfolglos. Dass Handel und Marken das Thema jetzt in Eigenregie nach vorne bringen, zeigt die Ernsthaftigkeit hinter ihren Nachhaltigkeitsbestrebungen, den wachsenden Druck der Konsumenten und die starke Notwendigkeit für transparente, allgemeingültige Kriterien.

Was die Umwelt-Ampel von Foundation Earth ebenfalls eindrucksvoll zeigt: Der Handel sitzt am längsten Hebel. Wenn die großen Händler etwas promoten, dann macht das einen Unterschied: In dem Fall für Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit.

 

Nachhaltigkeit als Differenzierungsmerkmal

Das neue, leicht verständliche und einheitliche Label wird Wirkung erzeugen. Es liefert eine klare Grundlage für Kaufentscheidungen und steigert dadurch die Verbraucher-Nachfrage nach nachhaltigen Produkten und entsprechenden Verpackungen. Die Umwelt-Ampel wird darüber hinaus einen wichtigen Branchen-Trend weiter befeuern und verstetigen: Nachhaltigkeit wird zum Differenzierungsmerkmal.

 

Zentrale Rolle für die Verpackung

Für die Verpackung als ersten und wichtigsten Botschafter von Nachhaltigkeit und Träger des neuen Siegels ist das Verpflichtung und Chance. Unternehmen müssen jetzt ihre Verpackungsstrategien noch schneller und konsequenter auf Kreislaufwirtschaft ausrichten.

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