White Paper: Disruptive Nachhaltigkeits-Welle rollt an.

 

 

White Paper: Disruptive Nachhaltigkeits-Welle rollt an.

Thomas Reiner | 31.05.2021

Auf die Verpackungsindustrie rollt ein Nachhaltigkeits-Tsunami zu – und die wenigsten sind darauf vorbereitet. Ein neues White Paper von Berndt+Partner Consultants beschreibt das Szenario, die treibenden Kräfte, die revolutionären Folgen und zeigt Lösungswege. Es ist eine warnende Stimme, die gehört werden sollte, denn ein Großteil der Branche ist unvorbereitet. Dabei sind nicht nur die Risiken, sondern auch die Chancen historisch.


 

Die Verpackungsindustrie steht vor einer Revolution – und die wenigsten sind darauf vorbereitet. Die augenblickliche Situation erinnert einem an einen Tsunami, dessen Schauspiel viele Betrachter fasziniert aber tatenlos in den Bann zieht. Das ist fatal. Denn wenn die Welle das Land erreicht, ist es zum Handeln längst zu spät.

Das neue White Paper von Berndt+Partner Consultants ist eine warnende Stimme. Es beschreibt die Wucht und die Ursachen der Nachhaltigkeits-Revolution. Es deckt über eine Umfrage unter Führungskräften die mangelnde Vorbereitung der Branche auf. Und es zeigt Wege, von der historische Chance des disruptiven Wandels zu profitieren. Denn jede Revolution bringt (wenige) Sieger und (viele) Verlierer hervor. Wer zu den Gewinnern zählen will, muss jetzt handeln!

 

B+P Nachhaltigkeits-White Paper: 10 Thesen für 100 % Zukunft

Die zehn Thesen des neuen White Paper von B+P Consultants beruhen auf einer intensiven Marktbeobachtung und der Erfahrung von 45 Jahren Nachhaltigkeitsarbeit. Um die aktuelle Situation der Branche präzise bewerten zu können, wurden im Vorfeld 270 Führungskräfte der Branche zu ihren Aktivitäten und Einschätzungen im Bereich Nachhaltigkeit befragt.

 

Die zehn Thesen des White Papers:

  • Der Green Deal der EU zwingt zu einem radikalen Umdenken auf allen Ebenen. Die Verpackungsindustrie steht vor weitreichenden Umbrüchen.
  • Nachhaltigkeit schlägt Wellen. Die Dritte schlägt alles.
  • Der Green Deal ist für Europa eine Revolution und macht Nachhaltigkeit zur Institution.
  • Wachsamkeit für die Umwelt schafft Wachstum für die Wirtschaft.
  • Der Verpackungsmarkt steht vor einem radikalen Wandel, der das Packaging revolutioniert.
  • Regulierungen zwingt man nicht in Lockdowns, sondern sie zwingen zum Handeln.
  • Die Big Player machen das Spiel – und immer mehr machen mit.
  • Die Zukunft ist kein Zufall, sondern Ergebnis einer klaren Strategie.
  • Verpackungen mit Visionen: Die Strategien münden bereits in konkreten Lösungen.
  • Innovation ist kein Einzelkampf, sondern intelligentes Teamplay.
  • Den Unterschied macht der, der jetzt die Chance ergreift und den Vorsprung sichert.

 

Nachhaltigkeit ist keine Kür, sondern Pflicht

Die Industrie unterschätzt das Ausmaß der Entwicklungen noch immer. Und sie überschätzt gleichzeitig ihre eigenen Vorbereitungen. Das ist keine gute Kombination. Die gute Nachricht lautet: Man kann sein Schicksal in die eigene Hand nehmen. Niemand ist zum Zuschauen verurteilt. Wer zu den Gewinnern des Wandels gehören will, darf jetzt allerdings keine Zeit verlieren.

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Auch Papier braucht Argumente. Silphie ersetzt Holz.

 

 

Auch Papier braucht Argumente. Silphie ersetzt Holz.

Thomas Reiner | 12.05.2021

Nachhaltigkeit macht nicht bei der Substitution von Kunststoff halt. Das muss inzwischen auch Papier erfahren. Klimaschutz und das Bemühen um regionale Rohstoffquellen führen zur Erprobung alternativer Faser-Quellen, die Holz ersetzen können. Europas größter Einzelhändler führt nun erstmals Papierverpackungen auf Basis der Energiepflanze Silphie ein. Wir werden mehr davon sehen. Die Akzeptanz im Markt wächst.


 

In den Anfangszeiten der durch Ocean Littering befeuerten Umweltdebatte war die Strategie, Kunststoff durch Papier oder Glas zu ersetzen, ein valides Nachhaltigkeits-Argument. Aber diese Zeiten neigen sich dem Ende zu. Speziell der immer wichtiger werdende Klimaschutz weitet den Fokus von Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Die Art und Weise der Rohstoffgewinnung, die erforderlichen Transportkilometer und der Energieeinsatz wiegen immer schwerer. Auch Regionalität als „Learning aus dem Lockdown“ gewinnt an Bedeutung.

 

Europas größter Einzel- und Großhändler „Schwarz Gruppe“ (Lidl u.a.) testet deshalb in seinen Kaufland-Filialen erstmals den Einsatz von Papierverpackungen auf Basis der regional angebauten Silphie-Pflanze. Das Material kommt von der Start-up-Tochter „Out Nature“ und verpackt u.a. Pilze und Tomaten.

 

Silphie sticht Holz (und Kunststoff)

  • Silphie ist eine Energiepflanze, die bislang vorwiegend als „Futter“ für Biogasanlagen genutzt wird. Nach Aussage von „Out Nature“ ist die Pflanze sehr robust und pflegeleicht. Dünger und Pestizide sind quasi nicht erforderlich und auch der Wasserverbrauch limitiert. Ein großer Pluspunkt ist auch, dass Silphie regional angebaut und verarbeitet werden kann.
  • Die Pflanzenfasern werden mittels eines biothermischen Verfahrens separiert. Nicht verwendete Pflanzenbestandteile gehen in der Folge in die Biogas-Energiegewinnung.
  • Das Silphie-Papier kann laut dem Erzeuger bei einer Vielzahl von Papieranwendungen eingesetzt werden. Den Schwerpunkt sieht „Out Nature“ aber bei Papierverpackungen, insbesondere solchen mit direktem Lebensmittelkontakt.
  • Die Papierverpackungen Silphie-Fasern sind recyclingfähig und können über den existierenden Altpapierkreislauf entsorgt werden.
  • Die Schwarz-Gruppe will die Silphie-Verpackungen zukünftig nicht nur im Rahmen von Papier- und Kartonage verwenden, sondern auch als Alternative für herkömmliche Kunststoffverpackungen testen.

 

Prämierter Packstoff aus eigener Herstellung

Die Schwarz Gruppe bezieht das Silphie-Papier von „Out Nature“, einer Start-up-Tochter der ebenfalls zur Schwarz Gruppe gehörenden „ProZero Stiftung“. Out Nature arbeitet bei der Herstellung des Papiers mit dem 2019 gegründeten Unternehmen „Silphie Paper“ zusammen.

Die Lösung wurde Ende 2020 mit dem Deutschen Verpackungspreis in der Kategorie „Neues Material“ ausgezeichnet. Anfang 2021 folgte der Gewinn des World Star Awards der World Packaging Organisation in der Kategorie „Packaging Materials & Components“.

 

„Kein Kunststoff“ reicht nicht mehr

Nach dem erfolgreichen Verlauf einer Pilotphase in 2020 startet Kaufland jetzt mit Silphie-Verpackungen für bestimmte Gemüsesorten wie beispielsweise Kresse, Champignons und Tomaten.

Das Unternehmen hat verstanden, dass sich die Anforderungen an nachhaltige Verpackungen verändert haben. Nur „kein Kunststoff“ reicht nicht mehr. Speziell die Klimadebatte weitet den Fokus. Deshalb werden wir mehr solcher alternativen Ansätze sehen. Die Marktakzeptanz wird weiter wachsen.

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Pharma ist keine Insel. Kreislaufwirtschaft für Medikamenten-Blister.

 

 

Pharma ist keine Insel. Kreislaufwirtschaft für Medikamenten-Blister

Thomas Reiner | 26.04.2021

TerraCycle und Sanofi starten eine neue Initiative für das Recycling leerer Blister-Verpackungen für Medikamente. Verbraucher:innen können die Behälter in Apotheken abgeben. Sie werden dann in einem einzigartigen Recyclingverfahren wiederverwertet. Die Kreislaufwirtschaft dringt also auch in den Pharmabereich ein. Der Solid-Bereich ist hier Vorreiter für einen grundlegenden Shift.


 

TerraCycle und das biopharmazeutische Unternehmen Sanofi haben in UK die neue Initiative „Little Packs, Big Impact“ für das Recycling medizinischer Blister-Verpackungen gestartet. Verbraucher:innen können die leeren Blister in einer der teilnehmenden Apotheken kostenfrei abgeben. Dort stehen spezielle Behälter zur Verfügung, die von TerraCycle abgeholt werden. Das Unternehmen gewinnt aus den Blistern in einem einzigartigen Recyclingverfahren wiederverwendbare Rohstoffe. Die Initiative umfasst rezeptfreie und verschreibungspflichtige Medikamente. Aus dem Sanofi-Portfolio zählen dazu beispielsweise Buscopan und Dulcolax.

 

Die Initiative ist ein starkes Zeichen, dass sich die Verpackungsstrategien auch im Pharmabereich zu ändern beginnen. Aus Marktbewegungen im Zuliefererbereich können wir ablesen, dass die aus der Konsumgüterindustrie bekannten Themen auch für Pharma an Bedeutung gewinnen. Dazu gehört die Verwendung von Monomaterial, der Ersatz von Verbunden und die Vermeidung von PVC. Starre Verpackungen nehmen bei den Bestrebungen, die Recyclingfähigkeit von Pharmaverpackungen zu verbessern, eine Vorreiterrolle ein.

 

Das „Blister-Problem“

TerraCycle Europe weist in einer Stellungnahme darauf hin, dass Blister-Verpackungen aus einer komplexen Mischung schwer zu recycelnder Materialien wie beispielsweise Kunststoff- und Aluminiumfolie bestehen. Sie garantieren auf der einen Seite den notwendigen Schutz der verpackten Arzneimittel, werden auf der anderen Seite jedoch von den meisten kommunalen Recycling-Systemen nicht akzeptiert. Die Folge: Sie landen im Restmüllbehälter und werden – je nach Nation – entweder verbrannt oder landgestützt deponiert.

 

Kooperation mit Apotheken

Im ersten Jahr will das Projekt 400 Abgabestellen in ganz Großbritannien einrichten. Apotheken können sich über die TerraCycle-Webseite für das Programm anmelden. Verbraucher:innen können über eine interaktive Onlinekarte die nächstgelegenen Apotheken mit Sammelbehälter anzeigen lassen.

 

Recycling als Antwort auf Konsumentenbedenken

Die Initiative von Sanofi und TerraCycle ist eine Antwort auf die steigenden Bedenken von Verbraucher:innen gegenüber den Umwelteinflüssen von Plastikmüll. Gleichzeitig stoßen Kreislaufwirtschaft und Recycling als Lösung auf wachsende Zustimmung. Eine Untersuchung aus der Zeit vor den COVID-19-Maßnahmen hat ergeben, dass sich im vergangenen Jahr fast zwei Drittel der Befragten (64 Prozent) der Bedeutung von Recycling bewusster geworden sind.

 

Pharma ist keine Nachhaltigkeits-Insel.

Noch immer glauben viele, dass die Pharmaindustrie von der Nachhaltigkeitsdiskussion rund um Verpackungen nicht betroffen ist. Daran zweifeln wir schon seit einiger Zeit – wie sich zeigt aus gutem Grund. Ganz offensichtlich lernt der Pharmabereich aus dem Verhalten der Konsumgüterindustrie. Deren Volumen und Marktpenetration strahlt auf andere Bereiche aus. Und Pharma ist keine Insel. Wir werden auch in diesem Segment weiter steigende Nachhaltigkeitsinitiativen sehen.

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Mehrweg ist Kreislauf pur. Carrefour-Märkte jetzt mit Loop.

 

 

Mehrweg ist Kreislauf pur. Carrefour-Märkte jetzt mit Loop.

Thomas Reiner | 21.04.2021

Ein „Erlebnis ohne Abfall“ will Carrefour seinen Supermarktkunden bieten. Dafür wird das Mehrwegsystem von Loop erstmals aus der Onlinewelt in die Welt der Regale geholt. Ein App-basiertes Pfandsystem und Rückgabestationen im Markt macht die Anwendung von nachfüllbaren, wiederverwendeten Verpackungen für eine Reihe alltäglicher Marken möglich. Wiederverwendung ist Kreislauf pur. Dem „Early Bird“ von Carrefour werden viele folgen.


 

Der international tätige Einzel- und Großhandelsgigant Carrefour baut seine Kooperation mit dem „Mehrweg“-Recyclingunternehmen Loop aus. Bisher auf das Onlinegeschäft beschränkt, öffnet das französische Unternehmen nun unter dem Motto „Erlebnis ohne Abfall“ Schritt für Schritt mehr Supermärkte für das System mit nachfüllbaren und wiederverwendeten Verpackungn. Carrefour ist der erste Einzelhändler, der Loops Mehrweglösung in die Regale holt.

Noch sind Ansätze für die Wiederverwendung von Verpackungen recht neu und selten. Aber das Beispiel zeigt, wie es geht. Carrefours „Early Bird“ werden viele andere Händler folgen. Zu verlockend sind die Nachhaltigkeitsargumente von Wiederverwertung, die Kunststoff im Kreislauf halten und damit den Neuaufwand radikal und automatisch verringern.

 

Das „Erlebnis ohne Abfall“

Im Rahmen der Kooperation mit Loop bietet Carrefour Produkte vom Glasjoghurtbechern bis zu Spülmaschinentabletten in Aluminiumbehältern. Eine Reihe von Produkten bekannter und alltäglicher Marken wie Nivea, Coca-Cola, Danone, Evian, Puget, Nutella, Chocapic, Ricoré und Maison Verte in nachfüllbaren Verpackungen.

Seit Anfang 2021 sind die Loop-verpackten Produkte in 10 Supermärkten erhältlich, darunter Carrefour-Läden im Großraum Paris. Mit Hilfe der Learnings aus diesen Pilot-Märkten will das Unternehmen seine Initiative noch in diesem Jahr sukzessive weiter ausbauen.

 

So funktioniert das Mehrwegsystem

Verbraucher:innen kaufen die Produkte in befandeten Mehrwegverpackungen. Nach dem Konsum bringt er die leere Verpackung zurück zum Shop, wo er sie in einem speziellen Sammelbereich oder direkt an der Kasse zurückgibt. Die Erfassung der zurückgegebenen Verpackungen und die Erstattung des Pfands werden über eine mobile Anwendung gesteuert.

Loop organisiert die Sammlung, Sortierung und Reinigung der abgegebenen Mehrwegverpackungen aus dem Markt. Die gesäuberten Behälter werden zum Nachfüllen zurück in den Markt transportiert, wo sie befüllt erneut in den Regalen landen. Jede Verpackung kann mehrmals wiederverwendet werden.

 

Der Early Bird zeigt die Richtung

Der Handel ist in der tollen Lage, solche Initiativen voranzutreiben zu können. Es ist gut, dass Carrefour diese Möglichkeit nutzt. Noch sind Mehrwegmodelle in Supermärkten eher die Ausnahme. Aber sie werden keine Exoten bleiben – im Gegenteil. Denn wiederverwendete Verpackungen bieten einen ebenso trivialen wie großen Nachhaltigkeitsvorteil: Sie begrenzen den Kunststoffaufwand, indem sie das Material als Produkt im Kreislauf halten – ohne den Umweg über das Recycling.

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