Paperization mit neuer Premiere: Mentos Pure Fresh Gum jetzt in Papier

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Paperization mit neuer Premiere: Mentos Pure Fresh Gum jetzt in Papier

Thomas Reiner | 25.03.2022

Premiere bei Kaugummis: Der italienisch-niederländische Süßwarenkonzern Perfetti Van Melle bietet seine Mentos Pore Fresh Gum jetzt in einer weitgehend recycelbaren Flasche an, die zu 90 Prozent aus Papier besteht. Vorerst nur bei Walmart in den USA eingesetzt, steht die neue Verpackung als weiterer Zeuge für die ungebrochene Dynamik bei der Substitution von Kunststoff durch Papier. Auch wenn die Ausprägungen der „Paperization“ weltweit unterschiedlich stark sind, hat sich die Entwicklung zu einem globalen Trend entwickelt, der vorerst ungebremst an Fahrt gewinnt.


 

Mentos Pore Fresh Gum ist das erste Produkt der Kategorie Kaugummi eines großen, global agierenden Süßwarenherstellers, das in einer weitgehend aus Papier bestehenden Verpackung verkauft wird.

Die neue Verpackung wird voraussichtlich in der ersten Hälfte des Jahres 2022 in die Regale kommen. Den Anfang macht Walmart, der die Kaugummis in der Papierflasche in etwa 3000 Filialen und über seinen Onlineshop anbieten wird.

 

Die Verpackungslösung

  • Die neu eingeführte Flasche besteht zu 90 Prozent aus Papier.
  • Sie ist zertifiziert recycelbar und zeigt auf ihrer Oberfläche eine Anleitung für Konsumentinnen und Konsumenten zur korrekten Entsorgung.
  • Die Pappflasche kann über die lokal verfügbaren Sammelsysteme entsorgen werden.
  • Die neue Verpackungslösung wurde von Perfetti Van Melle auf der „Sweets & Snacks Expo“ vorgestellt und gewann den Preis für das innovativste neue Produkt 2021 in der Kategorie Kaugummi und Minze.

 

Paperization goes global.

Der Trend zur Substitution von Kunststoff durch Papier ist ungebrochen und längst zu einem globalen Thema geworden. Die Entwicklung vollzieht sich weiter dynamisch und erobert Segment für Segment neue Einsatzbereiche.

Die Dynamik in der Wertschöpfungskette und der Druck aller Stakeholder – ob Markenartikler, Regulierung, Konsument, NGOs, Mitarbeiter, Investoren oder Handel – hin zur Kreislaufwirtschaft nimmt weiter zu. Entwicklungen, wie bei unserem Mentos Beispiel, werden wir immer häufiger zu Gesicht bekommen, solange der Kreislauf nicht geschlossen wird.

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U.S. Plastics Pact setzt 11 Materialien auf die schwarze Liste

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U.S. Plastics Pact setzt 11 Materialien auf die schwarze Liste

Thomas Reiner | 17.03.2022

Der U.S. Plastics Pact ist ein Konsortium, das von The Recycling Partnership und dem World Wildlife Fund (WWF) als Teil des globalen Programms der Ellen MacArthur Foundation (EMF) gegründet wurde. In seiner jüngst veröffentlichten Liste problematischer und unnötiger Materialien hat der Pact nun 11 Produkte und Materialien aufgeführt, die bis Ende 2025 abgeschafft werden sollen. Erneut zeigt sich, wie groß der geballte Druck von NGOs und den Big Playern von Handel und Markenartiklern ist. Die Wertschöpfungskette der Verpackung bekommt keine Pause…


 

Die „Problematic and Unnecessary Materials List“ des U.S. Plastics Pact listet elf Materialien und Produkte, die die in den Vereinigten Staaten „derzeit nicht in großem Umfang wiederverwendbar, recycelbar oder kompostierbar sind“ und „voraussichtlich bis 2025 in der Praxis und in großem Umfang nicht in einem geschlossenen Kreislauf gehalten werden können“.

 

Zielsetzung der „schwarzen Liste“

Die Abschaffung der gelisteten, problematischen und unnötigen Materialien soll Fortschritte bei der Gestaltung von Kreislaufverpackungen ermöglichen, die Möglichkeiten der Rückgewinnung erhöhen und die Qualität der für die Hersteller verfügbaren recycelten Inhalte verbessern.

Die „Problematic and Unnecessary Materials List“ stellt einerseits kein Verbot der genannten Produkte und Materialien dar. Andererseits produzieren die Mitglieder des U.S. Plastics Pact rund ein Drittel der relevanten Kunststoffverpackungen in den USA.

 

Was auf die Liste kommt

Die „Problematic and Unnecessary Materials List“ bezieht sich ausschließlich auf Kunststoffverpackungen. Medizinische Kunststoffe, wie sie in Kliniken, Krankenhäusern und verwandten Labor- und Forschungseinrichtungen verwendet werden, sind nicht Teil der Liste. Zu den gebrandmarkten Produkten und Materialien, die bis 2025 eliminiert werden sollen, gehören:

  • Absichtlich zugesetzte Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS), die entweder in der Verpackung vorkommen oder bei der Herstellung der Verpackung verwendet werden,
  • nicht nachweisbare Pigmente wie zum Beispiel Ruß,
  • undurchsichtige oder pigmentierte PET-Flaschen, was jede Farbe außer transparentes Blau oder Grün inkludiert,
  • oxo-abbaubare Zusatzstoffe einschließlich oxo-biologisch abbaubarer Zusatzstoffe,
  • PETG (Polyethylenterephthalat-Glykol) in starren Verpackungen,
  • PS (Polystyrol) einschließlich EPS (expandiertes Polystyrol),
  • PVC (Polyvinylchlorid) einschließlich PVDC (Polyvinylidenchlorid) sowie
  • problematische Etikettenkonstruktionen unter Einschluss von Klebstoffen, Druckfarben und Materialien wie beispielsweise PETG, PVC, PLA und Papier. Vermieden werden sollen Formate, Materialien und Merkmale, die eine Verpackung gemäß dem Design Guide der Association of Plastic Recyclers (APR) schädlich oder nicht recycelbar machen. Etiketten sollten die „APR Preferred Guidance“ für Abdeckung und Kompatibilität erfüllen. In allen Bereichen, in denen die Erfüllung dieser Anforderung unklar ist, sollen Etiketten daraufhin getestet werden.

 

Hintergrund: Das „Plastics Pact Network“ der EMF

Der U.S. Plastic Pact wurde im Jahr 2020 von The Recycling Partnership und dem World Wildlife Fund als Teil des globalen „Plastics Pact Network“ der EMF gegründet. Die am 25. Januar per Pressemitteilung publizierte „schwarze Liste“ hatte der U.S. Plastics Pact bereits im Juni vergangenen Jahres im Rahmen seiner „Roadmap to 2025“ angekündigt.

Die Aktion basiert auf einem von der Ellen MacArthur Foundation entwickelten globalen Rahmenwerk. Das „Plastics Pact Network“ der Ellen MacArthur Foundation verbindet nationale und regionale Initiativen auf der ganzen Welt, um Lösungen für eine Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe umzusetzen.

 

Mitglieder des U.S. Plastics Pact

Dem Pact gehören mehr als 100 Unternehmen an, darunter Materiallieferanten, Verpackungsunternehmen, große Einzelhändler und gemeinnützige sowie staatliche Organisationen.

Zu den Mitgliedern gehören neben Amcor, einem der weltweit größten Hersteller von Kunststoffverpackungen auch Markenartikler und Einzelhändler wie Aldi, Church & Dwight, Coca-Cola, Colgate-Palmolive, Danone North America, General Mills, Keurig Dr Pepper, Kimberly-Clark, Mondelez International, Nestle, Target Unilever, Walmart und viele andere mehr. Aber auch Regierungsbehörden, Recyclingunternehmen, Verbände der Recyclingindustrie und gemeinnützige Organisationen gehören zu den Mitgliedern des U.S. Plastics Pact.

 

Geballter Druck nivelliert das Gelände.

Die Teilnahme am U.S. Plastics Pact ist freiwillig und die Publikation der Liste bedeutet nicht notwendigerweise, dass jedes einzelne Mitglied des Plastics Pacts den Schritt gutheißt und unterstützt. Aber das ist auch nicht entscheidend. Denn die Realität nivelliert das Gelände. Angesichts des immer weiter steigenden Drucks durch NGOs und den Big Playern von Handel und Markenartiklern gibt es für die Stakeholder der Wertschöpfungskette Verpackung weder Ausweg noch Schlupfloch.

Wo Markenartikler um ihre Marken kämpfen, der Handel auf das Tempo drückt und NGOs das Thema öffentlich am Köcheln halten und den Rahmen vorgeben, entsteht ein faktischer Zwang. Er kommt auch ohne regulatorische Aktivitäten aus beziehungsweise läuft entsprechenden Gesetzen voraus. Gerade wenn fast alle großen Player mitmachen, gerät der gesamte Markt unter Zugzwang.

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100 % Kreislauf: Henkel bringt Pril in Nachfüllbeuteln für Pumpspender

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100 % Kreislauf: Henkel bringt Pril in Nachfüllbeuteln für Pumpspender

Thomas Reiner | 07.03.2022

Der Konsumgüterriese Henkel bietet sein Handgeschirrspülmittel Pril jetzt in einer PET-Pumpspenderflasche aus 100 Prozent Rezyklat. Der Mehrwegspender kann mit Nachfüllpackungen aus recycelbarem Mono-PE wiederverwendet werden. Das Refill-Konzept ist an sich keine neue Erfindung. Aber es bekommt im Zuge der Nachhaltigkeitsrevolution bei Verpackungen eine ganz neue Bedeutung. Im Schulterschluss mit Mehrweg ist es ein Kernthema der Branche. Henkels Lösung für Pril ist dabei nur ein erster Schritt.


 

Seit Januar 2022 können Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland Pril in der neuen Mehrweg-Nachfüll-Lösung kaufen. Henkel sieht sein neues Verpackungskonzept als wichtigen Schritt beim Erreichen seiner ambitionierten Nachhaltigkeitsziele. Bis 2025 sollen 100 Prozent der eingesetzten Verpackungen recycelbar oder wiederverwendbar sein. Gleichzeitig soll die Verwendung fossilen Neukunststoffes um 50 Prozent reduziert werden.

 

Kerndaten zur Verpackungslösung

Die wiederverwendbare Pumpspenderflasche besteht zu 100 Prozent aus recyceltem PET. Die leichten Nachfüllbeutel für den Mehrwegspender bestehen aus recycelbarem PE-Monomaterial. Der Beutel soll einfach in der Handhabung, als auslaufsicher zertifiziert, sehr langlebig und auch für Hauszustellungen geeignet sein.

 

Der Umweltvorteil

Der flexible Standbodenbeutel reduziert den Kunststoffverbrauch im Vergleich zu einer starren Kunststoffflasche um satte 70 Prozent. Durch die Verwendung von PE-Monomaterial ist er – eine entsprechende Infrastruktur vorausgesetzt – leicht und gut recycelbar.

Zusammen mit dem Mehrwegspender aus recyceltem PET wurde somit ein kreislaufgerechtes, komplett wiederverwendbares Verpackungskonzept geschaffen.

 

Zurück in die Zukunft

Nachfüllbeutel sind keine neue Erfindung. Das Konzept und entsprechende Anwendungen gibt es bereits seit mehreren Jahrzehnten. Flächendenkend durchsetzen konnte sich das Refill-Konzept bisher allerdings nicht. Sie waren für den Handel aus Kostengründen nicht attraktiv genug.

Die Nachhaltigkeitsrevolution ändert das jetzt. Refill ist in Kombination mit Mehrweg zu einem Kernthema für die Branche geworden – und wir werden hier noch viel radikalere Lösungen sehen. Spielraum dafür gibt es mehr als genug.

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Das wird teuer: UK Plastic Packaging Tax tritt am 1. April 2022 in Kraft

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Das wird teuer: UK Plastic Packaging Tax tritt am 1. April 2022 in Kraft

Thomas Reiner | 04.03.2022

Zum 1. April 2022 führt Großbritannien eine „Plastic Packaging Tax“ (PPT) ein. Sie gilt für alle Kunststoffverpackungen, die weniger als 30 Prozent Rezyklat enthalten und muss von den Herstellern oder Importeuren entrichtet werden. Die Steuer von 200 £ (rund 240 €) pro Tonne ist kein Pappenstiel. Sie könnte betroffene Verpackungen um circa 20 Prozent verteuern und einen spürbaren Effekt auslösen. Die UK PPT ist ein weiterer Beleg für den immensen Druck, den die Gesetzgeber im Bereich Kunststoff ausüben. Ein Ende ist nicht abzusehen, im Gegenteil. Das Thema wird weiter Kreise ziehen – und dabei nicht auf Europa beschränkt bleiben.


 

Die neue Steuer auf Plastikverpackungen in Großbritannien reiht sich in die Bestrebungen diverser Länder ein, den Einsatz insbesondere von Einweg-Kunststoff zu regulieren.

 

Plastiksteuer in der EU

So hat das EU-Parlament 2020 eine Abgabe auf nicht recycelte Altverpackungen aus Kunststoff auf den Weg gebracht. Seit Januar 2021 wird diese Kunststoffabgabe in den EU-Ländern umgesetzt. Sie beträgt 0,80 Euro pro Kilogramm der im jeweiligen Mitgliedstaat angefallenen, nicht recycelten Verpackungsabfälle aus Kunststoff.

Aktuell ist in vielen Ländern der EU noch unklar, wer diese Zeche am Ende begleichen soll. Deutschland hat im vergangenen Jahr 1,3 Milliarden Euro „Plastik-Abgabe“ aus Steuergeldern an die EU überwiesen. Die Ampelkoalition hat jedoch bereits angekündigt, dass die Abgabe zukünftig von den Unternehmen zu zahlen sein wird.

 

Details zur UK Plastic Packaging Tax

Großbritannien hat in dieser Beziehung mit seiner Plastic Packaging Tax bereits Klarheit geschaffen und die Abgabelast den Herstellern und Importeuren übertragen.

Außerdem hat man die Kunststoffverpackungssteuer mit dem Gewichtsanteil des eingesetzten Kunststoffs sowie dem Einsatz von Kunststoffrezyklat verbunden. So trifft die Abgabe nur Verpackungen,

  • die gemessen am Gewichtsanteil überwiegend aus Kunststoff bestehen und
  • bei denen gleichzeitig weniger als 30 Prozent des eingesetzten Kunststoffs aus Rezyklat sind.

Ausgenommen von der PPT sind Hersteller und Importeure, die weniger als 10 Tonnen Kunststoffverpackungen pro Jahr in Verkehr bringen bzw. einführen. Diese Grenze wurde eingeführt, um übermäßige administrative Aufwände zu vermeiden.

Importierte Verpackungen unterliegen der PPT unabhängig davon, ob sie befüllt oder unbefüllt nach UK gelangen.

 

Ziel der PPT

Nach Aussage der britischen Regierung ist das Ziel der Plastic Packaging Tax, einen klaren wirtschaftlichen Anreiz für die Wirtschaft zu schaffen, mehr recycelten Kunststoff bei der Herstellung von Plastikverpackungen einzusetzen. Man verspricht sich davon eine gesteigerte Nachfrage nach Rezyklat, die ihrerseits zu einer Steigerung von Quantität und Qualität sowohl des Recyclings als auch der Abfallsammlung führen soll. Verbrennung und landgestützte Deponierung von Kunststoffabfällen sollen im gleichen Zug reduziert werden.

 

Folgen und Ausblick

Die UK-PPT wird Kunststoffverpackungen definitiv verteuern. Die Preissteigerungen könnten sich am Ende auf circa 20 Prozent belaufen. Der Effekt wird also deutlich spürbar sein und könnte entsprechend zu relevanten Veränderungen beim Einsatz von überwiegend aus Kunststoff bestehenden Verpackungen führen.

 

Insgesamt zeigt sich, dass das Thema Kunststoff weiterhin ganz oben auf der Agenda der Regulatoren steht. Der Druck ist schon jetzt immens und er steigt weiter. Abgaben auf Kunststoffverpackungen werden sich zusehends etablieren und dabei nicht auf den europäischen Raum beschränkt bleiben. Die Uno-Umweltkonferenz in Nairobi hat diesbezüglich Ende Februar 2022 ein weiteres Zeichen gesetzt und ein internationales Plastikabkommen auf den Weg gebracht.

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