Eine neue „Dating-Plattform“ für Verpackungsmaschinen zeigt: Der digitale Wandel in der Verpackungsindustrie nimmt Gestalt an

Eine neue „Dating-Plattform“ für Verpackungsmaschinen zeigt: Der digitale Wandel in der Verpackungsindustrie nimmt Gestalt an

Thomas Reiner | 11.06.2021

Die Ampeln für die Plattform-Ökonomie stehen schon seit geraumer Zeit auf Grün. Ihr Versprechen, Intransparenz und Ineffizienz aus dem Markt zu holen, ist unschlagbar. Auf absehbare Zeit werden sich deshalb große Teile der Industrie zu einer Plattform-Ökonomie wandeln. Erstaunlich ist eigentlich nur, dass sich bisher so wenig getan hat – gerade im Bereich Maschinenbau.

Mit Packpart macht sich nun eines der ersten Start-ups in diesem Bereich auf den Weg. Seine Dating-Plattform vernetzt Projektanfragen von Kundenseite mit dem Know-how und den Angeboten von Maschinenbauern. Im Zentrum der Plattform steht ein automatisiertes, digitales Matching-System. Den Start machen die Branchen Chemie, Pharma, Kosmetik und Food.

Das Versprechen der Plattform: Sie vereinfacht die Suche nach einem passenden Verpackungsmaschinenhersteller, senkt den Aufwand für Kunden sowie Anbieter und optimiert das Ergebnis.

 

So funktioniert die Dating-Plattform

  1. Kunden starten ein Projekt und geben dafür ihre individuellen Anforderungen an die Verpackungsmaschine an. Ein interaktiver Fragekatalog leitet durch den Prozess. Die Angaben werden direkt in ein vorbereitetes, digitales Lastenheft übernommen, das für den weiteren Projektverlauf zur Verfügung steht.
  2. Die Angaben werden automatisch mit dem Leistungsspektrum der registrierten Maschinenhersteller abgeglichen. Der Kunde erhält am Ende eine Übersicht der Hersteller, die am besten zu seinen Anforderungen passen.
  3. Aus der Übersicht wählt der Kunde diejenigen Hersteller aus, an die seine Projektanfrage übermittelt werden soll. Die Weitergabe erfolgt anonymisiert.
  4. Die kontaktierten Maschinenbauer holen bei Bedarf über die Betreiber der Plattform zusätzliche Informationen zum Projekt ein. Sind sie interessiert, erhalten die Hersteller die Kontaktdaten des Kunden und setzen sich direkt mit ihm in Verbindung.

 

Vorbote eines tiefgreifenden Wandels

Das Start-up Packpart hat seinen Sitz Rosengarten, Baden-Württemberg. Die Region in Süddeutschland ist ein Zentrum des Maschinenbaus. Gründer Christian Baumann hat die Zeichen der Zeit erkannt. Seine Dating-Plattform ist Vorbote eines tiefgreifenden Wandels, der die ganze Industrie erfassen wird. Plattformen bringen Transparenz und Effizienz in einen Markt, der gerade im Bereich Verpackung noch viel zu oft vom Gegenteil beherrscht wird.

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Das Refill-Modell: Reduziert das Verpackungsaufkommen & erhöht gleichzeitig die Kundenbindung

Bildquelle: „Algramo home delivery“ by Nestlé is licensed under CC BY-NC-ND 2.0

Das Refill-Modell: Reduziert das Verpackungsaufkommen & erhöht gleichzeitig die Kundenbindung

Thomas Reiner | 19.03.2021

In den kontaktlosen Refill-Automaten-Kiosken von Algramo können Verbraucher Grundnahrungsmittel, Hygiene- und Pflegeprodukte grammweise kaufen. Genutzt werden digital aufgerüsteten Mehrwegverpackungen. Das Modell fördert Kreislaufwirtschaft, reduziert das Verpackungsaufkommen und ist ein smartes Marketing-Tool zur langfristigen Kundenbindung.


 

Verbraucher in New York können in Algramos kontaktlosen Automaten-Kiosken Hygiene- und Pflegeprodukte „grammweise“ kaufen. Zum Einsatz kommen dabei spezielle, digital aufgerüstete Mehrwegverpackungen. Jeder der Refill-Container enthält einen Chip, der mit dem Kundenkonto vernetzt ist und alle Käufe registriert. Die Bezahlung erfolgt wahlweise konventionell oder über eine App.
Die Digitalisierung des Modells erlaubt nicht nur eine effiziente Messung und Steuerung der Produktnachfrage und Automatenbefüllung. Es bietet darüber hinaus auch ein smartes Marketing-Tool zur langfristigen Kundenbindung. Algramos Projekt ist ein weiteres Beispiel dafür, wie Digitalisierung zum Treiber von Kreislaufwirtschaft wird. Neben der Reduzierung des Verpackungsaufkommens bietet es darüber hinaus nachhaltige Vorteile, die auch Antworten auf soziale Fragen liefern können.

Refill und Mehrweg für soziale Nachhaltigkeit
Bereits 2012 startete das Start-up Algramo in seiner Heimat Chile mit kontaktlosen Automaten-Kiosken, in denen Verbraucher Grundnahrungsmittel grammweise kaufen konnten. Mit dem Modell adressierte Algramo die sogenannte „Armutssteuer“, die ökonomisch benachteiligte Verbraucher zwang, auf kleine Produktgrößen zurückzugreifen, weil das Geld im Portemonnaie nicht für Bulk- und Großpackungen reichte. Durch höhere Aufwände bei Logistik und Verpackung zahlte der arme Teil der Bevölkerung so bis zu 40 Prozent mehr für die gleiche Ware.
Algramos Verkaufsautomaten konterten diesen Nachteil. Verbraucher konnten nun ohne die sonst üblichen Mehrkosten so viel bzw. wenig von Waren des täglichen Bedarfs kaufen, wie sie benötigten – von Reis bis hin zu Waschmitteln. Mittlerweile ist Algramo nach eigenen Angaben in über 2.000 Familiengeschäften vertreten und erreicht so über 325.000 Endkunden in Santiago de Chile.

Refill und Mehrweg: Digitales Tool für Marketing und Kreislaufwirtschaft
Jetzt rollt Algramo sein Modell über Pilotprojekte mit Nachfüllautomaten auch in New York City aus. Passend zur aktuellen Pandemie bietet das Unternehmen in seinen kontaktlosen Automaten-Kiosken Hygiene- und Pflegeprodukte von Colgate Palmolive, Clorox und EcoLogicSolutions an. Aber auch wenn die Zielgruppe eine andere ist: Die finanziellen und ökologischen Vorteile sind die gleichen.

Algramo zeigt, wie man die Etablierung der Kreislaufwirtschaft vorantreiben und das Verpackungsaufkommen reduzieren, gleichzeitig Kostenvorteilen für Verbraucher schaffen und sogar soziale Fragen adressieren kann. Nicht zuletzt entsteht mit der digital aufgerüsteten Mehrweg-Refill-Verpackung ein smartes Marketing-Tool, das individuelle Daten schöpft und neue Möglichkeiten zur langfristigen Kundenbindung entstehen lässt.

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Digitalisierung wird zwar Top-Wachstumschance der Verpackungsindustrie gesehen, doch es wird wenig Gewinner geben

Digitalisierung wird zwar Top-Wachstumschance der Verpackungsindustrie gesehen, doch es wird wenig Gewinner geben

Thomas Reiner | 02.03.2021

Eine Befragung von B+P-Consultants unter 270 Führungskräfte der Verpackungsindustrie zeigt, dass 77% der Unternehmen Digitalisierung als Wachstumschance sehen und schon bald relevante Umsätze erwartet. Gut so. Es wird allerdings nur wenige Gewinner geben und viele Verlierer. Denn die Mehrzahl ist schlecht vorbereitet. Obwohl klar ist, wo der digitale Schlüssel liegt.


 

B+P-Consultants hat im Q4 2020 eine Befragung unter 270 Führungskräfte der Verpackungsindustrie durchgeführt. Dabei zeigt sich, dass eine überwältigende Mehrheit von 77 Prozent der Branche Digitalisierung als Wachstumschance sieht (bei Maschinenbauern sind es sogar 89%). Das ist gut so und bleibt unwidersprochen. Auch, dass satte 70 Prozent schon bis 2025 relevante Umsätze über die digitalen Kanäle erwartet, d.h. über 5% ihres Umsatzes, könnte ein positives Zeichen sein. Man muss sich allerdings fragen, worauf dieser Optimismus beruht. Denn in den meisten Fällen fehlen die Grundlagen.

Ein Großteil der Industrie ist auf den Wandel schlecht vorbereitet und hinkt digital gewaltig hinterher. Deshalb wird es unter den Unternehmen der Verpackungsindustrie nur wenige Gewinner der Digitalisierung geben – und viele Verlierer. Die wenigsten werden in der Lage sein, bis 2025 rund 5 Prozent oder mehr ihres Umsatzes über digitale Kanäle zu generieren.

Man kann davon ausgehen, dass sich der online erzielte Umsatz in Zukunft auf die wenigen Gewinner konzentrieren wird. Und hier besonders auf jene, die die Bedeutung digitaler Plattformen erkannt haben. Digitale Plattformen ermöglichen disruptive Dynamik. Sie lösen alte Strukturen und Geschäftsmodelle auf, um sie grundlegend neu zu gestalten. Und sie erlauben einen direkten und mit viel Wissen hinterlegten Zugang zur Zielgruppe. So lassen sich beispielsweise Kundenwünsche und -Bedürfnisse früh erkennen und bedienen.

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B+P Consultants Umfrage zeigt: 89 % der Maschinenbauer sehen Digitalisierung als Wachstumschance

B+P Consultants Umfrage zeigt: 89 % der Maschinenbauer sehen Digitalisierung als Wachstumschance

Thomas Reiner | 08.01.2021

Der Maschinenbau steht ganz klar am Scheideweg. Auf der einen Seite ist die Digitalisierung endlich angekommen. Auf der anderen Seite ist der Nachholbedarf noch extrem hoch. Und auch diejenigen, die sich in Sicherheit wiegen, sollten die Füße nicht hochlegen.


 

Eine von B+P Consultants in Oktober 2020 durchgeführte Befragung von 270 Führungskräften der Verpackungsindustrie zeigt, dass 89 Prozent der Verpackungsmaschinenbauer die Digitalisierung als Wachstumschance betrachten. Gleichzeitig fühlen sich jedoch nur 42 Prozent zum Thema Digitalisierung ausreichend aufgestellt.

Was die Studie von B+P Consultants auch zeigt: Vertrieb und Kommunikation sind die Teilbereiche der Digitalisierung, die für Maschinenbauer aktuell am stärksten unter den Nägeln brennen. 67 Prozent der Maschinenbauer bezeichnen Vertrieb und Kommunikation als ihr aktuell primäres, digitales Handlungsfeld. Die Gründe liegen auf der Hand. Der Ausfall von Präsenz-Messen und die Unsicherheit, wie es bei Messen und Veranstaltungen weitergeht, trifft die Branche ungleich härter, als andere.

Der Maschinenbau steht ganz klar am Scheideweg. Auf der einen Seite ist die Digitalisierung als Thema und Handlungsfeld endlich angekommen. Die Corona-Pandemie hat die Entwicklung um rund sechs Jahre beschleunigt. Und sie hat das Thema endlich auch in den Köpfen der Geschäftsführung verankert. Das ist ein wertvoller und wichtiger Schritt. Mittlerweile geht es bei der Digitalisierung des Vertriebs auch langfristig um die strategische Erhaltung und den Ausbau der eigenen Wettbewerbsfähigkeit.

Auf der anderen Seite ist der Nachholbedarf noch extrem hoch. Dass sich 58 Prozent der Befragten nicht ausreichend aufgestellt sehen, ist ein klares Alarmsignal.
Gleichzeitig sollten sich auch jene 42 Prozent, die sich beim Thema Digitalisierung gut gerüstet sehen, ihrer Sache nicht zu sicher sein. Digitalisierung ist extrem dynamisch und disruptiv. Mehr als in anderen Themenfeldern gilt die Erkenntnis, dass das Gefühl von Kontrolle dazu verleitet, den eingeschlagenen Weg nicht schnell und entschieden genug weiter zu gehen. Rasten und ausruhen sind keine Option.

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