Wo Nachhaltigkeit und Produktschutz aufeinanderprallen. Ritter Sport verpackt Schokolade in Papier

Quelle: Ritter-Sport

 

Wo Nachhaltigkeit und Produktschutz aufeinanderprallen. 

Ritter Sport verpackt Schokolade in Papier

Thomas Reiner | 24.03.2020

Die Alfred Ritter GmbH & Co. KG stellt nun unter der Marke Ritter Sport erstmals eine zu 100 Prozent in Papier verpackte Schokoladentafel vor. Dabei ersetzt ein laut dem Unternehmen neu entwickeltes „Spezialpapier“ die bislang verwendete, bereits recycelbare Monomaterial-Kunststofffolie.

Die Aktion ist vorerst auf 1.500 Tafeln beschränkt, für die sich Konsumenten als Tester bewerben konnten. Weitere Tafeln wurden in den beiden Flagship-Stores verkauft. Ein QR-Code auf der Verpackung führt zu einem kurzen Fragebogen, mit dem die Verbraucher ihr Feedback zur Verpackung abgeben können.

Ritter Sport testet auf diese Weise die Alltagstauglichkeit seiner Verpackungsinnovation – und nimmt die bereits vermuteten Schwierigkeiten beim Einsatz von Papierverpackungen für fettige Produkte unter die Lupe des Konsumentenalltags.

Die Frage, ob die Papierverpackung am Ende besser sei, als die vorher eingesetzte Kunststofffolie, beantwortet Ritter Sport in seinem Blog mit einem eindeutigen JEIN.

Dieses Jein ist die Antwort auf einen Konflikt zwischen dem Anspruch auf Nachhaltigkeit durch Substitution von Kunststoff auf der einen Seite und der zwingenden Notwendigkeit von Lebensmittelsicherheit und Haltbarkeit auf der anderen Seite.

Der Konflikt bezeichnet auch die großen Hürden, denen sich die Papierindustrie gegenübersieht. Wie lässt sich die Nachhaltigkeit des Materials mit dem unverzichtbaren Produktschutz verschmelzen?

Wie das Ritter Sport – „Spezialpapier“ genau funktioniert, möchte man beim Unternehmen noch nicht sagen. Es ist aber davon ausgehen, dass vor allem eine aufgebrachte Beschichtung das Papier zum „Spezialpapier“ macht.

Aber selbst wenn technische Fragen offenbleiben: Der Test von Ritter Sport ist spannend. Nicht zuletzt, um zu erkunden, wie der Konsument das Ergebnis in der Praxis beurteilt.

LINK:
Ritter Sport Blog (nur auf Deutsch): https://www.ritter-sport.de/blog/2020/01/23/in-papier-ein-meilenstein/

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Theoretische Rezyklierbarkeit reicht nicht. Kreisläufe müssen real funktionieren

 

 

Theoretische Rezyklierbarkeit reicht nicht.

Kreisläufe müssen real funktionieren

Thomas Reiner | 20.03.2020

Jüngst hat mit China einer der weltweit größten Verbraucher von Kunststoff einen landesweiten Plan zur Reduzierung von Einweg-Kunststoffen vorgestellt.

Der Plan sieht unter anderem vor, noch dieses Jahr nicht abbaubare Einkaufstüten in den Großstädten abzuschaffen und zu verbieten. Der Rest des Landes soll dann bis 2022 folgen. Ebenfalls schon dieses Jahr startet der Bann von Einwegtrinkhalmen aus Kunststoff für das Gaststättengewerbe.

Die Aktion kommt nicht von ungefähr. China kämpft seit Jahren mit dem Abfall, den seine 1,4 Milliarden Bürger erzeugen. Die größte Deponie des Landes, immerhin rund 100 Fußballfelder groß, ist bereits heute voll. Dabei sollte sie noch 25 Jahre lang Abfall aufnehmen.

Das jüngste Beispiel China zeigt, dass wir bei Kunststoff längst nicht mehr über regionale Trends und Sondersituationen reden. Das Problem ist global und das Muster der „Problembewältigung“ immer gleich: Drastische Maßnahmen von Seiten der Gesetzgeber und Regulatoren.

Immer gleich ist auch der Grund des Musters, nämlich das Fehlen funktionierender Kreisläufe. Solange wir die Kreisläufe nicht geschlossen bekommen, solange bleibt jedes „Design for Recycling“ Theorie, weil es ohne praktische Auswirkung ist.

Plakativ ausgedrückt: Die Einkaufstüte aus 100 Prozent recyclingfähigem Kunststoff richtet in der Natur den gleichen Schaden an, wie ihr konventioneller Vorgänger.
Rezyklierbarkeit reicht nicht aus. Rezyklierbares muss auch in den Kreislauf gelangen und in ihm verbleiben!

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Der Trend geht klar zum Monomaterial. Colgate macht es bei der Zahnpastatube

Quelle: Colgate-Palmolive Services CEW GmbH

 

Der Trend geht klar zum Monomaterial.

Colgate macht es bei der Zahnpastatube.

Thomas Reiner | 04.03.2020

Colgate-Palmolive bringt die erste Zahnpastatube auf den Markt, die zu 100 Prozent recycelbar ist. Das Recycling herkömmlicher Zahnpasta-Tuben gestaltet sich bislang schwierig, da sie in der Regel aus mehreren Lagen unterschiedlicher Kunststoffe sowie einer dünnen Aluminiumschicht im Inneren bestehen, die zu einer einzigen Folie zusammengepresst werden. Diese Laminate bzw. Verbundstoffe lassen sich hinterher mit herkömmlichen Methoden nicht mehr trennen und für die Wiederverwertung erschließen.

Die Ingenieure von Colgate-Palmolive ersetzen die herkömmliche Laminatlösung durch eine Monomateriallösung aus High-Density-Polyethylen (HDPE). Bisher galt HDPE als zu steif, um darauf eine flexible Tube herstellen zu können. Als Einstoff-Verpackung lässt sich die Tube leicht detektieren und sortenrein recyceln. Genau das ist der Charme von Monomaterial, das deshalb voll im Trend liegt.

In die Hände spielte den Colgate-Ingenieuren die Rezeptur der ausgewählten Zahnpasta. Die „Smile-for-Good“-Produkte bestehen aus nur wenigen Inhaltsstoffen, die zu 99,7 Prozent natürlichen Ursprungs sind. Das hat zur Folge, dass die chemischen Anforderungen an den Produktschutz, den die Verpackung leisten muss, vergleichsweise gering sind.

Colgate hat angekündigt, bis 2025 alle Tuben recycelbar zu gestalten. Ob man dabei durchweg an Monomaterial-Lösungen denkt? Laminate sind bislang nicht wegzudenken, wenn es um den Schutz von Produkten mit anspruchsvolleren chemischen Eigenschaften geht. Um den Verbundstoff auch hier durch Monomaterial zu ersetzen, müssten hohe Hürden genommen werden.

Gut möglich, dass sich manche Hürde als Mauer erweist, die man technologisch nicht überspringen kann. Es wäre nicht verwunderlich, wenn sich der konsequente Einsatz von Monomaterial in vielen Fällen nur über eine veränderte Produktrezeptur erkaufen lässt.

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Zugzwang durch hohe Umweltziele: Unilever testet Eis am Stiel ohne Einzelverpackung.

Quelle: Unilever Langnese 2019

 

Zugzwang durch hohe Umweltziele: 

Unilever testet Eis am Stiel ohne Einzelverpackung.

Thomas Reiner | 26.02.2020

Eis am Stiel ist in Sammelpackungen üblicherweise einzeln in Kunststoffbeutel verpackt. Darauf verzichtet Langnese nun beim Produkt „Solero Lemon Bio“.

Die neu eingesetzte Sammelpackung fasst die einzelnen Eis am Stiel in getrennten Fächern. Sie besteht zu 95 Prozent aus Papier und ist im Inneren mit einer dünnen Barriereschicht aus Kunststoff ausgekleidet. Nach eigenen Angaben kann die Verpackung vollständig über den Altpapierkreislauf entsorgt werden.

Dass Langnese just ein veganes Bio-Eis für den Testlauf ausgesucht hat, ist kein Zufall, sondern clever. Die „Öko-Zielgruppe“ ist bekanntlich eher verpackungskritisch und dürfte daher grundsätzlich positiv auf das Experiment reagieren. Man darf gespannt auf das Feedback sein, dass Langnese von den Käufern über einen aufgedruckten QR-Code erbittet.

Hintergrund des mutigen Testlaufs von Langnese sind die ambitionierten Umweltziele der Konzernmutter Unilever. Diese will schon 2020 den Entsorgungsabfall ihrer Produkte gegenüber 2010 halbieren. Hohe Ziele, die für einen hohen Zugzwang sorgen.

Die spannende Frage: Was passiert, wenn Langnese die Verpackung im ganzen Sortiment umstellt und nicht nur im Bio-Bereich? Wie reagiert die breite Masse der Konsumenten? Nur über das relativ kleine Bio-Sortiment lassen sich die hohen Ziele nicht erreichen.

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