Lidl UK setzt vollständig auf kompostierbare Plastikbeutel für Obst und Gemüse

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Lidl UK setzt vollständig auf kompostierbare Plastikbeutel für Obst und Gemüse

Thomas Reiner | 17.11.2021

Die britischen Filialen des Discount-Giganten Lidl werden ab Januar 2022 alle Einweg-Plastiktüten für Obst und Gemüse durch kompostierbare Beutel ersetzen. Die Aktion zeigt, wie intensiv und flächendeckend der Handel nach Lösungen sucht, um den Einsatz von insbesondere konventionellem Kunststoff zu minimieren. Der Handel ist und bleibt einer der Haupttreiber von Kreislaufwirtschaft. Gerade im Bereich der Consumer Packaged Goods wird das auf absehbare Zeit so bleiben – und weiter zunehmen.


 

Das zur Schwarz-Gruppe gehörende Handelsunternehmen Lidl ist der nach Filialen größte Discounter der Welt. Das Unternehmen hat sich verpflichtet, bis 2025 alle seine Eigenmarken weitgehen recycelbar, wiederverwendbar oder nachfüllbar zu verpacken.

Zugrunde liegt eine „REset Plastic“ genannte Strategie. Sie zielt darauf ab, Plastikmüll zu eliminieren. Dafür setzt das Unternehmen auf die allgemeine Reduzierung des Kunststoffeinsatzes sowie die Wiederverwertbarkeit der verwendeten Kunststoffe.

 

Kompostierbare Beutel für UK

Als Teil von REset Plastic werden ab Anfang 2022 alle Einweg-Plastiktüten für Obst und Gemüse in den Filialen des Vereinigten Königreichs auf kompostierbare Varianten umgestellt. Die Umstellung wird nach Unternehmensangaben 275 Tonnen herkömmliche Einwegkunststoffe pro Jahr einsparen.

Der neue Beutel kann von Konsumentinnen und Konsumenten zu Hause als Caddy-Liner für die Sammlung von Lebensmittelabfällen oder für deren Heimkompostierung wiederverwendet werden.

 

Der Handel geht voran.

Die jüngste Initiative von Lidl zeigt erneut, wie intensiv und konsequent der Handel in alle Ecken nach Lösungen sucht, um den Kunststoffeinsatz zu reduzieren. Wo sich Kunststoff nicht komplett substituieren lässt, dort muss er zumindest kompostierbar sein oder aus recycelbarem Rezyklat hergestellt sein.

Der Handel ist und bleibt einer der Haupttreiber von Kreislaufwirtschaft. Speziell im Bereich der Consumer Packaged Goods ist kein Ende dieser Entwicklung abzusehen – im Gegenteil.

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Ocean-Littering steht wieder im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion

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Ocean-Littering steht wieder im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion.

Thomas Reiner | 01.10.2021

​Das Thema Ocean Littering nimmt weltweit wieder an Fahrt auf. Nach einer kurzen Abschwächung durch die Corona-Pandemie schnellt die Stichwortsuche „Plastic Waste“ in den Google-Suchtrends wieder steil nach oben. Markenartikler müssen aufpassen, ihre Assets nicht zu beschädigen. Es geht nicht darum, ob Konsumenten für Nachhaltigkeit mehr bezahlen werden. Es geht darum, die Nachhaltigkeits-Erwartungen der Konsumenten nicht zu enttäuschen. Der Schlüssel dazu ist die Verpackung. 


 

Ein aktueller Blick auf die Google-Suchtrends zum Stichwort „Plastic Waste“ zeigt die weiter wachsende Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit für Konsumenten. Dass Plastikabfälle für Verbraucher im Zentrum von Nachhaltigkeit stehen, mag objektiv diskutabel sein. Subjektiv aber ist es eine Tatsache, die speziell bei Markenartiklern die Alarmglocken läuten lassen sollte. Denn Konsumentinnen und Konsumenten erwarten zunehmend mehr Nachhaltigkeit und verbinden das emotional stark mit Ocean Littering. Marken, die diesen Umstand missachten, laufen Gefahr, ihre Assets zu beschädigen.

 

Plastic Waste als globales Schlüsselthema

Ocean Littering ist kein exklusives Thema für Wohlstandsbürger. Wer denkt, dass sich nur die gesättigten Verbraucher mit Nachhaltigkeit und Plastik in den Meeren beschäftigt, liegt fehlt. Gerade Länder, die besonders stark von unerwünschten Plastikeinträgen in die Umwelt betroffen sind, wie beispielsweise Ghana, Äthiopien oder Indien, zeigen ein hohes Bewusstsein – auch ohne Green Deal und regulationsgetriebene Kreislaufwirtschaft.

Das Thema Plastic Waste ist weltweit dominant und nimmt global seit Jahren signifikant an Fahrt auf. Die Corona-Pandemie hat nur kurzzeitig für einen Rückgang gesorgt.

 

Konsumentendruck und die Gefahr enttäuschter Erwartungen

Der Druck zu mehr Nachhaltigkeit und zur Vermeidung von Plastikabfällen kommt von der Konsumentenseite. Wer das Thema als proprietäres Anliegen der Regulierer sieht und sich mit der Frage beschäftigt, ob Verbraucherinnen bereit sind, für mehr Nachhaltigkeit auch mehr zu zahlen, folgt einem falschen Denkansatz.

Fakt ist: Marken müssen nachhaltiger werden, um ihre Brandassets zu bewahren. Fehlende Nachhaltigkeit enttäuscht die Erwartungen der Konsumenten und beschädigt den Markenkern nachhaltig. Nachhaltigkeit ist für Marken alternativlos.

 

Verpackung macht den Unterschied

Die gute Nachricht für Brands: Es gibt einen erprobten und machbaren Königsweg zu mehr Nachhaltigkeit für das Markenimage: Die Verpackung.

Verbraucher machen die Nachhaltigkeit von Produkten und Marken vor allem an der Verpackung fest. Sie ist der erste und wirkungsvollste Botschafter. Diesen Hebel sollten Brands nutzen.

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Unilever testet Nachfüllmodelle und aktiviert Konsumenten.

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Unilever testet Nachfüllmodelle und aktiviert Konsumenten.

Thomas Reiner | 03.09.2021

Wiederverwendbare Edelstahlflaschen stehen im Zentrum der „Return on the Go“ – Modellversuche von Unilever. Bis Ende des Jahres testet der Konsumgütergiganten in UK unterschiedliche Nachfüllmodelle, Ladenformate und Kundenerlebnisse. Ein zentraler Aspekt der Initiative ist auch der Versuch, Konsumenten zur Kooperation in Sachen nachhaltiges Kaufen und Konsumieren zu bewegen. Refill zeigt sich damit erneut als wichtiger Baustein nachhaltiger Strategien. Der Ansatz wird weiter an Fahrt aufnehmen – und bietet gerade für Newcomer große Chancen.


 

Nach dem Start des größten europäischen Nachfüllversuchs durch Unilever im vergangenen Jahr, legt der Konsumgütergigant nun nach. Im Rahmen der „Return on the Go“ – Initiative testet das Unternehmen in UK bis Ende 2021 unterschiedliche Nachfüllmodelle, Ladenformate und Kundenerlebnisse bei der Nutzung nachfüllbarer Produkte. Dafür werden wichtige Marken wie beispielsweise Persil, Simple, Radox und Alberto Balsam in wiederverwendbaren Edelstahlflaschen angeboten. Refill zeigt sich damit erneut als wichtiger Baustein nachhaltiger Strategien. Der Refill-Ansatz wird zweifelsohne weiter an Fahrt aufnehmen. Ein entscheidender Aspekt von Unilevers Initiative ist auch die Aktivierung der Konsumentinnen und Konsumenten. Sie sollen zur Kooperation in Sachen Nachhaltigkeit und nachhaltigem Konsum bewegt werden. Dieser Ansatz ist wichtig, denn echte Kreislaufwirtschaft und Wiederverwendung funktioniert nur im Zusammenspiel mit den Verbrauchern. Newcomern bietet Refill große Chancen für den Markteintritt oder den Gewinn von Marktanteilen. Denn die arrivierten, großen Brands sind in diesem Bereich oft noch angreifbar. Sie geben sich beispielsweise dort eine Blöße, wo geeignete Verpackungen fehlen.

 

Die „Return on the Go“- Initiative

  • Unilever testet seine Refill-Modelle bis Ende 2021 in sieben ausgewählten Asda- und Co-op-Filialen in UK.
  • In den Versuchen werden unterschiedliche Nachfüllmodelle, Ladenformate und Kundenerlebnisse im Zusammenhang mit der Nutzung nachfüllbarer Produkte getestet.
  • Im Zentrum des Angebots steht ein „Grab and Go“-Einkauf vorgefüllter Edelstahlflaschen aus dem Regal. Die Flaschen können nach Gebrauch in der Filiale zurückgeben werden. Anschließend werden die Flaschen, wo sie gesammelt, gereinigt und neu befüllt.
  • Unilever erhofft sich Erkenntnisse darüber, ob die Integration von nachfüllbaren Produkten in die üblichen Einkaufsgewohnheiten der Konsumenten die Akzeptanz von Refill erhöht. Zeigen soll sich auch, ob Kunden die wiederverwendbare Edelstahlflasche nicht nur im Erstkauf erwerben, sondern ob sie die Flasche nach Gebrauch auch an einer eigenständigen Nachfüllstation wiederbefüllen.

 

Erste Erkenntnisse und Zahlen

Eine von Unilever in Auftrag gegebenen Marktstudie im Rahmen der ersten „Return on the Go“-Initiative 2020 in Leeds ergab:

  • 94 % der Verbraucher waren eher bereit, Refill-Produkte zu kaufen, als die entsprechende Ware in Einwegverpackung.
  • 89 % kauften grundsätzlich eher ein Produkt, dessen Verpackung wiederverwendet werden kann.
  • 18 % wünschten sich eine versiegelte Produktoption (18%) sowie die Möglichkeit, leere Flaschen im Laden zurückzugeben (16%).
  • 25% zeigten sich an einem Treue- oder Prämiensystem interessiert.
  • Fast ein Drittel gab an, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis der Refill Stationen ein Hauptgrund für Käufe ist.

Zu dem vielversprechenden Fazit gehört auch, dass Unilever die Erwartungen bei separaten Versuchen bereits übertreffen konnte. So lagen die wöchentlichen Einkäufe von Persil aus der Nachfüllzone um ein Drittel höher, als die Käufe der entsprechenden Einwegverpackung.

 

Zentraler Baustein: Die Edelstahlflasche

  • Unilever hat die wiederbefüllbaren und wiederverwendbaren, plastikfreien Edelstahl-Flaschen zusammen mit dem auf die Kreislaufwirtschaft spezialisierten Unternehmen „Return-Refill-Repeat“ entwickelt.
  • Die Flaschen sind so konzipiert, dass ihr Lebenszyklus und die Anzahl der Benutzungen nachverfolgt werden können.

 

Refill als Chance

Nachfüllmodelle sind zu einem wichtigen Baustein in der Nachhaltigkeitsstrategie von Marken geworden. Zweifelsohne wird Refill weiter an Bedeutung gewinnen – auch wenn die Einbindung von Lebensmitteln hohe Hürden bringt. Der Kontakt mit Sauerstoff und die sich daraus ergebenden Risiken für Qualität und Haltbarkeit erfordern gute Lösungen im Bereich Logistik.

Unabhängig vom Produkt ist klar, dass Refill, Wiederverwendung und Kreislaufwirtschaft insgesamt nur im Zusammenspiel mit den Konsumentinnen und Konsumenten funktionieren kann. Dazu müssen wir das Einkaufverhalten der Menschen wirksam verändern. Und das geht nur über Aktivierung und Akzeptanz. Unilevers Ansatz, unterschiedliche Nachfüllmodelle, Ladenformate und Kundenerlebnisse bei der Nutzung nachfüllbarer Produkte zu testen, ist deshalb clever und folgerichtig.

Eine große Chance bietet Refill auch Newcomern. Das Konzept bietet nicht nur eine Eintrittskarte in den Markt, sondern auch die Möglichkeit, den „Großen“ Marktanteile abzunehmen. Denn noch sind viele arrivierte Brands nicht vorbereitet. Das Fehlen geeigneter Verpackungen kann gerade im Bereich Refill gravierende Folgen haben.

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Next Level Paperisation: Papierflaschen für den Non-Food-Markt.

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Next Level Paperisation: Papierflaschen für den Non-Food-Markt.

Thomas Reiner | 30.08.2021

Procter & Gamble entwickelt zusammen mit Paboco die nach eigenen Angaben weltweit erste Papierflasche, die zu 100 Prozent biobasiert und recycelbar ist. Sie soll für Marken wie Lenor und Ariel verwendet und 2022 in einem westeuropäischen Pilotversuch getestet werden. Die Innovation ist ein weiteres Beispiel für den dynamischen Verlauf der „Paperisation“ bei Verpackungen. Ein Ende ist nicht abzusehen, solange die Kreisläufe bei Kunststoff nicht geschlossen sind. Knackpunkt für noch mehr Dynamik ist die funktionierende, recycelbare Barriere – und die Situation am Faser-Rohstoffmarkt.


 

Entstanden in Zusammenarbeit mit „the paper bottle company“ Paboco, soll die Flasche nächstes Jahr in einem westeuropäischen Pilotversuch getestet werden.

Schon seit einiger Zeit testen große Marken vermehrt Flaschen auf Papierbasis. Bisher auf den Lebensmittelbereich beschränkt, wagt sich mit Procter & Gamble ein Konsumgütergigant jetzt auch in den Non-Food-Markt. Solange die Kreisläufe bei Kunststoff nicht geschlossen sind, wird der Trend zu Papier weitergehen. Und je mehr Faserverpackungen die Barriere-Frage lösen können, desto dynamischer wird die Entwicklung voranschreiten.

Störfeuer könnte aus einer anderen Richtung drohen: Die knappe Rohstofflage bei Holz und steigende Preise und Verfügbarkeiten bei Fasermaterialien könnten einen Einfluss auf den Trend zu Papier als Kunststoffersatz haben.

 

Die Lenor-Papierflasche

  • Procter & Gamble nennt die Flasche „die erste ihrer Art, die in großem Maßstab produziert wird, sowohl in Bezug auf ihr Design als auch auf ihre Technologie“. Sie sei aus nachhaltig beschafftem, FSC-zertifiziertem Papier und werde zunächst einer dünnen Kunststoffbarriere aus recyceltem PET ausgestattet.
  • Die Flasche wird im Rahmen eines Pilotversuchs ab 2022 in Westeuropa getestet. Das Unternehmen erhofft sich von seiner „Test-and-Learn“-Strategie Erfahrungen, um den Anteil an Papierverpackungen in seinem Portfolio in größerem Umfang zu erhöhen.
  • Procter & Gamble plant nach eigenen Angaben, die Barriere bei zukünftigen Versionen der Flasche direkt in die Papierauskleidung zu integrieren. So soll eine nahtlose, zu 100 Prozent biobasierte Flasche geschaffen werden, die vollständig über den Altpapierstrom recycelt werden kann.
  • P&G verwendet für seine Marke Lenor bereits mit großem Erfolg recycelten Kunststoff. So werden transparenten Flaschen auf dem europäischen Markt aus bis zu 100 Prozent Rezyklat hergestellt. In der Papierflasche sieht man den nächsten Schritt, der „in die vielversprechende Zukunft biobasierter Verpackungen“ führt.
  • P&G hat verkündet, den Einsatz von Neukunststoffen bis 2030 um 50 Prozent zu reduzieren. Der Geschäftsbereich „Fabric Care Europe“ hat sich darüber hinaus zu einer absoluten Kunststoffreduzierung von 30 Prozent bis 2025 sowie zu einer 100-prozentigen Recyclingfähigkeit bis 2022 verpflichtet.

 

Entwicklungspartner Paboco

  • Das in Dänemark beheimatete Unternehmen „Paboco“ bezeichnet sich als „The paper bottle company“.
  • „Die Lagerung von Flüssigkeiten in Papier ist eine besondere Herausforderung, aber ihre erfolgreiche Einführung könnte große Vorteile für den Planeten haben“, so Pabocos Interims-CEO, Gittan Schiöld.
  • Pabocos Papierflaschentechnologie wird von einer Gruppe führender Konsumgüterunternehmen und Branchenexperten unterstützt, zu denen The Coca-Cola Company, Carlsberg Group, The Absolut Company, L’Oréal, BillerudKorsnäs, ALPLA und nun auch P&G gehören.
  • Für Coca-Cola hat Paboco im November vergangenen Jahres den Prototypen für eine Coca-Cola-Papierflasche präsentiert. Aktuell testet Coca-Cola die Papierflasche in Kooperation mit einem Online-Lebensmittelhersteller in Ungarn.

 

Kunststoff vs. Papier

Als neutraler Beobachter von Markttendenzen haben wir im Materialbereich keine grundsätzlichen Präferenzen. Aber man muss kein „Fan“ sein, um zu erkennen, dass die Paperisation nach dem Becher-Bereich längst in andere Segmente eingedrungen ist, die traditionell eine Domäne des Kunststoffs waren. Klar ist auch: Solange die Kreisläufe bei Kunststoff nicht geschlossen werden, gewinnt Paperisation weiter an Dynamik. Der Non-Food-Bereich ist dabei ein logisches nächstes Ziel. Nicht zufällig hat auch Unilever vor kurzem angekündigt, eine eigene, papierbasierte Waschmittelfalsche testen zu wollen.

Probleme könnten aus einer bis vor kurzem noch wenig beachteten Richtung kommen. Denn die Lage am Rohstoffmarkt für Holz ist pandemiebedingt sehr kritisch. Es bleibt abzuwarten, ob ausufernde Preise und Lieferengpässe nur kurzfristiger Natur sind. Andernfalls könnten sie die Paperisation durchaus bis zu einem gewissen Grad bremsen.

 

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