Mineralöl: Neue Regulierungen für Recyclingpapier mit Lebensmittelkontakt geplant

 

 

Mineralöl: Neue Regulierungen für Recyclingpapier mit Lebensmittelkontakt geplant

Thomas Reiner | 17.09.2020

Das Deutsche Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) plant eine Vorschrift zur Verwendung von funktionellen Barrieren bei Materialien, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen und Recyclingpapier enthalten. Die Barrieren sollen die Migration von aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) verhindern.
Der Plan zur neuen Vorschrift geht aus der Mittelung der Europäischen Kommission vom 17. August 2020 hervor. Ihr zufolge hat das BMEL eine aktualisierte Fassung der 22. Verordnung zur Änderung der Bedarfsgegenständeverordnung des Landes über die Verwendung von Recyclingpapier bei der Herstellung von Materialien mit Lebensmittelkontakt (FCM – Food Contact Material) bekannt gegeben.

Mineralölkohlenwasserstoffe einschließlich MOAH werden in der Regel aus Rohöl gewonnen und können aus Mischungen Tausender unterschiedlicher Moleküle bestehen. MOAH-Mischungen haben mutagene und karzinogene Eigenschaften. Wenn sie in Lebensmitteln enthalten sind, stellen sie daher ein Risiko für die menschliche Gesundheit dar. Wissenschaftliche Studien und Testkampagnen haben in der Vergangenheit gezeigt, dass die Gehalte an gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH) und MOAH in Lebensmitteln oft über 2 bzw. 0,5 mg/kg Lebensmittel liegen.

Eine Ausnahme von der geplanten BMEL-Vorschrift soll Herstellern nur gewährt werden, wenn sie nachweisen können, dass die Migration von MOAH auch ohne funktionelle Barriere die Grenze von 0,5 mg MOAH/kg Lebensmittel bzw. 0,15 mg MOAH/kg Lebensmittelsimulanz nicht übersteigt.

Regulierungen sind ohne Zweifel wichtig. Und die geplante Regulierung geht ein zweifellos wichtiges Thema an. Leider ist sie jedoch ohne koordinierten Dialog mit der Industrie entstanden. Damit fehlt dem Regulierungsvorhaben die größte Quelle an fachlicher Expertise und Know-how.

Gleichzeitig beraubt sich die Industrie der Möglichkeit, Gesetzgebung und Regulierung mitzugestalten. Ein gewichtiges Manko. Ändern wird sich daran nicht – bis die Unternehmen lernen, gemeinsam zu kommunizieren. Eine fragmentierte Kommunikation, wie sie aktuell vorherrscht und in der jeder nur für sich spricht, ist kraftlos und wird folgenlos bleiben.

Nur eine Kommunikation der Industrie als Ganzes kann zum Schlüssel dafür werden, in der Gesetzgebung der Zukunft nicht mehr nur Informationsempfänger zu sein, sondern ein wichtiger Dialog-Partner.

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Tesco & Loop beschleunigen Renaissance der Mehrweg-Verpackung im B2C-Bereich

Quelle: Tesco/Loop

 

Tesco & Loop beschleunigen Renaissance der Mehrweg-Verpackung im B2C-Bereich

Thomas Reiner | 10.09.2020

Tesco und Loop testen gemeinsam das abfallfreie Online-Shopping mit wiederbefüllbaren Pfand-Behältern. Kunden in Großbritannien können dafür rund 150 Produkte in haltbaren und vollständig recycelbaren Verpackungen bestellen. Zu den Produkten gehören auch Saucen, Joghurts, Seifen, Cerealien, Feuchtigkeitscremes, Schokolade und Reinigungsmittel.

Tesco vergleicht das Konzept mit dem Milchmann aus früheren Zeiten. Die Ware wird an die Haustüre geliefert und die gebrauchten Verpackungen später wieder beim Konsumenten abgeholt. Dafür packt der Kunde die Behälter in den gleichen Beutel, in dem sie geliefert wurden und gibt Tesco online Bescheid, im besten Falle verbunden mit einer Neubestellung.

Nach der Reinigung der haltbaren und vollständig recycelbaren Behälter durch Loop werden sie durch den Produkthersteller neu befüllt und durch Tesco erneut ausgeliefert. Auf jede Verpackung entfällt ein Pfand, das bei Rückgabe vollständig erstattet wird.

Ziel der Aktion ist nach Aussage von Tesco vor allem, eine skalierbare Mehrweglösung zu finden, mit der die Kunststoffabfälle reduziert werden können. Das Handelsunternehmen plant, das Pilotprojekt sukzessive auf mehr Produkte und Märkte auszudehnen, wenn es funktioniert und beim Kunden ankommt.

Auch wenn es erst einmal nur ein Test ist, so zeigt dieser doch die Richtung an: Die Mehrweg-Transportverpackung erlebt eine Renaissance. Im B2B-Bereich bereits etabliert, erobert sie nun auch den B2C-Bereich. Der entscheidende Motor für diese Entwicklung ist die Digitalisierung. Sie macht das Konzept grundlegend möglich und beschleunigt die Umstellung von der Einweg- auf die Mehrwegverpackung. Digitalisierung und Nachhaltigkeit gehen so Hand in Hand.

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Constantia Flexibles gehört jetzt zum Kreis der ’50 Sustainability & Climate Leaders 2020′

Quelle: Constantia Flexibles

 

Constantia Flexibles gehört jetzt zum Kreis der ’50 Sustainability & Climate Leaders 2020′

Thomas Reiner | 08.09.2020

Die internationale Nachhaltigkeits- und Klimaschutzinitiative „50 Sustainability & Climate Leaders for 2020“ wird von den Vereinten Nationen unterstützt und von der internationalen Mediengruppe TBD vorangetrieben. Der Kreis der ausgezeichneten Leader umfasst 50 globale Organisationen und Unternehmen, die mit Führungsstärke und Willen wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel ergriffen haben.

Nun ist der global agierenden Hersteller von flexiblen Verpackungen und Etiketten „Constantia Flexibles“ in den Reigen der 50 Auserwählten aufgenommen worden. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Wien, Österreich, verfolgt seit Jahren eine konsequente Nachhaltigkeitsstrategie in der gesamten Produktionslieferkette und der eigenen Produktion.

Zu den innovativen Produkten des Unternehmens gehört beispielsweise das 2019 gelaunchte „Ecolam“. Dabei handelt es sich um eine leichte, flexible Monomaterial-Verpackungslösung mit einer OPE / PE-Struktur, die vollständig recycelbar ist und dennoch die erforderliche Sauerstoff- und Feuchtigkeitsbarriere zum Schutz der Produkte bietet.

Constantia hat sich verpflichtet, bis 2025 sein gesamtes Verpackungsportfolio vollständig recycelbar zu machen. Alle Produkte des Hauses können dann der stofflichen Wiederverwertung zugeführt werden und verbleiben innerhalb der Kreislaufwirtschaft und ihrer Materialströme.

Bereits 2006 hatten wir als Berndt+Partner bei Constantia die Chance erhalten, ein Sustainability-Managment zu entwickeln und zu installieren. Uns war, genau wie Constantia, damals schon klar: Nachhaltigkeit ist ein Marathon. Wer den schnellen Sprint sucht, der wird hier scheitern – und das zu seinem eigenen Nachteil.

Denn eine konsequente Nachhaltigkeits-Strategie und ein entsprechendes, konsequentes Nachhaltigkeits-Management trägt reiche Früchte. Constantia Flexibles zeigt das konkret und beispielhaft.
Selbst der anfängliche und umfangreichere Zeitaufwand relativiert sich am Ende. Denn jeder Monat, den man im Vorfeld zur Entwicklung und Implementierung eines Nachhaltigkeits-Managements investiert, wird im Ergebnis zum Vorsprung vor den Wettbewerbern.

Nachhaltige Unternehmen sind die Gewinner der Kreislaufwirtschaft. Noch sind freie Plätze dafür zu vergeben…

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Über 80 % der Verpackungsunternehmen haben keine klare Nachhaltigkeitsstrategie.

 

 

Über 80 % der Verpackungsunternehmen haben keine klare Nachhaltigkeitsstrategie.

Thomas Reiner | 03.09.2020

Die Strategie- und Marketingberatung Simon-Kucher & Partners hat zu Beginn des Jahres 2020 Führungspersonen zu Trends in der Papier- und Verpackungsindustrie befragt. Die Ergebnisse der Studie decken sich mit dem, was wir selbst schon lange im Markt beobachten: Zu viel zögerliche Reaktion steht zu wenig stringenter Aktion gegenüber.

  • Nur 12 Prozent der befragten Unternehmensführer gaben an, das Thema Nachhaltigkeit aus eigener Intention und Überzeugung und mit klarer Vision nachdrücklich nach vorne zu tragen.
  • Über die Hälfte hat noch keine klare Strategie, wenn es um Nachhaltigkeit geht, sondern verliert sich in unterschiedlichsten Einzelinitiativen.

Der frappierende Kontrapunkt dieser Ergebnisse: Kunden und Händler fordern nachhaltige Verpackungen immer nachdrücklicher. Über ein Viertel der B2B-Kunden ist sogar längst bereit, mehr zu bezahlen, wenn das Produkt nachhaltig ist.

Offensichtlich hinkt ein Großteil der Verpackungsindustrie beim Thema Nachhaltigkeit noch deutlich hinterher. Kundenwünsche und Kundenerwartungen werden auf erstaunliche Weise ignoriert. Das ist ein Fehler. Denn „Augen zu und durch“ wird beim Thema Nachhaltigkeit nicht funktionieren. Im Gegenteil wird, wer die Augen verschließt, auf der Strecke bleiben.

Wer das Thema Nachhaltigkeit stattdessen stringent und durchdacht angeht, dem bieten sich große Chancen. Gerade Early Movers werden die großen Gewinner sein. Und noch ist es nicht zu spät, sich auf den Weg zu machen. Im Mittelpunkt steht dabei nicht das proaktive Handeln an sich. Entscheidend ist vor allem die richtige Strategie.

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