Einweg-Flaschen aus Rezyklat sind kein Greenwashing, sondern ein Etappensieg

 

 

Einweg-Flaschen aus Rezyklat sind kein Greenwashing, sondern ein Etappensieg

Thomas Reiner | 19.01.2021

Es ist grundverkehrt Kampagnen zu Einweg-Kunststoffflaschen aus 100% Rezyklat als Greenwashing zu bezeichnen, denn wir brauchen nicht nur kreislauffähige Produkte, sondern müssen gleichzeitig auch Märkte für das Rezyklat schaffen. Wie sonst wollen wir Kreislaufwirtschaft umsetzen? Recycling ist kein Selbstzweck. Wenn es uns gelingt, Rezyklate einzusetzen, ist das ein wichtiger Etappensieg.


 

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert die groß angelegte Kampagnen von Lidl, Danone und Pepsi zu Einweg-Kunststoffflaschen aus 100 Prozent Rezyklat als Greenwashing. Damit liegt die DUH grundverkehrt. Denn wir brauchen nicht nur kreislauffähige Produkte, wir müssen gleichzeitig auch Märkte für das Rezyklat schaffen. Wie sonst wollen wir Kreislaufwirtschaft umsetzen? Recycling ist schließlich kein Selbstzweck. Wenn es uns gelingt, Rezyklate einzusetzen, ist das ein wichtiger Etappensieg. Institutionen wie die DUH sollten das anerkennen.

Die Argumentation der Deutschen Umwelthilfe basiert darüber hinaus auf einem verzerrten Vergleich. Die DUH kritisiert, dass Einwegflaschen selbst dann ökologisch minderwertig gegenüber regionalen Mehrwegflaschen seien, wenn sie vollständig aus Rezyklat bestünden. Woher dieser Vorsprung kommen soll, bleibt unklar. Dass die DUH den regionalen Aspekt nur den Mehrwegflaschen zugesteht und dort einrechnet, ist analytisch zudem unsauber und wenig zielführend.

Natürlich können wir darüber diskutieren, ob Mehrweg und Recycling noch nachhaltiger ist, als Einweg und Recycling. Wahrscheinlich lässt sich diese Frage aber kaum pauschal beantworten, sondern nur auf Basis einer Ökobilanz, die Energie und Chemikalieneinsatz bei der Reinigung und den nötigen Transportaufwand mit einberechnet. Diese Ökobilanzen gibt es aber bisher nicht.

Abgesehen davon, übersieht die DUH eine ganz grundsätzliche Tatsache: Für die funktionierende Kreislaufwirtschaft benötigen wir nicht nur kreislauffähige Produkte, wir brauchen gleichzeitig einen Markt für Rezyklat. Recycling ist schließlich kein Selbstzweck.

Greenwashing ist ein No-Go. Aber die Kampagne von Lidl, Danone und Pepsi zu Einweg-Kunststoffflaschen aus 100 Prozent Rezyklat als Greenwashing abzustempeln, geht schlicht an den Tatsachen vorbei. Ganz im Gegenteil ist es ein großer Etappensieg, wenn es uns gelingt, Rezyklate einzusetzen und im Kreislauf zu halten. Institutionen wie die DUH sind deshalb gut beraten, wenn sie entsprechende Anstrengungen anerkennen und würdigen.

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Warum Graspapier in Fahrt kommt

 

 

Warum Graspapier in Fahrt kommt

Thomas Reiner | 15.01.2021

Die Mondi Group hat an ihrem Standort in Österreich die Produktion von Graspapier gestartet. Die Idee, Papier mit Anteilen von Grasfasern zu produzieren, ist nicht neu. Aber die ökologischen Vorteile sind nachvollziehbar. Dass ein Schwergewicht wie Mondi sich des Themas jetzt aktiv annimmt, ist ein riesiger Schritt nach vorne.


 

Die Mondi Group hat an ihrem Standort in Österreich die Produktion von Graspapier gestartet. Den Einsatzgebiet sieht das Unternehmen im Markt für Tragetaschen und Verpackungen. Das zertifizierte Papier ist auch für den Kontakt mit trockenen und nicht fettigen Lebensmitteln zugelassen.

Das Papier wird unter dem Markennamen IQ Grass + Packaging vermarktet. Es besteht zu 30 Prozent aus Grasfasern und zu 70 Prozent aus FSC-zertifiziertem Frischfaserzellstoff aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. Den Rohstoff für den Grasanteil bezieht Mondi von einem nicht namentlich genannten Hersteller in Form von Pellets. Seit September 2020 ist das Papier europaweit lieferbar.

Neben dem Einsatz für Tragetaschen zielt Mondi mit seinem Graspapier auch auf Verpackungen, etwa als Liner für Well- und Vollpappe. Das Papier wurde nach Unternehmensangabe für den Flexodruck entwickelt und erfolgreich getestet. Es ist für den Kontakt mit trockenen und nicht fettigen Lebensmitteln zugelassen.

Der Einsatz von Gras zur Papierherstellung ist keine neue Idee. Aber es ist eine Idee, die zunehmend Verbreitung findet. Auch Coca-Cola nutzt Graspapier-Kartonage bereits für Flaschenträger und Etiketten.

Die (ökologischen) Gründe für Graspapier liegen auf der Hand. Gras macht rund ein Fünftel der gesamten Vegetation unseres Planeten aus. Es ist eine der am schnellsten wachsenden und ökologisch erfolgreichsten Pflanzen der Welt und in allen Klimazonen vorhanden. Im Vergleich zur Fasergewinnung aus Holz benötigt die Herstellung weniger Energie und Wasser. Neben der CO2-Einsparung kann auch auf Chemie verzichtet werden, die es beim Holz braucht, um den Zellstoff Lignin zu entfernen.

Dass ein internationales Schwergewicht wie die Mondi Group sich jetzt mit seiner Kraft und Marktposition dem Thema Graspapier zuwendet, ist bemerkenswert und ein riesiger Schritt nach vorne.

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Entkopplung fossiler Brennstoffe: L’Oréal bringt Verpackung aus Kohlenstoffemissionen

Bildquelle: L‘Oréal

 

Entkopplung fossiler Brennstoffe: L’Oréal bringt Verpackung aus Kohlenstoffemissionen

Thomas Reiner | 18.12.2020

Eine von L’Oréal vorgestellte Lösung stellt einen überzeugenden Ansatz dar, um eines der wichtigsten Themen bei der Umsetzung der Kreislaufwirtschaft voranzutreiben: Die Abkopplung von fossilen Brennstoffen. In Zusammenarbeit mit LanzaTech und Total hat L’Oréal eine der weltweit ersten Verpackungen aus zurückgewonnenen Kohlenstoffemissionen vorgestellt und plant, die Flasche für seine Kosmetikprodukte zu verwenden.


 

L’Oréal hat in Zusammenarbeit mit LanzaTech und Total eine der weltweit ersten Verpackungen vorgestellt, die aus wiederaufgefangenen und recycelten Kohlenstoffemissionen hergestellt wird. L’Oréal will die Flasche, die auf einem dreistufigen Umwandlungsprozess basiert, für seine Kosmetikprodukte einsetzen. Die vorgestellte Lösung ist ein interessanter Ansatz, um eine der Kernpunkte bei der Umsetzung der Kreislaufwirtschaft voranzubringen: Die Entkopplung von fossilen Brennstoffen.

Kohlenstoffemissionen aufzufangen und in Polyethylen umzuwandeln, ist einer der jüngeren Ansätze zur Entkopplung von fossilen Brennstoffen. Die Idee hat den zusätzlichen Charme, dass sie das Entstehen von neuem CO2 nicht nur reduziert, sondern bereits freigewordenes CO2 auffängt und im Kreislauf neutralisiert.

Der Umwandlungsprozess erfolgt in drei Schritten, für die jeweils eines der Unternehmen aus der Partnerschaft verantwortlich zeichnet.

  • LanzaTech fängt industrielle Kohlenstoffemissionen auf und wandelt sie mit einem biologischen Verfahren in Ethanol um.
  • Total wandelt das Ethanol über ein Dehydratisierungsverfahren in Ethylen um, bevor es zu Polyethylen polymerisiert wird. Das produzierte PE soll die gleichen technischen Eigenschaften aufweisen, wie die fossile Version.
  • L’Oréal verwendet dieses Polyethylen zur Herstellung von Kosmetikverpackungen mit denselben Qualitäten und Eigenschaften wie die bisher eingesetzten PE-Flaschen.

Bis 2024 will L’Oréal das „nachhaltige PE“ in seinen Flaschen für Shampoo und Haarspülungen verwenden. Dabei hofft man ausdrücklich, dass andere Unternehmen sich der Nutzung von Kunststoff aus industriellem Kohlenstoffauszug anschließen werden.

Die Lösung ist auf jeden Fall ein durchaus interessanter Ansatz, um einen der Schlüsselaspekte bei der Etablierung der Kreislaufwirtschaft voranzubringen: Die Entkopplung von fossilen Brennstoffen.

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Henkel relauncht mit Fokus auf Nachhaltigkeit: Social Plastic, PCR und recycelbarer schwarzer Kunststoff

Bildquelle: Henkel

 

Henkel relauncht mit Fokus auf Nachhaltigkeit: Social Plastic, PCR und recycelbarer schwarzer Kunststoff

Thomas Reiner | 17.12.2020

Der Relaunch von Henkel ist ein weiterer Beleg dafür, dass immer mehr Nachhaltigkeitsbemühungen von der Theorie in die Praxis wechseln. Konkrete Lösungen erreichen den Markt und bringen wichtige, praktische Erfahrungen und Learnings, die wir zur zukunftssicheren Umsetzung von Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft dringend benötigen.

 


 

Der Konsumgütergigant Henkel hat drei seiner großen Einzelhandelsmarken in neuen, nachhaltig aufgesetzten Verpackungen gerelauncht. Der Fokus liegt auf Social Plastic, recycelbarem schwarzem Kunststoff und PCR-Materialien. Der Henkel-Relaunch zeigt, dass die Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit zunehmend von der Theorie in die Praxis gehen. Das ist gut so, denn wir brauchen dringend mehr Innovationslösungen im Bereich Nachhaltigkeit. Und dafür braucht es reale Umsetzungen, die reale Learnings generieren. Denn funktionierende, nachhaltige Lösungen sind vor allem auch ein Erfahrungsprozess. Und verwertbare Erfahrungen gibt es nur in der Praxis.

Social Plastic
Henkel arbeitet seit 2017 mit dem Sozialunternehmen „Plastic Bank“ zusammen. Ziel ist es, den Plastikabfall in den Ozeanen zu reduzieren und die Lebensbedingungen für Menschen in Armut zu verbessern – vor allem in Ländern ohne ausreichende Abfall-Infrastruktur. Dort kann die lokale Bevölkerung gesammelten Plastikabfall gegen Geld, Waren oder Dienstleistungen eintauschen. Mit der „Nature Box“ führt Henkel nun die nach eigenen Angaben erste Schönheitsmarke ein, die Social Plastic als Verpackungsmaterial für ihr gesamtes Flaschenportfolio einführt. Alle Flaschenkörper von Nature Box bestehen zu 98% aus Social Plastic.

PCR
Beim großen Markenrelaunch von Henkels Schwarzkopf-Marke „Gliss Kur“ erhöht das Unternehmen den Anteil an recyceltem Material über die gesamte Produktpalette. Die neuen PE-Flaschen für Shampoo- und Conditioner zu 30% aus recyceltem Kunststoff bestehen, bei den entsprechenden PET-Flaschen kommt man sogar auf 97% PCR.

Schwarzer Kunststoff
Bereits letztes Jahr hat Henkel seine erste recycelbare Verpackung aus schwarzem Kunststoff eingeführt. Um die Kreislauffähigkeit zu erreichen, setzt das Unternehmen auf einen kohlenstofffreien Farbstoff. Dieser kann auch von den mit Nahinfrarot-Technologie (NIR) arbeitenden Recycling-Anlagen detektiert und sortiert werden.

Das Gesamtpaket
Das umfangreiche Relaunch-Paket ist Teil von Henkels Plan, bis 2025 alle Verpackungen zu 100 Prozent recycelbar und/oder wiederverwendbar zu machen. Außerdem will das Unternehmen den Einsatz von Virgin-Kunststoff bis dahin um die Hälfte reduziert haben.

Die Aktionen von Henkel sind ein weiterer Beleg dafür, dass immer mehr Nachhaltigkeitsbemühungen von der Theorie in die Praxis wechseln. Konkrete Lösungen erreichen den Markt und bringen wichtige, praktische Erfahrungen und Learnings, die wir zur zukunftssicheren Umsetzung von Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft dringend benötigen.

Henkel wird mit Sicherheit von seinen Relaunches profitieren. Denn die gewonnenen Erfahrungen sind ein Schatz. Ein Schatz, den nur diejenigen Unternehmen gewinnen, die mit der Praxis beginnen – und nachhaltige Lösungen tatsächlich auf die Straße bringen.

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