Trumpf für Kreislaufwirtschaft & Klima: Coca-Cola testet Mehrweg für to go

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Trumpf für Kreislaufwirtschaft & Klima: Coca-Cola testet Mehrweg für to go

Thomas Reiner | 14.01.2022

Coca-Cola bringt in Schweden sein erstes Nachfüll-Mehrweg-Konzept für Getränke to go auf den Markt. Die Mehrwegbehälter von GLACIAL können in Convenience-Stores von PBX-Reitan erworben und an den Coca-Cola-Stationen nachgefüllt werden. Das Angebot ist aber auch für andere selbstmitgebrachte Behälter offen. Coca-Cola verfolgt mit der Aktion das Ziel, den CO2-Fußabdruck der Verpackung und mögliches Littering zu reduzieren. Der Ansatz kombiniert die Themen Kreislaufwirtschaft und Klima. Genau das wird bald Standard sein. Mehrweg wird damit zum Trumpf.


 

Mehrweg-Nachfüllkonzepte für Getränke to go fristen aktuell noch ein Nischendasein. Aber das wird sich ändern, denn Mehrweg verspricht nachhaltige Vorteile sowohl bei der Etablierung der Kreislaufwirtschaft, als auch beim Kampf gegen die Klimaerwärmung. Coca-Cola hat das erkannt und testet in Schweden nun ein entsprechendes Konzept.

 

Behälteroffenes Konzept

Konsumentinnen und Konsumenten können an den Coca-Cola-Stationen der PBX-Reitans Convenience-Stores spezielle Mehrwegbehälter von GLACIAL kaufen und mit bis zu 60 unterschiedlichen Geschmacksrichtungen befüllen. Die GLACIAL-Behälter sollen Getränke bis zu 12 Stunden kühl halten.

Ein großer Pluspunkt des Projekts ist der Verzicht auf eine obligatorische Verwendung der angebotenen GLACIAL-Behälter. So können auch eigene, mitgebrachte Mehrwegbehälter an den Getränkestationen befüllt werden.

 

Zentrale Rolle der Verpackung bei Coca-Cola

Coca-Cola Europacific Partners (CCEP) hat 2020 eine konzernweite Klimastrategie eingeführt. Das Ziel: Netto-Null-Treibhausgasemissionen bis 2040. Der zentrale Hebel: Die Verpackung. Sie stehen laut Coca-Cola für über 40 Prozent der Kohlendioxidemissionen des Unternehmens. Schon früher im Jahr hatte Coca-Cola in Schweden als weltweit erstem Markt sein PET-Getränkeflaschen-Portfolio auf 100 Prozent recycelten Kunststoff umgestellt.

 

PBX-Reitans

Reitan Convenience hat im Sommer 2021 seine ersten Läden in Stockholm eröffnet. Das Unternehmen verfolgt mit seiner neuen Marke PBX das Ziel, weltweit die nachhaltigsten Convenience-Stores zu etablieren. Dahinter steht die Überzeugung, dass Nachhaltigkeit nicht mehr nur „nice to have“ ist, sondern für Convenience-Anbieter zu einer Notwendigkeit wird. Seine Strategie hat Reitan 2019 in Kooperation mit der Nachhaltigkeitsagentur Prosperous Planet entwickelt.

 

Mehrweg zahlt doppelt ein.

Coca-Cola und Reitan setzen mit ihrem Konzept beim Verbraucherverhalten an und wollen das Nachfüllen von Getränkeverpackungen fördern. Damit soll nicht nur der CO2 Abdruck der Verpackung gesenkt, sondern auch mögliches Littering reduziert werden.

Die Kombination aus Zirkularität zur Vermeidung von Plastikmüll und Klimaschutz durch die Reduktion der CO2-Belastung ist vielversprechend. Denn sie zahlt gleichzeitig auf zwei der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit ein.

 

Heute neu – morgen verbindlich

Was heute noch neu und innovativ ist, wird schon bald ein verbindlicher Standard sein: Kreislauflösungen ohne Klimavorteil sind auf lange Sicht nicht mehr tragfähig. Es führt kein Weg daran vorbei, beide Themen zusammenzudenken und Hand in Hand voran zu treiben.

Mehrweg und Refill-Konzepte haben das Potential, auf beide Themen gleichermaßen einzuzahlen. Der Weg, den Coca-Cola und Reitan in Schweden gehen, wird Schule machen. Wir werden mehr solcher Ansätze sehen.

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Top 3 Hebel zur Reduzierung der Kunststoffabfälle durch Verpackungen

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Top 3 Hebel zur Reduzierung der Kunststoffabfälle durch Verpackungen

Thomas Reiner | 13.12.2021

8 Prozent durch Vermeidung unnötiger Verpackungen, 9 Prozent durch Substitution von Kunststoff durch Materialien mit kleinerem Öko-Fußabdruck, 23 Prozent durch Mehrwegkonzepte: Das sind die Einsparpotentiale der Top-3-Hebel zur Vermeidung von Kunststoffabfällen auf Materialebene. In der Praxis verzeichnen bisher jedoch nur zwei der drei Hebel Erfolge. Bei den Mehrwegkonzepten erweisen sich speziell die logistischen Hürden als noch zu hoch.


 

Welche Maßnahmen versprechen Erfolg im Kampf gegen Kunststoffabfälle im Verpackungsbereich? Was ist (noch) Theorie und was funktioniert bereits in der Praxis? Auf der Fachpack 2021 diskutierte Matthias Giebel, Nachhaltigkeitspionier und Partner bei Berndt+Partner Consultants gemeinsam mit Sophie Hermann, Partner bei SYSTEMIQ, im Rahmen eines Experten-Talks unter der Überschrift „Disruption gesucht“, welche Innovationen Verpackung und Verpackungsindustrie benötigen, um die gewünschten Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

Teil der Analyse von Giebel und Hermann waren auch die Ergebnisse einer aktuellen Studie des WWF mit dem Titel „Verpackungswende jetzt! So gelingt der Wandel zu einer Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe in Deutschland.“ Die Studie wurde in Kooperation mit SYSTEMIQ erstellt und auf der Fachpack vorgestellt.

 

Zentrale Aussagen der WWF-Studie

Durch einen umfassenden Systemwandel auf der Grundlage von sieben zentralen „Systemmaßnahmen“ (Hebeln) können in Deutschland bis 2040

  • das Gesamtabfallvolumen um 40% reduziert und 20 Millionen Tonnen Kunststoff können eingespart werden,
  • die Verbrennung von Abfällen zur Energiegewinnung um über 70% reduziert werden,
  • Treibhausgase in der Größenordnung von 68 Millionen Tonnen eingespart werden.

 

Die Top 3 Hebel

Die Top-3-Hebel des Systemwandels wurden von Giebel und Hermann auf der Fachpack im Rahmen eines Packbox-Talks vorgestellt und evaluiert.

  • TOP 1 – Mehrwegkonzepte: Mehrwegkonzepte bieten einen hohen Nutzen von Kunststoffen und könnten die Kunststoffabfälle um bis zu 23 % reduzieren
  • TOP 2 – Substitution: Bis zu 9 % aller Einwegkunststoffe lassen sich über Substitution durch Materialien mit einem kleineren ökologischen Fußabdruck ersetzen. 8 Prozent entfallen auf die Substitution mit Papier, 1 Prozent entfällt auf die Substitution mit kompostierbaren Materialien.
  • TOP 3 – Vermeidung und Minimierung: Die Vermeidung und Minimierung unnötiger Verpackungen kann die Kunststoffabfälle um bis zu 8 % reduzieren

 

Praxischeck

Matthias Giebel prüfte die Hebel außerdem auf ihre Praxistauglichkeit und analysierte den aktuellen Stand der Umsetzung in der Praxis. Sein Fazit: Bei den Hebeln zwei und drei lassen sich bereits zahlreiche Aktivitäten verzeichnen. Die angestrebten Potentiale erscheinen hier durchaus realistisch.

Im Gegensatz dazu klafft beim Top-1-Hebel „Mehrwegkonzepte“ noch eine substantielle Lücke zwischen Theorie und Praxis. Als Hindernis erweisen sich hier insbesondere die logistischen Herausforderungen der Rückführungslogistik. Damit ist auch die zentrale Herausforderung definiert, der sich die Verpackungs-Value-Chain intensiv stellen muss.

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Die Verpackungsindustrie ist hochreif für die Plattformökonomie

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Die Verpackungsindustrie ist hochreif für die Plattformökonomie

Thomas Reiner | 06.12.2021

Starke Fragmentierung, hohe Kapitalbindung, wenig Transparenz: Diese drei Faktoren sind die entscheidenden Anzeiger für eine Industrie, die mehr als reif für Plattformökonomie ist. Und wir können mit all unseren Insights sagen, dass die Verpackungsindustrie perfekt in dieses Schema passt. Erste Player haben das Feld schon betreten und die Frage lautet nicht mehr, ob sich die Plattformen flächendeckend durchsetzen, sondern nur, wann es soweit ist. Der Plattform-Lockstoff heißt Agilität. Das macht sie zum Zukunftsbild der Industrie – nicht nur für Digital Native Brands, auch wenn diese die Vorreiter sind.


 

Benoit Reillier und Laure Claire Reillier sind Mitbegründer des Beratungsunternehmens Launchworks, das Unternehmen bei der Entwicklung und Verbreitung innovativer Geschäftsmodelle unterstützt. In Ihrem Buch „Platform Strategy: How to Unlock the Power of Communities and Networks to Grow Your Business“ erörtern sie drei Anzeichen für Branchen, die hochreif für eine Plattformökonomie sind:

  1. Eine starke Fragmentierung auf der Angebots- und Nachfrageseite
  2. Eine hohe Kapitalbindung in Produktionsanlagen und Maschinen bei gleichzeitig geringer Kapazitätsauslastung
  3. Ein großer Mangel an Transparenz

 

Die Verpackungsindustrie ist hochreif

Wir können diese Analyse nur zustimmen. Und wir können mit all unseren Insights für die Verpackungsindustrie sagen, dass unsere Branche mehr als reif für die Plattformökonomie ist.

 

Erste Player

Erste Player haben das Feld schon betreten. Dazu gehören unter anderem:

  • Lumi: Das kalifornische Start-up bietet End-to-End-Software für Packaging- und Supply-Chain-Management. Die Tools sollen den komplexen Workflow vereinfachen und die direkte, einfache Zusammenarbeit von Marken und Verpackungsherstellern ermöglichen.
  • Packpart: Die ganze Welt der Verpackungsindustrie auf einer Plattform ist der Claim des deutschen Start-ups. Das Unternehmen versteht sich als digitaler Ansprechpartner für Verpackungsmaschinen, gebrauchte Maschinen, Lohnhersteller und Maschineneffizienzsteigerung.
  • Recyfy: Das Start-up aus Berlin bezeichnet sich als Marktplatz für den effizienten Handel von Altpapier zwischen Papierfabriken, Entsorgern, Händlern und Anfallstellen.
  • Packmatic: Ebenfalls in Berlin beheimatet, wirbt Packmatic damit, die ideale flexible Verpackungslösung für Produkte zu finden und online verwalten zu können.

 

Der Lockstoff heißt Agilität.

Speziell Digital Native Brands nutzen bislang die Services der Plattformanbieter. Die Gründe liegen auf der Hand. Neben der ausgeprägten Usability ist es insbesondere das Versprechen hoher Agilität, dass die Plattformen so attraktiv macht.

Ein Versprechen, das zieht, denn Agilität ist ein Kernthema gerade für die klassische Industrie, die damit noch oft genug zu kämpfen hat. Genau deshalb sind Plattformen mit ihrer hohen Agilität das Zukunftsbild der Industrie.

 

Die Würfel sind gefallen – auch für Big Brands

Längst sind es nicht mehr nur Digital Native Brands, die diese Plattformen nutzen. Auch unter den Big Brands kommt Bewegung ins Spiel. Noch baut nur eine überschaubare Anzahl der Großen auf die Plattform-Player. Aber die Welle baut sich bereits auf. Das Spiel wird sich drehen. Es geht nicht mehr darum, ob sich die Plattformökonomie flächendeckend durchsetzt. Es geht nur noch darum, wann es soweit sein wird.

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Neuer Bericht offenbart: Coca-Cola und Unilever in den Top-3 der Plastiksünder

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Neuer Bericht offenbart: Coca-Cola und Unilever in den Top-3 der Plastiksünder

Thomas Reiner | 03.12.2021

Laut dem neustem Bericht der Organisation „Break Free From Plastic“ gehören Coca-Cola und Unilever zu den größten globalen Plastikverschmutzern. Auch Nestlé, Mondelēz, Danone und Mars werden prominent gelistet. Kunststoff ist und bleibt der „böse Bube“. Und ein Ende des „Plastic Bashing“ ist nicht abzusehen – im Gegenteil. Deshalb werden Marken zu immer radikaleren Maßnahmen greifen, um ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Grundsätzlich zeigt sich: Die Richtung stimmt, aber es geht zu langsam voran. Und: Rezyklierbarkeit alleine reicht nicht. Wir brauchen mehr Rezyklateinsatz und Mehrweg.


 

Die Nachhaltigkeitsorganisation Break Free From Plastic (BFFP) hat in ihrem Jahresbericht die zehn Lebensmittel- und Getränkeunternehmen aufgeführt, deren Produkte die meisten Plastikabfälle verursachen. Grundlage des Berichts sind „Markenprüfungen“, für die über 11.000 Freiwilligen in 45 Ländern Kunststoffabfälle gesammelt und ausgewertet haben.

Coca-Cola führt das Ranking der „größten Plastikverschmutzer“ das vierte Jahr in Folge an. Es folgen PepsiCo., Unilever, Nestlé, Mondelēz, Danone und Mars.

 

Das Nachhaltigkeits-Dilemma

Alle in dem Bericht aufgeführten Top-7-Plastiksünder haben Nachhaltigkeitsstrategien erarbeitet und sich zum Erreichen entsprechender Ziele verpflichtet und in diesem Sinne Maßnahmen ergriffen. So will beispielsweise Unilever den Gesamtkunststoffverbrauch bis 2025 um ein Drittel senken. Andere, wie zum Beispiel Coca-Cola und Nestlé, testen alternative Verpackungen oder haben sie bereits für Teile ihres Portfolios eingeführt.

Der BFFP-Bericht legt detailliert dar, dass es einigen Konsumgüterherstellern gelungen ist, ihren Kunststoffverbrauch 2020 „in bescheidenem Maß“ zu reduzieren. Coca-Cola und Mars verzeichnen dagegen einen Anstieg – der vermutlich als „Fluch des Erfolgs“ von mehr verkauften Produkten stammt.

Für Break Free From Plastic liegt das Problem in der Ausgestaltung der Nachhaltigkeitsversprechen der Unternehmen. Genauer: Es fehle eine ganzheitliche Betrachtung der Reduzierung von Kunststoff entlang der gesamten Lieferkette.

 

Spotlight Coca-Cola

Wer unseren Blog verfolgt, weiß, dass Coca-Cola in den letzten Jahren kontinuierlich Nachhaltigkeitsinitiativen ins Leben gerufen hat. Dazu gehören die Umstellung auf Flaschen aus 100 Prozent recycelbarem Kunststoff bis 2025, die Einführung einer PlantBottle, die teilweise aus pflanzenbasiertem Kunststoff besteht oder jüngst ein erstes Mehrweg-to-go Projekt in Schweden. Nicht zufällig wurde der Getränkeriese deshalb im Herbst 2021 in einem Bericht der gemeinnützigen Organisation „As You Sow“ als das Konsumgüterunternehmen mit der höchsten Transparenz- und Recyclingverpflichtung eingestuft.

Trotzdem führt das Unternehmen seit 2018 kontinuierlich das Plastiksünder-Ranking von Break Free From Plastic an. Dem Bericht zufolge wurden im Jahr 2021 bei den „Markenprüfungen“ 19.826 Stück Plastikmüll aus Coca-Cola-Produkten erfasst. Das waren mehr als doppelt so viele wie 2018 und in der Gesamtmüllmenge mehr als der Abfall von PepsiCo und Unilever zusammen.

 

Plastic Bashing: Kein Ende in Sicht

Der jüngste BFFP-Bericht zeigt eindrücklich, dass Kunststoff weiterhin der große böse Bube der Nachhaltigkeitsbewegung ist. Und er zeigt, dass die großen Konsumgüterhersteller trotz aller Bemühungen weiter mit dem Thema kämpfen und zu kämpfen haben.

Dabei wird es auf Sicht bleiben. Das Thema wird nicht verschwinden, sondern im Gegenteil weiter an Fahrt aufnehmen.

 

Die Lösung(en)

Marken werden vor diesem Hintergrund zu immer drastischeren und radikaleren Maßnahmen greifen, um ihre selbstgesteckten Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Die Richtung stimmt dabei schon seit einiger Zeit. Die Reduzierung und/oder Substitution von Kunststoff durch andere Materialien hat an Fahrt aufgenommen.

Trotzdem bleibt das Tempo des Wandels insgesamt überschaubar. Die Industrie muss die Geschwindigkeit deutlich erhöhen, um das Problem in den Griff zu bekommen.

Vor allem aber darf der Fokus nicht auf Rezyklierbarkeit beschränkt bleiben. Was wir dagegen brauchen, ist viel mehr Einsatz von Rezyklat und ein starker Ausbau von Mehrweglösungen. Ohne diese Maßnahmen werden die Konsumgüterhersteller ihr Kunststoffproblem nicht in den Griff bekommen.

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