Sainsbury’s stellt die Kaffeepads seiner Eigenmarke von Kunststoff auf Aluminium um

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Sainsbury’s stellt die Kaffeepads seiner Eigenmarke von Kunststoff auf Aluminium um

Thomas Reiner | 18.11.2022

Die britische Supermarktkette Sainsbury’s stellt das gesamte Kaffeepad-Sortiment ihrer Eigenmarke von Kunststoff auf Aluminium um. Der Schritt soll die haushaltsnahe Sammlung von geleerten Verpackungen fördern und jedes Jahr zehn Millionen Plastikteile verhindern. Die Aktion von Sainsbury’s zeigt, wie groß die Schmerzen bei Kreisläufen sind, die nicht geschlossen sind. Vergessen sollte man aber nicht, dass Kunststoff aus CO2-Klimasicht eigentlich die bessere Wahl wäre. Wir müssen aufpassen, den Kreislauf nicht gegen das Klima auszuspielen. Im Endeffekt brauchen wir beides: Geschlossene Kreisläufe UND Klimaneutralität.

 

 

Die Ankündigung von Sainsbury’s kam im September: Ab Oktober 2022, so die britische Supermarktkette, werde man alle Kaffeepads der Eigenmarke von Kunststoff auf angeblich vollständig recycelbares Aluminium umstellen.

 

Das Ziel

Mit der Umstellung von Kunststoff auf angeblich vollständig recycelbares Aluminium will Sainsbury’s die haushaltsnahe Entsorgung seiner Kaffeepads erleichtern und jährlich zehn Millionen Plastikteile vor der Mülldeponie bewahren. Den Verbrauchern will man mit dem Schritt die Gewissheit geben, dass ihre Abfälle in den richtigen Abfallstrom gelangen und tatsächlich stofflich wiederverwertet werden.

Die britische Supermarktkette betrachtet den Wechsel auf Kaffeepads aus Aluminium als einen Schritt in Richtung ihres Ziels, die Menge aller Eigenmarken-Kunststoffverpackungen bis 2025 zu halbieren. Auch bei anderen Produkten will man Hand an die Verpackung legen und diese neugestalten. So beispielsweise bei den nachfüllbaren 1-Liter-Beuteln für Handwaschmitteln. Auch die Länge der Toilettenpapierrollen will man verdoppeln und damit 84 Tonnen Kunststoff pro Jahr einsparen.

 

Haar in der Suppe

Sainsbury’s ermutigt die Verbraucherinnen und Verbraucher, die Kaffeepads aus Aluminium nach Gebrauch mit einem Teelöffel zu leeren und auszuspülen. Mit dieser Vorbehandlung sind sie optimal für die haushaltsnahe Entsorgung vorbereitet. Das ist technisch und im Sinne eines möglichst reibungslosen und effizienten Kreislaufs sicher eine gute Sache. Allerdings wollen wir als Konsumenten Lösungen – und keine Aufgaben. In welchem Ausmaß Verbraucherinnen und Verbraucher hier tatsächlich zum Teelöffel greifen, bleibt offen.

 

Fazit

Wenn wir den Kunststoffkreislauf nicht schließen, wird Kunststoff durch andere Materialien substituiert. Das endlos recycelbare Aluminium ist hierbei eine Möglichkeit. Vergessen sollte man aber nicht, dass Kunststoff aus Klimasicht deutliche Vorteile gegenüber Aluminium hat. Seine CO2-Bilanz ist selbst im Vergleich zu recyceltem Aluminium viel besser.

Der Vorteil von Aluminium ist vor allem, dass er auf die Kunststoffreduktionsziele der Unternehmen einzahlt. Und er ist vollständig kreislauffähig. Das Sainsbury’s-Beispiel zeigt eben auch, wie groß die Schmerzen in Bezug auf (mangelnde) Kreislauffähigkeit sind.

 

Appell

Wir müssen aufpassen, dass wir nicht nur die Kreislauffähigkeit sicherstellen, sondern auch bei der Klimabilanz auf der richtigen Seite stehen. Wir brauchen beides. Das eine auf Kosten des anderen umzusetzen, kann keine finale Lösung sein.

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Thailand verbietet die Einfuhr von Kunststoffabfällen bis 2025 komplett

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Thailand verbietet die Einfuhr von Kunststoffabfällen bis 2025 komplett

Thomas Reiner | 11.11.2022

Über einen Drei-Stufen-Plan setzt Thailand bis 2025 ein vollständiges Importverbot für Plastikabfälle durch. Das Verbot ist Teil eines umfassenderen Anti-Kunststoff-Plans des Königreichs, der zukünftig auch Einschränkungen bei der Verwendung von Einwegkunststoff-Produkten vorsieht. Längst ist klar, dass Kreislaufwirtschaft ein globales Thema ist – das auch global Beachtung findet. Google-Suchwortanfragen zeigen, dass beispielsweise die Sorge um „Ocean Littering“ kein europäisches Phänomen ist. Ganz im Gegenteil wächst das Interesse besonders dort, wo die Menschen mit den Auswirkungen leben müssen. Es bleibt dabei: Die Verbote rund um Kunststoff werden nicht abreißen, solange wir Leaks im Kunststoffkreislauf haben.

 

 

Bereits seit 2020 wird in Thailand über ein Importverbot von Plastikabfällen aus anderen Ländern diskutiert. Man müsse das eigene Land schützen und dürfe nicht zur Deponie für andere Länder werden, betonen beispielsweise der thailändische Minister für natürliche Ressourcen und Umwelt, Varawut Silpa-archa. Das Verbot ist Teil eines größeren Plans zur Reduktion von Kunststoff, in dessen Rahmen weitere Maßnahmen festgelegt wurden und werden.

 

Beabsichtigte Maßnahmen

Zu den bereits bekannt gewordenen Maßnahmen gehören:

  • Ein schrittweises Verbot der Einfuhr von Kunststoffabfall über einen 3-Stufen-Plan bis 2025.
  • Eine Selbstverpflichtung, die Verwendung von Einwegkunststoffprodukten zu reduzieren.
  • Der Entwurf eines Plans durch das Department of Pollution Control für die Bewirtschaftung nationaler Kunststoffabfälle. Der Plan soll die Jahre 2023 bis 2027 umfassen und sich auf vier Schlüsselbereich konzentrieren. Zu diesen gehört die Entfernung von Kunststoffabfällen auf Deponien und ihre stoffliche Wiederverwertung. Laut Silpa-archa produziert Thailand jährlich 24,98 Millionen Tonnen Haushaltsabfälle, von denen nur 32 Prozent korrekt entsorgt werden.

 

Der 3-Stufen-Plan

Das Totalverbot des Imports von Kunststoffabfällen tritt nicht sofort und in vollem Umfang in Kraft, sondern entfaltet sich über drei Stufen bis ins Jahr 2025.

  1. 2023 startet Phase 1: Thailand wird die Menge des importierten Kunststoffabfalls auf das tatsächlich benötigte bzw. verwertbare Maß begrenzen. Dazu wird der Bedarf von 14 bedeutenden Werken in Thailands Freihandelszonen ermittelt. Nur die Menge, die tatsächlich in der Produktion Verwendung findet, darf importiert werden.
  2. 2025 startet Phase 2: Nur noch 50 Prozent der in Phase 1 festgelegten Mengen dürfen importiert werden. Andere Importe in Abfallanlagen außerhalb der Freihandelszonen müssen vorab von einem Unterausschuss für die Entsorgung von Kunststoff- und Elektronikabfall genehmigt werden.
  3. 2025 startet Phase 3: Ein vollständiges Verbot aller Einfuhren von Kunststoffabfällen wird durchgesetzt.

 

Unklare Auswirkungen auf die Wirtschaft

Welche Auswirkungen ein vollständiges Verbot des Imports von Kunststoffabfällen auf die Kunststoffverpackungsindustrie haben wird, bleibt unklar – insbesondere in Bezug auf die Produktion und die Kosten. Hier kann ein Blick auf andere Ländern, die ein ähnliches Verbot bereits durchgesetzt haben, Aufschluss geben.

 

Globales Thema

Kreislaufwirtschaft ist zu einem globalen Thema geworden. Es hat Kraft und Gestaltungsmacht nicht nur in den Ländern der sogenannten „ersten Welt“.

Ausgangspunkt für die Etablierung und Bedeutung des Themas sind Missstände wie beispielsweise das „Ocean Littering“. Auch hier zeigt sich, dass die Menschen nicht wegschauen wollen. Googles Statistiken zu Suchanfragen mit den entsprechenden Schlagwörtern zeigen das ganz eindeutig. Und auch hier zeigt sich, dass das Interesse der Menschen umso größer ist, wie sie selbst in ihrer Um- und Lebenswelt real betroffen sind.

Es gibt nichts zu Drehen und zu Wenden: Solange wir die Kreisläufe von Kunststoff nicht schließen können, werden die materialbezogenen Verbote weltweit zunehmen.

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De-Paperization? Tesco-Trial entfernt Kartonverpackungen von Markenzahnpastatuben

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De-Paperization? Tesco-Trial entfernt Kartonverpackungen von Markenzahnpastatuben

Thomas Reiner | 04.11.2022

Tesco startet in UK einen Pilotversuch zur Reduzierung von Kartonabfällen. Dazu wird die Faltschachtel bei Zahnpastamarken wie beispielsweise Oral B, Sensodyne oder Colgate ersatzlos gestrichen. Wenn die größte Handelskette in Großbritannien auf diese Weise voran geht, ist das schon ein Zeichen. Verbraucher nehmen Sekundärverpackungen vermehrt als überflüssiges Ärgernis wahr. Zugleich sind sie ein logischer Angriffspunkt bei dem Bestreben von Handel und Marken, den Ressourcenaufwand und Klimaimpact ihrer Produkte zu senken. Für die Faltschachtelindustrie heißt es jetzt: Augen auf und handeln! Die Sekundärverpackung aus Karton muss mit Hilfe recyclingfähiger Barrieren und Schutzfunktionen zur Primärverpackung werden. Sonst droht Ungemach. Denn das Vorgehen bei Zahnpasta lässt sich auf viele andere Bereiche und Segmente übertragen.

 

 

Schon im November 2021 hatte Tesco entschieden, die Karton-Sekundärverpackung bei seiner Eigenmarken-Zahnpasta zu entfernen. Nun zündet Großbritanniens Supermarktkette in Kooperation mit großen Zahnpastamarken die nächste Stufe – und verzichtet in fast UK-30 Filialen auch auf die Faltschachtel bei Marken wie Oral B, Sensodyne, Colgate, Aquafresh und Corsodyl.

 

Ressourcen- und Klimaeffekte

Der Verzicht auf die Sekundärverpackung bei den Zahnpasta-Eigenmarken hat nach Angaben von Tesco jährlich 55 Tonnen Karton eingespart. Das Unternehmen hofft, diese Zahl durch den Wegfall der Zahnpasta-Faltschachteln bei Markenprodukte und in weiteren Filialen auf 680 Tonnen jährlich steigern zu können.

Gleichzeitig bedeutet die Entfernung der „unnötigen Verpackung“ nach Auskunft von Tesco auch, dass mehr Tuben auf der gleichen Fläche transportieren werden können, was dabei helfe, Lieferwagen von der Straße zu nehmen und entsprechend CO2 einzusparen.

Die Reduzierung von Zahnpastaverpackungen auf ihre wesentlichen Elemente ist Teil von Tescos 4R-Verpackungsstrategie, bei der durch Entfernen, Reduzieren, Wiederverwenden und Recyceln nach Unternehmensangaben seit 2019 bereits mehr als 3.000 Tonnen Verpackungen pro Jahr eingespart werden konnten.

 

Kundenfeedback

Tesco berichtet von sehr positivem Feedback der Konsumentinnen und Konsumenten auf das Streichen der Sekundärverpackung bei den Eigenmarken im November letzten Jahres. Die Verantwortlichen zeigen sich überzeugt, dass der Schritt für Kunden sinnvoll ist, weil diese beim Kauf von Zahnpasta als Erstes die Kartonverpackung wegwerfen.

 

Die Sekundärverpackung…

Sekundärverpackungen geraten fast automatisch in den Fokus, wenn sich Handel und Marken, aber auch Verbraucherinnen und Verbraucher, auf die Suche nach „Überflüssigem“ machen. Das gilt auch für Packstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen. Die Materialsympathie der Konsumenten für Papier und Karton nimmt rapide ab, wenn es sich um eine Sekundärverpackung handelt.

Fakt ist, dass man mit der Einsparung einer Sekundärverpackung auf viele Faktoren einzahlen kann: Man bedient den Wunsch der Kunden, verringert den Rohstoffbedarf und die Kosten und mindert den eigenen CO2-Fußabdruck.

 

… braucht Primärfunktionen

Das Bestreben nach einer Verringerung des Ressourcenverbrauchs und des Klimaimpacts führt notwendigerweise zu dem Versuch, den Verpackungsaufwand zu reduzieren. Für die Faltschachtel als Sekundärverpackung bedeutet das: Sie muss sich wandeln – und quasi zur Primärverpackung werden, den direkten Produktschutz selber gewährleisten und dabei trotzdem vollständig recyclingfähig bleiben.

 

Nachhaltigkeit schlägt POS-Performance.

Für die Faltschachtelindustrie sollte Tescos Initiative bei Zahnpasta ein Weckruf sein. Denn das Vorgehen lässt sich auf viele andere Bereiche übertragen. Kann man nicht beispielsweise Cerealien nur im Beutel verpackt in die Regale bringen? Die Argumente sind da – und im Zweifelsfall schlägt Nachhaltigkeit die POS-Performance.

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Start-Up: Circleback startet Pfandsystem für Kosmetik- und Hygieneverpackungen

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Start-Up: Circleback startet Pfandsystem für Kosmetik- und Hygieneverpackungen

Thomas Reiner | 21.10.2022

Das Start-Up Circleback platziert in einem Berliner Supermarkt seinen ersten selbstentwickelten Pfandautomaten für Kunststoffverpackungen von Kosmetik- und Körperpflegeprodukten. Mit Hilfe des App-basierte Pfandsystems will Circleback eine Recyclingquote von 90 Prozent erreichen. Idee und Ansatz sind absolut richtig. Denn wir brauchen Systemlösungen, um Kreisläufe zu schließen. Und je dichter am Handel operiert wird, desto höher sind die Chancen auf Erfolg. Was die neue Lösung auch zeigt: PCR als Rohstoff und Ressource bleibt ein Top-Thema für die Branche. Im Zentrum steht das Bemühen, sich Rezyklat zu sichern. Den hier liegt der Wert.

 

 

Circleback wurde 2021 in Berlin mit dem Ziel gegründet, Sammel-, Recycling- und Lebenszyklusmanagementsysteme für Verpackungen und Materialien zu entwickeln und zu betreiben. Mit dem ersten Einsatz des selbstentwickelten Pfandautomaten zur Rückgabe von Kunststoffverpackungen für leere Shampoo-Flaschen, Creme- und Zahnpastatuben geht das Start-up in die Praxis.
Standort ist ein EDEKA-Supermarkt am Berliner Alexanderplatz. Über die Automaten sollen gezielt auch Verbraucherinnen und Verbraucher erreicht werden, die eher konventionell einkaufen.

Das Pfandsystem
Circleback orientiert sich an den Strukturen des staatlichen Pfandsystems für Getränkeflaschen. Dort wird eine Recyclingquote von 90 Prozent erreicht. Das will Circleback auch schaffen. Der Weg zum Ziel:
• Circleback kooperiert mit Markenherstellern, die als Partner eine Gebühr an das Start-up zahlen.
• Das Start-up sammelt die Partner-Verpackungen über seine Automaten ein und verarbeitet sie zu Rezyklat.
• Jeder Partner erhält das Rezyklat, das aus seinen Verpackungen stammt.
• Zu den ersten Partnern gehören Kneipp, Catrice, Dr. Bronner’s und i+m.

Die Pfand-App
• Verbraucherinnen und Verbraucher identifizieren sich am Pfandautomaten mit Hilfe der Circleback-App und können die geleerten Verpackungen der Partner dann zurückgeben.
• Pro zurückgegebener Verpackung werden bis zu 20 Cent gutgeschrieben.
• Die Auszahlung der Pfandbeträge erfolgt über die App. In Zukunft soll es bei Circleback auch andere Arten der Vergütung durch die teilnehmenden Marken geben.

Der Ausblick
Der Markteintritt von Circleback erfolgt im Bereich Kosmetik und Körperpflege. Aber das Start-up sieht neben Potenzial für die Expansion in andere europäische Länder auch die Ausweitung auf andere Verpackungsarten, die dieselbe Infrastruktur nutzen können.

Geht doch
Um Kreisläufe zu schließen, brauchen wir Systemlösungen. Je dichter diese am Handel operieren, desto größer sind die Chancen, gute (und benötigte) Recyclingquoten zu erreichen.
Spannend ist Circlebacks Ansatz auch, weil er die Marken mit Rezyklat „lockt“. PCR wird immer mehr zu einer wertvollen und gefragten Ressource. Wer sich diesen Rohstoff sichern kann, ist in der Lage, Rezyklat anzubieten. Und hier liegt der wahre Wert.
Dass der neue Ansatz von einem Newcomer stammt, ist kein Zufall. Start-ups und „Outsider“ sind oft pragmatischer, als die Insider. Dort stehen zu oft Bedenken im Vordergrund.

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