Der Druck durch Kunststoff-Regulierungen wächst. Globaler Flickenteppich zwingt Amazon in den Spagat.

Source: Flipkart

Der Druck durch Kunststoff-Regulierungen wächst.

Globaler Flickenteppich zwingt Amazon in den Spagat.

Thomas Reiner | 09.10.2019

Bisher stellte sich bei Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen oft die Frage, ob und wie lange das Thema auf der Agenda bleibt. Diese Zeiten sind vorbei. Faktische Situationen und insbesondere die öffentliche Meinung sorgen inzwischen weltweit für einen permanent wachsenden Druck, dem sich die Politik offensichtlich nicht entziehen kann. Ein markantes Beispiel ist die steigende Zahl nationaler Regulierungen im Bereich Einweg-Kunststoff. In Indien bekommt Amazon das jetzt zu spüren – und reagiert. Dabei handelt das Unternehmen gegen seine Nachhaltigkeitsüberzeugung. Denn für die Märkte von Industriestaaten setzt man aus guten Gründen weiterhin auf Kunststoff.

In Indien entstehen täglich rund 26.000 Tonnen Kunststoffmüll. Wie die Regierung des Landes diesem Berg zu Leibe rücken will, hat Indiens Umwelt-Sekretär jüngst sehr deutlich gemacht: „Es sind die E-Commerce-Unternehmen, die den Plastikmüll verursachen, also müssen sie sich auch um Entsorgung und Recycling kümmern.“

Während Amazon in den USA, UK und auch in Deutschland bei kleineren Päckchen neuerdings auf Folien aus Kunststoff statt auf Papierumschlägen setzt, reagiert man für den indischen Markt auf den Druck der Politik. Das Unternehmen hat angekündigt, bis Juni 2020 komplett auf Einweg-Kunststoff in Verpackungen zu verzichten. Das betrifft insbesondere Luftpolster und Luftpolsterfolien, die durch entsprechende Lösungen aus Papier ersetzt werden sollen.

Amazon beugt sich dem politischen Druck, obwohl es in bestimmten Anwendungsbereichen gerade aus Nachhaltigkeitsgründen Papier durch Kunststoff ersetzen möchte. So sparen die dünnen Kunststoffbeutel gegenüber den dicken Pappumschlägen deutliche Volumen und Gewicht – und generiert damit zählbare Vorteile bei der Klimabilanz, aber auch beim Einsatz von Energie und Wasser im Zuge der Produktion.

In Indien wiegen diese Argumente offensichtlich wenig. Das ist nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass Kunststoff insbesondere dort problematisch werden kann, wo es kein funktionierendes Sammel- und Recyclingsystem gibt.

Klar ist aber auch: Nationale Regulierungen schaffen Fakten, die nur schwer veränderbar sind – selbst wenn es sinnvoll wäre oder zu einem späteren Zeitpunkt sinnvoll wird. Durch die unterschiedlichen Ausgangs- und Interessenslagen weltweit entsteht auf diese Weise ein Flickenteppich an Regulierungen, die gerade international agierende Akteure vor Herausforderungen stellt.

Bei B+P verfolgen wir die Probleme durch Nachhaltigkeitsansprüche, politischen Druck und öffentliche Meinung sehr genau. Über unser globales Agentur-Netzwerk sind wir in vielen Märkten direkt am Puls der Zeit. Wir sehen spannende Lösungen für spannende Zeiten. Und wir haben immer ein offenes Ohr für spannende Einblicke und Herausforderungen.

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Deutscher Discounter „Lidl“ mit eigenem Öko-Logo für Verpackungen

Source: Lidl.de

Deutscher Discounter „Lidl“ mit eigenem Öko-Logo für Verpackungen

Thomas Reiner | 04.10.2019

Transparenz und Kommunikation sind wichtige Elemente für jede Nachhaltigkeitsstrategie. Der deutsche Discounter „Lidl“ hat für die Verpackungen seiner Eigenmarkenprodukte ein neues Öko-Logo mit dem Namen „verantwortlich verpackt“ eingeführt. Kunden sollen damit nachvollziehen können, was die neuen Produktverpackungen im Vergleich zu den bisherigen nachhaltiger macht.

Das Logo wird sukzessive auf der Vorderseite der Verpackungen angebracht. Um in die Kategorie „verantwortlich verpackt“ zu fallen, müssen die Verpackungen mindestens eine von vier Kriterien erfüllen. Welche dieser Nachhaltigkeitskriterien die jeweilige Verpackung erfüllt, gibt Lidl dabei an.

Die vier Kriterien im Überblick:

– Recyclingfähigkeit von mindestens 80 Prozent
– Rezyklatanteil von mindestens 30 Prozent
– Einsatz von alternativen Materialien
– Einsparung von Volumen oder Gewicht des Verpackungsmaterials von mindestens 10 Prozent.

Das neue Logo ist Teil der „REset Plastic“ – Strategie, die vom Lidl-Mutterkonzern „Schwarz Gruppe“ eingeführt wurde. Ziel von REset Plastic ist es, bis zum Jahr 2025 den Einsatz von Kunststoff um 20 Prozent zu reduzieren und bei Verpackungen der Eigenmarken komplett auf Kunststoff zu verzichten.

Nach Aussage von Lidl soll das neue Logo die Verbesserungen bei der Nachhaltigkeit der Verpackungen für Kunden transparent machen. Auch wenn man seit 2018 bereits erheblich Kunststoff habe einsparen können, liege noch ein langer Weg vor dem Unternehmen. Der Verzicht auf Kunststoff sei nicht von heute auf morgen möglich. Es brauche mehr nachhaltigere Lösungen und Innovationen, wie der Plastikeinsatz insgesamt nachhaltiger gestaltet werden kann.

Die Initiative und das neue Logo von Lidl sind sicherlich ein weiterer, guter Schritt in die richtige Richtung – auch wenn die Kriterien für das Siegel (noch) nicht allzu hoch angesetzt wurden. Begrüßenswert ist auf jeden Fall die Transparenz gegenüber den Konsumenten, die konkret erfahren, welche Nachhaltigkeitsfortschritte die jeweilige Verpackung zu bieten hat.

Transparenz und Kommunikation sind wichtige Elemente für jede Nachhaltigkeitsstrategie. Es geht um mehr, als das richtige Material und die eingesparten Tonnen. Echte Nachhaltigkeit funktioniert nur dort, wo sich Unternehmen dem Thema wahrhaftig verschreiben.

Natürlich geht es um die Verpackung. Aber es geht auch um das zugrundeliegende Denken, um das Schulen und Mitnehmen der Mitarbeiter, um Prozesse und die richtige Kommunikation nach innen und außen. Nachhaltigkeit muss ganzheitlich gedacht und umgesetzt werden.

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Nachhaltigkeit lässt sich nicht aussitzen

Nachhaltigkeit lässt sich nicht aussitzen

Thomas Reiner | 27.09.2019

Eine aktuelle Umfrage von Accenture belegt, was wir bei B+P seit vielen Jahren predigen: Das Nachhaltigkeitsthema lässt sich nicht aussitzen. Unternehmen müssen dringend auf nachhaltige Produkte und Verpackungen setzen. Ganz besonders gilt das für Marken.

Der Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit und bewusstem Konsum hat sich in den vergangenen Jahren immer stärker im Denken und Handeln von Konsumenten verankert. Unternehmen treffen hier auf eine neue Wirklichkeit. Nachhaltigkeit ist mehr als ein Trend – und wird sich deshalb auch nicht aussitzen lassen.

Die Zahlen der jüngsten Accenture-Umfrage, belegen, was wir bei B+P seit Jahren wissen – und was unser Denken und unsere Arbeit prägt.

Ergebnisse der Accenture-Umfrage für Deutschland:

– 93 Prozent nennen die Qualität der Verpackung / des Produkts als wichtigsten Grund für ihre Kaufentscheidung.
– 86 Prozent nannten den Preis als ausschlaggebend.
– 85 Prozent der Konsumenten ist überzeugt, dass es für Unternehmen wichtig oder äußerst wichtig ist, ihre Produkte und Verpackungen wiederverwertbar oder recyclebar zu konzipieren.
– 48 Prozent sind bereit, für nachhaltigere Verpackungen und Produkte mehr Geld auszugeben.

Die Umfrage bestätigt die Ergebnisse anderer Studien (siehe Grafik) und deckt sich mit unserer eigenen Erfahrung und Überzeugung.

Klar ist: Die Konsumenten erteilen Marken in Bezug auf Nachhaltigkeit einen klaren Auftrag – auf den sie reagieren müssen. Denn es führt zwar kein Weg zurück – aber nach vorne!

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Circular Economy. no-plastics revisited: Supermarktkette versucht es erneut

Foto: Iceland

no-plastics revisited:

Supermarktkette versucht es erneut

Thomas Reiner | 19.09.2019

Vor kurzem erst musste die UK-Supermarktkette Iceland einen Versuch beenden, Obst und Gemüse ohne Plastikverpackung zu verkaufen. Der Grund: Ein heftiger Umsatzrückgang. Nun versucht es das Unternehmen erneut.

Im Frühjahr 2019 hatte Iceland in ausgesuchten Supermärkten in UK zwei Pilotprojekte zu Nachhaltigkeit und Kunststoffvermeidung gestartet.

  • Dazu wurden Bananen nicht mehr in Folie angeboten, sondern mit einer Papierbanderole verpacken.
  • Außerdem wurden 35 Obst- und Gemüseprodukte unverpackt angeboten.
  • Weiter 27 präsentierten sich in neuen, nachhaltigen Verpackungen wie kompostierbaren Beuteln, Papiertüten und Netzen auf Zellulosebasis.

Bereits nach drei Monaten ruderte Iceland zurück. Offensichtlich nahmen die Konsumenten die neuen Alternativen nicht an. Der Umsatz bei den betroffenen Waren war um 20 Prozent gesunken.

Trotzdem hält das Unternehmen an seiner Überzeugung fest. Im Juli startete man einen neuen Versuch, Bananen „plastikfrei“ anzubieten – mit einem Testlauf in 20 Supermärkten. Auch ein neuer Versuch mit unverpacktem Obst und Gemüse soll noch im Laufe dieses Jahrs starten.

Das Unternehmen schaut dabei nach eigener Aussage genau auf die Discounter in Deutschland, die vormachen, wie es gehen kann.

Es ist deshalb bemerkenswert, wie Iceland an seinen Überzeugungen zur Nachhaltigkeit festhält und es trotz eines starken Umsatzrückgangs nach dem Schritt, bei einigen seiner Produkte auf Kunststoffe zu verzichten, erneut versucht. Wahre Nachhaltigkeit beginnt in der DNA eines Unternehmens, welche sich von innen nach außen entfaltet.

Dies steht im Einklang mit unserer Mission bei B+P, Unternehmen dabei zu unterstützen, wahrhaftig nachhaltig zu werden und letztendlich für die Kreislaufwirtschaft geeignet zu werden, insbesondere hinsichtlich ihrer Prozesse und Kommunikation sowie ihrer Verpackung. Nachhaltigkeit ist unsere Leidenschaft. Wir würden gerne auf Ihren Ideen aufbauen. Wir freuen uns von Ihnen zu hören.

Link

It’s time to put a freeze on plastics

Video-Interview mit Managing Director Richard Walker

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Circular Economy. Aus Alt mach Neu – Auch bei PP

Source: reCycle Technologies, PCTPR001

Aus Alt mach Neu:

Auch bei PP

Thomas Reiner | 11.06.2019

Ein Schritt, um das Recycling von PP voranzubringen, geht PureCycle Technologies gemeinsam mit Milliken und Nestlé.

Bei dem von Procter & Gamble entwickelten und lizensiertem Verfahren wird Altpolypropylen (PP) zu neuwertigem Polypropylen aufbereitet. Dabei werden auch Farbe, Geruch und andere Verunreinigungen aus dem Ausgangsmaterial entfernt.

Im Ergebnis soll das neue Verfahren dafür sorgen, dass ähnlich wie bei PET nun auch PP für Folgeanwendungen stofflich wiederverwertet und zur Verfügung gestellt werden kann.

Die erste Anlage für das PP-Recycling entsteht zurzeit in den USA, im Lawrence County, Ohio. Ab 2021 sollen dort 54.000 Tonnen Alt-PP zu über 47.500 Tonnen neuwertigem PP aufbereitet werden.

Eine Versuchseinheit der neuen Anlage will PureCycle Technologies in Kürze in Betrieb nehmen. Im Fokus der Versuchseinheit stehen die Verarbeitung von Alt-PP aus unterschiedlichen Quellen und die Optimierung der Abläufe.

Zahlen:

• Aktuell wird weltweit weniger als 1 Prozent des Aufkommens an Alt-PP recycelt.

• Bei Polyethylenterephthalat (PET) liegt der Anteil bereits bei 20 Prozent. Aus R-PET werden meist Kunststoffflaschen und andere Konsumgüterverpackungen hergestellt.