Theoretische Rezyklierbarkeit reicht nicht. Kreisläufe müssen real funktionieren

 

 

Theoretische Rezyklierbarkeit reicht nicht.

Kreisläufe müssen real funktionieren

Thomas Reiner | 20.03.2020

Jüngst hat mit China einer der weltweit größten Verbraucher von Kunststoff einen landesweiten Plan zur Reduzierung von Einweg-Kunststoffen vorgestellt.

Der Plan sieht unter anderem vor, noch dieses Jahr nicht abbaubare Einkaufstüten in den Großstädten abzuschaffen und zu verbieten. Der Rest des Landes soll dann bis 2022 folgen. Ebenfalls schon dieses Jahr startet der Bann von Einwegtrinkhalmen aus Kunststoff für das Gaststättengewerbe.

Die Aktion kommt nicht von ungefähr. China kämpft seit Jahren mit dem Abfall, den seine 1,4 Milliarden Bürger erzeugen. Die größte Deponie des Landes, immerhin rund 100 Fußballfelder groß, ist bereits heute voll. Dabei sollte sie noch 25 Jahre lang Abfall aufnehmen.

Das jüngste Beispiel China zeigt, dass wir bei Kunststoff längst nicht mehr über regionale Trends und Sondersituationen reden. Das Problem ist global und das Muster der „Problembewältigung“ immer gleich: Drastische Maßnahmen von Seiten der Gesetzgeber und Regulatoren.

Immer gleich ist auch der Grund des Musters, nämlich das Fehlen funktionierender Kreisläufe. Solange wir die Kreisläufe nicht geschlossen bekommen, solange bleibt jedes „Design for Recycling“ Theorie, weil es ohne praktische Auswirkung ist.

Plakativ ausgedrückt: Die Einkaufstüte aus 100 Prozent recyclingfähigem Kunststoff richtet in der Natur den gleichen Schaden an, wie ihr konventioneller Vorgänger.
Rezyklierbarkeit reicht nicht aus. Rezyklierbares muss auch in den Kreislauf gelangen und in ihm verbleiben!

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Der Internet of Packaging Markt boomt: Spannende Möglichkeiten für Marketing

Der Internet of Packaging Markt boomt:

Spannende Möglichkeiten für Marketing

Thomas Reiner | 11.03.2020

Smart Packaging verbessert und erweitert die Funktionalität und das Einsatzspektrum „konventioneller“ Verpackungen. Prognosen zeigen, dass der weltweite Markt des Smart Packaging bis 2026 dynamisch mit Raten von jährlich 11,9 Prozent wächst und in sechs Jahren 33,64 Milliarden Dollar schwer sein wird.

Begünstigt wird diese Entwicklung nicht zuletzt durch sich ändernde Lebensstile und das wachsende Verbraucherbewusstsein in Bezug auf Produktschutz, verlängerte Haltbarkeit, Ressourcenschonung und Transparenz bzw. Nachverfolgbarkeit. Hier kann Smart Packaging Mehrwerte schaffen und den Unterschied machen.

Seine größte Stärke spielt das Smart Packaging aber im Bereich Marketing, Markenbindung und Kommunikation aus. Als Träger spezieller Codes schafft die Verpackung dann in Symbiose mit dem Smartphone einen neuen, mächtigen Kanal.

Im Verbund entsteht ein Internet of Packaging (IoP), dass den Vergleich zu Werkzeugen wie der klassischen Werbung oder Social Media nicht scheuen muss – im Gegenteil.

Das alles ist keine Zukunftsmusik. Smart Packaging ist real. Das Internet of Packaging ist real. Es hat den Durchbruch bereits geschafft und wächst rasant. Wer früh dabei ist, wird früh profitieren und rüstet sich für Gegenwart und Zukunft.

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Der Trend geht klar zum Monomaterial. Colgate macht es bei der Zahnpastatube

Quelle: Colgate-Palmolive Services CEW GmbH

 

Der Trend geht klar zum Monomaterial.

Colgate macht es bei der Zahnpastatube.

Thomas Reiner | 04.03.2020

Colgate-Palmolive bringt die erste Zahnpastatube auf den Markt, die zu 100 Prozent recycelbar ist. Das Recycling herkömmlicher Zahnpasta-Tuben gestaltet sich bislang schwierig, da sie in der Regel aus mehreren Lagen unterschiedlicher Kunststoffe sowie einer dünnen Aluminiumschicht im Inneren bestehen, die zu einer einzigen Folie zusammengepresst werden. Diese Laminate bzw. Verbundstoffe lassen sich hinterher mit herkömmlichen Methoden nicht mehr trennen und für die Wiederverwertung erschließen.

Die Ingenieure von Colgate-Palmolive ersetzen die herkömmliche Laminatlösung durch eine Monomateriallösung aus High-Density-Polyethylen (HDPE). Bisher galt HDPE als zu steif, um darauf eine flexible Tube herstellen zu können. Als Einstoff-Verpackung lässt sich die Tube leicht detektieren und sortenrein recyceln. Genau das ist der Charme von Monomaterial, das deshalb voll im Trend liegt.

In die Hände spielte den Colgate-Ingenieuren die Rezeptur der ausgewählten Zahnpasta. Die „Smile-for-Good“-Produkte bestehen aus nur wenigen Inhaltsstoffen, die zu 99,7 Prozent natürlichen Ursprungs sind. Das hat zur Folge, dass die chemischen Anforderungen an den Produktschutz, den die Verpackung leisten muss, vergleichsweise gering sind.

Colgate hat angekündigt, bis 2025 alle Tuben recycelbar zu gestalten. Ob man dabei durchweg an Monomaterial-Lösungen denkt? Laminate sind bislang nicht wegzudenken, wenn es um den Schutz von Produkten mit anspruchsvolleren chemischen Eigenschaften geht. Um den Verbundstoff auch hier durch Monomaterial zu ersetzen, müssten hohe Hürden genommen werden.

Gut möglich, dass sich manche Hürde als Mauer erweist, die man technologisch nicht überspringen kann. Es wäre nicht verwunderlich, wenn sich der konsequente Einsatz von Monomaterial in vielen Fällen nur über eine veränderte Produktrezeptur erkaufen lässt.

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Zugzwang durch hohe Umweltziele: Unilever testet Eis am Stiel ohne Einzelverpackung.

Quelle: Unilever Langnese 2019

 

Zugzwang durch hohe Umweltziele: 

Unilever testet Eis am Stiel ohne Einzelverpackung.

Thomas Reiner | 26.02.2020

Eis am Stiel ist in Sammelpackungen üblicherweise einzeln in Kunststoffbeutel verpackt. Darauf verzichtet Langnese nun beim Produkt „Solero Lemon Bio“.

Die neu eingesetzte Sammelpackung fasst die einzelnen Eis am Stiel in getrennten Fächern. Sie besteht zu 95 Prozent aus Papier und ist im Inneren mit einer dünnen Barriereschicht aus Kunststoff ausgekleidet. Nach eigenen Angaben kann die Verpackung vollständig über den Altpapierkreislauf entsorgt werden.

Dass Langnese just ein veganes Bio-Eis für den Testlauf ausgesucht hat, ist kein Zufall, sondern clever. Die „Öko-Zielgruppe“ ist bekanntlich eher verpackungskritisch und dürfte daher grundsätzlich positiv auf das Experiment reagieren. Man darf gespannt auf das Feedback sein, dass Langnese von den Käufern über einen aufgedruckten QR-Code erbittet.

Hintergrund des mutigen Testlaufs von Langnese sind die ambitionierten Umweltziele der Konzernmutter Unilever. Diese will schon 2020 den Entsorgungsabfall ihrer Produkte gegenüber 2010 halbieren. Hohe Ziele, die für einen hohen Zugzwang sorgen.

Die spannende Frage: Was passiert, wenn Langnese die Verpackung im ganzen Sortiment umstellt und nicht nur im Bio-Bereich? Wie reagiert die breite Masse der Konsumenten? Nur über das relativ kleine Bio-Sortiment lassen sich die hohen Ziele nicht erreichen.

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Sind CPG Markengiganten die Verlierer der Digitalisierung?

Quelle: ShutterOK/Shutterstock.com

Sind CPG Markengiganten die Verlierer der Digitalisierung?

Thomas Reiner | 21.02.2020

Die großen Markenartikler verlieren bei Consumer Packaged Goods Marktanteile an kleine und sehr kleine Player. Während der Marktanteil der Giganten in den USA zwischen 2013 und 2018 von 57,5 Prozent auf 55,5 Prozent gesunken ist, konnten die kleinen Player ihren Anteil von 23,5 Prozent auf 25,7 Prozent steigern.

Grund dafür ist die digitale Transformation. Sie nivelliert den schieren „Vorteil durch Größe“, der früher entscheidend war und ermöglicht es auch kleinen Playern, Konsumenten direkt und auf beispiellose Weise zu erreichen und zu versorgen.

Mächtige, alte Schranken für den Marktzugang sind damit gefallen. Der Onlinehandel hat sich als tragfähiger CPG-Kanal etabliert. Große Investitionen in den Aufbau einer Marke oder der zehrende Kampf um einen Platz in den begrenzten Regalen sind verzichtbar geworden. Die Kleinen und ganz Kleinen haben sich im ehemals exklusiven Markt der Markengiganten eingenistet und wachsen prächtig. Sie sind schnell, flexibel und innovativ.

Wenn die großen Marken Paroli bieten wollen, dürfen sie Digitalisierung nicht länger auf Social Media und E-Commerce reduzieren. Sie müssen der neuen Wirklichkeit strategisch begegnen. Nur so können sie auch den Raum für dringend benötige Innovationen schaffen.

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