Die Verpackung braucht Diät: Über 75% der Verbraucher haben überdimensionierte Verpackungen gründlich satt

 

 

Die Verpackung braucht Diät: Über 75% der Verbraucher haben überdimensionierte Verpackungen gründlich satt

Thomas Reiner | 09.03.2021

Zu groß und zu viel – Dreiviertel der Verbraucher haben überdimensionierte Verpackungen gründlich satt und fordern Diät. Das Ergebnis einer aktuellen E-Commerce-Studie von Mondi zeigt auch deutliche Mehrheiten für nachhaltige Verpackungen. Rund jeder Zweite ist bereit, dafür sogar tiefer in die Geldtasche zu greifen – unter bestimmten Voraussetzungen.


 

Too big to fail? Im Gegenteil! Ware, die überdimensioniert oder mit zu viel nicht-funktionalem Aufwand verpackt ist, hat es immer schwerer. Laut einer quantitativen Studie von Mondi in fünf europäischen Ländern lehnen 79 Prozent überdimensionierte und 73 Prozent zu viel Verpackung ab.
Wert legen die Verbraucher auch auf Nachhaltigkeit. Für eine absolute Mehrheit von 80 Prozent ist das wichtig. Der Druck zur Verpackungsdiät steigt also weiter, nicht nur im E-Commerce. Spannend ist, dass immer mehr Konsumenten bereit sind, sich diese Diät etwas kosten zu lassen. Rund jeder Zweite zeigt sich gewillt, für nachhaltige Verpackungen mehr zu bezahlen – aber nur, wenn diese gleichzeitig den Anforderungen an Produktschutz, Kreislauffähigkeit und einfache Handhabungen entspricht.

Online-Handel, Nachhaltigkeit, Kundenwünsche
Mondi hat seine Studie gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Karmasin Research & Identity durchgeführt. Zum Thema Online-Konsumentenverhalten und Ansprüche an Verpackungen wurden insgesamt 3.052 Verbraucher in Deutschland, Österreich, Polen, Rumänien und Tschechien befragt, wobei sich die Ergebnisse in den Ländern nicht signifikant unterscheiden.

Die Kernergebnisse:

  • Fast jeder Zweite kauft seit Corona mehr und öfter online ein.
  • Die häufigsten Kunden sind junge Frauen.
  • Die meistbestellten Produkte sind Kleidung und Schuhe, Drogerie- und Parfumartikel, Bücher sowie Elektrogeräte.
  • 80% der Gesamt-Befragten legen verstärkt Wert auf nachhaltige Verpackung.
  • Mehr als die Hälfte (57 % in allen Ländern, 48 % in Deutschland) sind bereit dafür mehr zu bezahlen, wenn die Anforderungen an den Schutz der Ware und einfache Handhabung gewährleistet sind.
  • Mehrheitlich abgelehnt werden überdimensionierte Verpackungen (78 %), umständliche Entsorgung und Recycling (78%) sowie zu viel Verpackung (73 %).
  • Positiv bewertet werden vor allem leichtes Öffnen und leichte Wieder- oder Weiterverendung (jeweils 42 %).
  • Bei der Materialwahrnehmung in puncto Nachhaltigkeit dominiert Wellpappe (57 %).

Neue Chancen durch Nachhaltigkeit, Kreislauffähigkeit und Maß halten
Der Druck auf Markenartikler und Handel, ihre bisherigen Verpackungen zu prüfen und zu überdenken, wächst weiter. Weniger ist mehr, gerade bei Verpackungen. Allerdings nur, wenn Funktionalität und Convenience nicht leiden und die nachhaltige Lösung kreislauffähig ist. Wer das alles unter einen Hut bekommt, dem bietet die Entwicklung erstklassige Chancen zur Differenzierung – nicht nur im Onlinehandel.

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Digitalisierung wird zwar Top-Wachstumschance der Verpackungsindustrie gesehen, doch es wird wenig Gewinner geben

Digitalisierung wird zwar Top-Wachstumschance der Verpackungsindustrie gesehen, doch es wird wenig Gewinner geben

Thomas Reiner | 02.03.2021

Eine Befragung von B+P-Consultants unter 270 Führungskräfte der Verpackungsindustrie zeigt, dass 77% der Unternehmen Digitalisierung als Wachstumschance sehen und schon bald relevante Umsätze erwartet. Gut so. Es wird allerdings nur wenige Gewinner geben und viele Verlierer. Denn die Mehrzahl ist schlecht vorbereitet. Obwohl klar ist, wo der digitale Schlüssel liegt.


 

B+P-Consultants hat im Q4 2020 eine Befragung unter 270 Führungskräfte der Verpackungsindustrie durchgeführt. Dabei zeigt sich, dass eine überwältigende Mehrheit von 77 Prozent der Branche Digitalisierung als Wachstumschance sieht (bei Maschinenbauern sind es sogar 89%). Das ist gut so und bleibt unwidersprochen. Auch, dass satte 70 Prozent schon bis 2025 relevante Umsätze über die digitalen Kanäle erwartet, d.h. über 5% ihres Umsatzes, könnte ein positives Zeichen sein. Man muss sich allerdings fragen, worauf dieser Optimismus beruht. Denn in den meisten Fällen fehlen die Grundlagen.

Ein Großteil der Industrie ist auf den Wandel schlecht vorbereitet und hinkt digital gewaltig hinterher. Deshalb wird es unter den Unternehmen der Verpackungsindustrie nur wenige Gewinner der Digitalisierung geben – und viele Verlierer. Die wenigsten werden in der Lage sein, bis 2025 rund 5 Prozent oder mehr ihres Umsatzes über digitale Kanäle zu generieren.

Man kann davon ausgehen, dass sich der online erzielte Umsatz in Zukunft auf die wenigen Gewinner konzentrieren wird. Und hier besonders auf jene, die die Bedeutung digitaler Plattformen erkannt haben. Digitale Plattformen ermöglichen disruptive Dynamik. Sie lösen alte Strukturen und Geschäftsmodelle auf, um sie grundlegend neu zu gestalten. Und sie erlauben einen direkten und mit viel Wissen hinterlegten Zugang zur Zielgruppe. So lassen sich beispielsweise Kundenwünsche und -Bedürfnisse früh erkennen und bedienen.

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Kreislaufwirtschaft wird zum ethischen Postulat. Die Verpackungsindustrie steckt in der Zange

Bildquelle: freepik.com – pressfoto

 

Kreislaufwirtschaft wird zum ethischen Postulat. Die Verpackungsindustrie steckt in der Zange

Thomas Reiner | 18.02.2021

Die Verpackungsindustrie bekommt Druck von allen Seiten. Das bestätigt die Trendstudie 2020 der Otto Group. Regulierer hier und Konsumenten dort senden Befehle und Wünsche für mehr Ethik bei Produkten und Dienstleistungen. Ganz oben auf der Liste: Kreislauffähigkeit. Kurzfristig erzeugt der Druck erzwungene Bewegung in Form von Reaktion. Langfristig brauchen wir Bewegung durch Aktion: Handeln aus eigener Überzeugung.


 

Ethischer Konsum hat sich im Mainstream der Deutschen etabliert und differenziert sich weiter aus. Recycling, Kreislaufwirtschaft und Klimaneutralität kommen dabei eine herausragende Rolle zu. Das zeigt eine aktuell Trendstudie 2020 der Otto Group.
Die Industrie steckt in einer Zange. Druck durch die Regulierer von der einen Seite und Druck durch die Verbraucher:innen auf der anderen. Der Druck erzwingt eine kurzfristige Reaktion und erzeugt damit auch kurzfristig Bewegung. Langfristig sollte uns das nicht genügen. Der Wandel kann sich nur etablieren, wenn möglichst viele Unternehmen aus eigener Überzeugung handeln.

Die Otto-Studie: Ethik und Kreislaufwirtschaft
Für die Trendstudie befragte das große deutsche Handels- und Dienstleistungsunternehmen 1.149 Deutsche zwischen 14 und 70 Jahren. Das zentrale Ergebnis der vom Marktforschungsinstitut Bonsai GmbH im Oktober 2020 durchgeführten Befragung: Ethischer Konsum hat sich im Mainstream der Deutschen etabliert und differenziert sich weiter aus.

  • 82 % sind bereit, den Weg von der Wegwerfgesellschaft zur Kreislaufwirtschaft mitzugehen und sprechen sich für langlebigere Produkte und höhere Materialeffizienz aus.
  • 70 % bezeichnen ethische Kriterien als festen Bestandteil ihrer Kaufentscheidungen. Bei der letzten Befragung im Jahr 2013 lag dieser Wert noch sechs Prozentpunkte niedriger.
  • 63 % sind bereit, für klimaneutrale Produkte mehr zu bezahlen.
  • 60 % können sich vorstellen, beim Einkauf die „wahren Kosten“ für Umweltbelastung und Klimawandel zu bezahlen.
  • Ein Drittel hat in den letzten ein bis zwei Jahren mehr Geld für ethischen Konsum ausgegeben.
  • 20 Prozent geben an, seit der Corona-Krise noch bewusster nach ethischen Kriterien einzukaufen.

Die Top-7 der Ethik-Liste

  • Produkte, die umweltfreundlich hergestellt wurden (82 %)
  • Produkte, die aus menschenwürdigen Arbeitsbedingungen stammen (82 %)
  • Produkte, die weniger Verpackungsmüll verursachen
  • Produkte, die recycelbar sind (81 %)
  • Produkte aus fairem Handel (81 %)
  • Klimaneutrale Produkte (77 %)
  • Besonders langlebige Produkte (67 %)

Kreislaufwirtschaft, Recycling und Verpackungsaufwand
Diese drei Faktoren haben sich einen festen Platz im ethischen Kanon der Verbraucher:innen erarbeitet. Die Zeiten, in denen nur eine kleine, besonders umweltbewusste Zielgruppe befriedigt werden musste, sind Vergangenheit. Auch die regulativen Tätigkeiten der letzten Zeit zeugen von diesen fest verankerten Verbraucherwünschen.

Die Industrie steckt in der Zange von Regulierer und Konsument:in. Es bleibt zu hoffen, dass die Reaktion der Industrie sich nicht nur in Notwehr erschöpft. Durch kurzfristige Bewegung Druck ablassen, sollte uns auf Dauer nicht genügen. Wir sollten ethische Überzeugungstäter werden, die ihre Aktionen aus eigener Überzeugung vorantreiben. Alles andere wäre eine vergebene Chance – die sich auf allen Ebenen rächen dürfte.

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Paperisation bei Eis am Stiel. Ist wirklich alles Gold, was glänzt?

Bildquelle: Unilever – BEN & JERRY’S

 

Paperisation bei Eis am Stiel. Ist wirklich alles Gold, was glänzt?

Thomas Reiner | 09.02.2021

Unilever bringt eine neue On-Stick-Version für die meistverkaufte Geschmacksrichtung seiner Marke Ben & Jerry’s. Die papierbasierte und recycelbare Verpackung zielt auf eine exakt definierte Käufergruppe. Clever! Der Markt geht insgesamt in eine klare Richtung. Aber es bleiben wichtige Fragen, die für alle Papier-Kunststoffverbunde gelten.


 

Die Renaissance von Papier ist mehr als eine Renaissance. Papier erobert Schritt für Schritt Anwendungsgebiete, die bislang eine Domäne von Kunststoff waren. Auch Unilever geht für seine Eis-Marke Ben & Jerry’s diesen Weg. Die neue On-Stick-Version der meistverkauften Geschmacksrichtung Cookie Dough kommt demnächst in einer papierbasierten und weitgehend recycelbaren Verpackung auf den Markt.

Kunden können die neue Eis-am-Stiel-Version von Cookie Dough jetzt also auch unterwegs verzehren. Die neue Verpackung passt optimal zur öffentlichen Wahrnehmung und zur Selbstdarstellung der Marke Ben & Jerry’s, die sich als „fairer“ und „nachhaltiger“ positioniert. Es ist deshalb clever und folgerichtig, dass Unilever seine neue, papierbasierte Verpackung einer Zielgruppe anbietet, die besonders sensibel auf Nachhaltigkeitsthemen reagiert. Aber ist wirklich alles Gold, was glänzt?

Unilevers Design und Strategie
Die Cookie Dough Peace Pops sind auf einem Holzstäbchen befestigt und kommen in einer Verpackung, die nach Unternehmensangaben aus bis zu 88 Prozent Papier besteht und weitgehend recycelbar ist.

Ben and Jerrys versucht mit der neuen Verpackung an ihre Nachhaltigkeitsstrategie anzuknüpfen, die bereits bei den klassischen Eis-Kübel 40 Prozent weniger Kunststoff einsetzt, der zudem aus einer erneuerbaren, pflanzenbasierten Quelle stammen soll.

Produktübergreifend will Unilever im Rahmen einer globalen Verpflichtung bis 2025 die Nutzung von Virgin-Kunststoff halbieren und alle Verpackungen wiederverwendbar sowie recycelbar oder kompostierbar machen.

Offene Fragen zu Regulierung und Recyclingfähigkeit
In seinen Nachhaltigkeitsbestrebungen geht der Markt in eine klare Richtung. Papier ist dabei Favorit. Aber ab wann ist eine Papierverpackung eine Papierverpackung? Reichen 88 Prozent oder werden die fehlenden 12 Prozent zum Stolperstein?
Es stellt sich die Frage nach der tatsächlichen Wiederverwertbarkeit. Theoretische 88 Prozent helfen letztlich niemanden. Eine entscheidende Rolle werden bei dieser Frage die Regulierer einnehmen. Wie werden sie Verbunde aus Papier und Kunststoff einschätzen? Die Frage bleibt vorerst offen. Aber es wäre nicht überraschend, wenn gut in Zukunft nicht gut genug sein wird.

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Einweg-Flaschen aus Rezyklat sind kein Greenwashing, sondern ein Etappensieg

 

 

Einweg-Flaschen aus Rezyklat sind kein Greenwashing, sondern ein Etappensieg

Thomas Reiner | 19.01.2021

Es ist grundverkehrt Kampagnen zu Einweg-Kunststoffflaschen aus 100% Rezyklat als Greenwashing zu bezeichnen, denn wir brauchen nicht nur kreislauffähige Produkte, sondern müssen gleichzeitig auch Märkte für das Rezyklat schaffen. Wie sonst wollen wir Kreislaufwirtschaft umsetzen? Recycling ist kein Selbstzweck. Wenn es uns gelingt, Rezyklate einzusetzen, ist das ein wichtiger Etappensieg.


 

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert die groß angelegte Kampagnen von Lidl, Danone und Pepsi zu Einweg-Kunststoffflaschen aus 100 Prozent Rezyklat als Greenwashing. Damit liegt die DUH grundverkehrt. Denn wir brauchen nicht nur kreislauffähige Produkte, wir müssen gleichzeitig auch Märkte für das Rezyklat schaffen. Wie sonst wollen wir Kreislaufwirtschaft umsetzen? Recycling ist schließlich kein Selbstzweck. Wenn es uns gelingt, Rezyklate einzusetzen, ist das ein wichtiger Etappensieg. Institutionen wie die DUH sollten das anerkennen.

Die Argumentation der Deutschen Umwelthilfe basiert darüber hinaus auf einem verzerrten Vergleich. Die DUH kritisiert, dass Einwegflaschen selbst dann ökologisch minderwertig gegenüber regionalen Mehrwegflaschen seien, wenn sie vollständig aus Rezyklat bestünden. Woher dieser Vorsprung kommen soll, bleibt unklar. Dass die DUH den regionalen Aspekt nur den Mehrwegflaschen zugesteht und dort einrechnet, ist analytisch zudem unsauber und wenig zielführend.

Natürlich können wir darüber diskutieren, ob Mehrweg und Recycling noch nachhaltiger ist, als Einweg und Recycling. Wahrscheinlich lässt sich diese Frage aber kaum pauschal beantworten, sondern nur auf Basis einer Ökobilanz, die Energie und Chemikalieneinsatz bei der Reinigung und den nötigen Transportaufwand mit einberechnet. Diese Ökobilanzen gibt es aber bisher nicht.

Abgesehen davon, übersieht die DUH eine ganz grundsätzliche Tatsache: Für die funktionierende Kreislaufwirtschaft benötigen wir nicht nur kreislauffähige Produkte, wir brauchen gleichzeitig einen Markt für Rezyklat. Recycling ist schließlich kein Selbstzweck.

Greenwashing ist ein No-Go. Aber die Kampagne von Lidl, Danone und Pepsi zu Einweg-Kunststoffflaschen aus 100 Prozent Rezyklat als Greenwashing abzustempeln, geht schlicht an den Tatsachen vorbei. Ganz im Gegenteil ist es ein großer Etappensieg, wenn es uns gelingt, Rezyklate einzusetzen und im Kreislauf zu halten. Institutionen wie die DUH sind deshalb gut beraten, wenn sie entsprechende Anstrengungen anerkennen und würdigen.

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