Digitalisierung wird zwar Top-Wachstumschance der Verpackungsindustrie gesehen, doch es wird wenig Gewinner geben

Digitalisierung wird zwar Top-Wachstumschance der Verpackungsindustrie gesehen, doch es wird wenig Gewinner geben

Thomas Reiner | 02.03.2021

Eine Befragung von B+P-Consultants unter 270 Führungskräfte der Verpackungsindustrie zeigt, dass 77% der Unternehmen Digitalisierung als Wachstumschance sehen und schon bald relevante Umsätze erwartet. Gut so. Es wird allerdings nur wenige Gewinner geben und viele Verlierer. Denn die Mehrzahl ist schlecht vorbereitet. Obwohl klar ist, wo der digitale Schlüssel liegt.


 

B+P-Consultants hat im Q4 2020 eine Befragung unter 270 Führungskräfte der Verpackungsindustrie durchgeführt. Dabei zeigt sich, dass eine überwältigende Mehrheit von 77 Prozent der Branche Digitalisierung als Wachstumschance sieht (bei Maschinenbauern sind es sogar 89%). Das ist gut so und bleibt unwidersprochen. Auch, dass satte 70 Prozent schon bis 2025 relevante Umsätze über die digitalen Kanäle erwartet, d.h. über 5% ihres Umsatzes, könnte ein positives Zeichen sein. Man muss sich allerdings fragen, worauf dieser Optimismus beruht. Denn in den meisten Fällen fehlen die Grundlagen.

Ein Großteil der Industrie ist auf den Wandel schlecht vorbereitet und hinkt digital gewaltig hinterher. Deshalb wird es unter den Unternehmen der Verpackungsindustrie nur wenige Gewinner der Digitalisierung geben – und viele Verlierer. Die wenigsten werden in der Lage sein, bis 2025 rund 5 Prozent oder mehr ihres Umsatzes über digitale Kanäle zu generieren.

Man kann davon ausgehen, dass sich der online erzielte Umsatz in Zukunft auf die wenigen Gewinner konzentrieren wird. Und hier besonders auf jene, die die Bedeutung digitaler Plattformen erkannt haben. Digitale Plattformen ermöglichen disruptive Dynamik. Sie lösen alte Strukturen und Geschäftsmodelle auf, um sie grundlegend neu zu gestalten. Und sie erlauben einen direkten und mit viel Wissen hinterlegten Zugang zur Zielgruppe. So lassen sich beispielsweise Kundenwünsche und -Bedürfnisse früh erkennen und bedienen.

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Kreislaufwirtschaft wird zum ethischen Postulat. Die Verpackungsindustrie steckt in der Zange

Bildquelle: freepik.com – pressfoto

 

Kreislaufwirtschaft wird zum ethischen Postulat. Die Verpackungsindustrie steckt in der Zange

Thomas Reiner | 18.02.2021

Die Verpackungsindustrie bekommt Druck von allen Seiten. Das bestätigt die Trendstudie 2020 der Otto Group. Regulierer hier und Konsumenten dort senden Befehle und Wünsche für mehr Ethik bei Produkten und Dienstleistungen. Ganz oben auf der Liste: Kreislauffähigkeit. Kurzfristig erzeugt der Druck erzwungene Bewegung in Form von Reaktion. Langfristig brauchen wir Bewegung durch Aktion: Handeln aus eigener Überzeugung.


 

Ethischer Konsum hat sich im Mainstream der Deutschen etabliert und differenziert sich weiter aus. Recycling, Kreislaufwirtschaft und Klimaneutralität kommen dabei eine herausragende Rolle zu. Das zeigt eine aktuell Trendstudie 2020 der Otto Group.
Die Industrie steckt in einer Zange. Druck durch die Regulierer von der einen Seite und Druck durch die Verbraucher:innen auf der anderen. Der Druck erzwingt eine kurzfristige Reaktion und erzeugt damit auch kurzfristig Bewegung. Langfristig sollte uns das nicht genügen. Der Wandel kann sich nur etablieren, wenn möglichst viele Unternehmen aus eigener Überzeugung handeln.

Die Otto-Studie: Ethik und Kreislaufwirtschaft
Für die Trendstudie befragte das große deutsche Handels- und Dienstleistungsunternehmen 1.149 Deutsche zwischen 14 und 70 Jahren. Das zentrale Ergebnis der vom Marktforschungsinstitut Bonsai GmbH im Oktober 2020 durchgeführten Befragung: Ethischer Konsum hat sich im Mainstream der Deutschen etabliert und differenziert sich weiter aus.

  • 82 % sind bereit, den Weg von der Wegwerfgesellschaft zur Kreislaufwirtschaft mitzugehen und sprechen sich für langlebigere Produkte und höhere Materialeffizienz aus.
  • 70 % bezeichnen ethische Kriterien als festen Bestandteil ihrer Kaufentscheidungen. Bei der letzten Befragung im Jahr 2013 lag dieser Wert noch sechs Prozentpunkte niedriger.
  • 63 % sind bereit, für klimaneutrale Produkte mehr zu bezahlen.
  • 60 % können sich vorstellen, beim Einkauf die „wahren Kosten“ für Umweltbelastung und Klimawandel zu bezahlen.
  • Ein Drittel hat in den letzten ein bis zwei Jahren mehr Geld für ethischen Konsum ausgegeben.
  • 20 Prozent geben an, seit der Corona-Krise noch bewusster nach ethischen Kriterien einzukaufen.

Die Top-7 der Ethik-Liste

  • Produkte, die umweltfreundlich hergestellt wurden (82 %)
  • Produkte, die aus menschenwürdigen Arbeitsbedingungen stammen (82 %)
  • Produkte, die weniger Verpackungsmüll verursachen
  • Produkte, die recycelbar sind (81 %)
  • Produkte aus fairem Handel (81 %)
  • Klimaneutrale Produkte (77 %)
  • Besonders langlebige Produkte (67 %)

Kreislaufwirtschaft, Recycling und Verpackungsaufwand
Diese drei Faktoren haben sich einen festen Platz im ethischen Kanon der Verbraucher:innen erarbeitet. Die Zeiten, in denen nur eine kleine, besonders umweltbewusste Zielgruppe befriedigt werden musste, sind Vergangenheit. Auch die regulativen Tätigkeiten der letzten Zeit zeugen von diesen fest verankerten Verbraucherwünschen.

Die Industrie steckt in der Zange von Regulierer und Konsument:in. Es bleibt zu hoffen, dass die Reaktion der Industrie sich nicht nur in Notwehr erschöpft. Durch kurzfristige Bewegung Druck ablassen, sollte uns auf Dauer nicht genügen. Wir sollten ethische Überzeugungstäter werden, die ihre Aktionen aus eigener Überzeugung vorantreiben. Alles andere wäre eine vergebene Chance – die sich auf allen Ebenen rächen dürfte.

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Paperisation bei Eis am Stiel. Ist wirklich alles Gold, was glänzt?

Bildquelle: Unilever – BEN & JERRY’S

 

Paperisation bei Eis am Stiel. Ist wirklich alles Gold, was glänzt?

Thomas Reiner | 09.02.2021

Unilever bringt eine neue On-Stick-Version für die meistverkaufte Geschmacksrichtung seiner Marke Ben & Jerry’s. Die papierbasierte und recycelbare Verpackung zielt auf eine exakt definierte Käufergruppe. Clever! Der Markt geht insgesamt in eine klare Richtung. Aber es bleiben wichtige Fragen, die für alle Papier-Kunststoffverbunde gelten.


 

Die Renaissance von Papier ist mehr als eine Renaissance. Papier erobert Schritt für Schritt Anwendungsgebiete, die bislang eine Domäne von Kunststoff waren. Auch Unilever geht für seine Eis-Marke Ben & Jerry’s diesen Weg. Die neue On-Stick-Version der meistverkauften Geschmacksrichtung Cookie Dough kommt demnächst in einer papierbasierten und weitgehend recycelbaren Verpackung auf den Markt.

Kunden können die neue Eis-am-Stiel-Version von Cookie Dough jetzt also auch unterwegs verzehren. Die neue Verpackung passt optimal zur öffentlichen Wahrnehmung und zur Selbstdarstellung der Marke Ben & Jerry’s, die sich als „fairer“ und „nachhaltiger“ positioniert. Es ist deshalb clever und folgerichtig, dass Unilever seine neue, papierbasierte Verpackung einer Zielgruppe anbietet, die besonders sensibel auf Nachhaltigkeitsthemen reagiert. Aber ist wirklich alles Gold, was glänzt?

Unilevers Design und Strategie
Die Cookie Dough Peace Pops sind auf einem Holzstäbchen befestigt und kommen in einer Verpackung, die nach Unternehmensangaben aus bis zu 88 Prozent Papier besteht und weitgehend recycelbar ist.

Ben and Jerrys versucht mit der neuen Verpackung an ihre Nachhaltigkeitsstrategie anzuknüpfen, die bereits bei den klassischen Eis-Kübel 40 Prozent weniger Kunststoff einsetzt, der zudem aus einer erneuerbaren, pflanzenbasierten Quelle stammen soll.

Produktübergreifend will Unilever im Rahmen einer globalen Verpflichtung bis 2025 die Nutzung von Virgin-Kunststoff halbieren und alle Verpackungen wiederverwendbar sowie recycelbar oder kompostierbar machen.

Offene Fragen zu Regulierung und Recyclingfähigkeit
In seinen Nachhaltigkeitsbestrebungen geht der Markt in eine klare Richtung. Papier ist dabei Favorit. Aber ab wann ist eine Papierverpackung eine Papierverpackung? Reichen 88 Prozent oder werden die fehlenden 12 Prozent zum Stolperstein?
Es stellt sich die Frage nach der tatsächlichen Wiederverwertbarkeit. Theoretische 88 Prozent helfen letztlich niemanden. Eine entscheidende Rolle werden bei dieser Frage die Regulierer einnehmen. Wie werden sie Verbunde aus Papier und Kunststoff einschätzen? Die Frage bleibt vorerst offen. Aber es wäre nicht überraschend, wenn gut in Zukunft nicht gut genug sein wird.

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Einweg-Flaschen aus Rezyklat sind kein Greenwashing, sondern ein Etappensieg

 

 

Einweg-Flaschen aus Rezyklat sind kein Greenwashing, sondern ein Etappensieg

Thomas Reiner | 19.01.2021

Es ist grundverkehrt Kampagnen zu Einweg-Kunststoffflaschen aus 100% Rezyklat als Greenwashing zu bezeichnen, denn wir brauchen nicht nur kreislauffähige Produkte, sondern müssen gleichzeitig auch Märkte für das Rezyklat schaffen. Wie sonst wollen wir Kreislaufwirtschaft umsetzen? Recycling ist kein Selbstzweck. Wenn es uns gelingt, Rezyklate einzusetzen, ist das ein wichtiger Etappensieg.


 

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert die groß angelegte Kampagnen von Lidl, Danone und Pepsi zu Einweg-Kunststoffflaschen aus 100 Prozent Rezyklat als Greenwashing. Damit liegt die DUH grundverkehrt. Denn wir brauchen nicht nur kreislauffähige Produkte, wir müssen gleichzeitig auch Märkte für das Rezyklat schaffen. Wie sonst wollen wir Kreislaufwirtschaft umsetzen? Recycling ist schließlich kein Selbstzweck. Wenn es uns gelingt, Rezyklate einzusetzen, ist das ein wichtiger Etappensieg. Institutionen wie die DUH sollten das anerkennen.

Die Argumentation der Deutschen Umwelthilfe basiert darüber hinaus auf einem verzerrten Vergleich. Die DUH kritisiert, dass Einwegflaschen selbst dann ökologisch minderwertig gegenüber regionalen Mehrwegflaschen seien, wenn sie vollständig aus Rezyklat bestünden. Woher dieser Vorsprung kommen soll, bleibt unklar. Dass die DUH den regionalen Aspekt nur den Mehrwegflaschen zugesteht und dort einrechnet, ist analytisch zudem unsauber und wenig zielführend.

Natürlich können wir darüber diskutieren, ob Mehrweg und Recycling noch nachhaltiger ist, als Einweg und Recycling. Wahrscheinlich lässt sich diese Frage aber kaum pauschal beantworten, sondern nur auf Basis einer Ökobilanz, die Energie und Chemikalieneinsatz bei der Reinigung und den nötigen Transportaufwand mit einberechnet. Diese Ökobilanzen gibt es aber bisher nicht.

Abgesehen davon, übersieht die DUH eine ganz grundsätzliche Tatsache: Für die funktionierende Kreislaufwirtschaft benötigen wir nicht nur kreislauffähige Produkte, wir brauchen gleichzeitig einen Markt für Rezyklat. Recycling ist schließlich kein Selbstzweck.

Greenwashing ist ein No-Go. Aber die Kampagne von Lidl, Danone und Pepsi zu Einweg-Kunststoffflaschen aus 100 Prozent Rezyklat als Greenwashing abzustempeln, geht schlicht an den Tatsachen vorbei. Ganz im Gegenteil ist es ein großer Etappensieg, wenn es uns gelingt, Rezyklate einzusetzen und im Kreislauf zu halten. Institutionen wie die DUH sind deshalb gut beraten, wenn sie entsprechende Anstrengungen anerkennen und würdigen.

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Warum Graspapier in Fahrt kommt

 

 

Warum Graspapier in Fahrt kommt

Thomas Reiner | 15.01.2021

Die Mondi Group hat an ihrem Standort in Österreich die Produktion von Graspapier gestartet. Die Idee, Papier mit Anteilen von Grasfasern zu produzieren, ist nicht neu. Aber die ökologischen Vorteile sind nachvollziehbar. Dass ein Schwergewicht wie Mondi sich des Themas jetzt aktiv annimmt, ist ein riesiger Schritt nach vorne.


 

Die Mondi Group hat an ihrem Standort in Österreich die Produktion von Graspapier gestartet. Den Einsatzgebiet sieht das Unternehmen im Markt für Tragetaschen und Verpackungen. Das zertifizierte Papier ist auch für den Kontakt mit trockenen und nicht fettigen Lebensmitteln zugelassen.

Das Papier wird unter dem Markennamen IQ Grass + Packaging vermarktet. Es besteht zu 30 Prozent aus Grasfasern und zu 70 Prozent aus FSC-zertifiziertem Frischfaserzellstoff aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. Den Rohstoff für den Grasanteil bezieht Mondi von einem nicht namentlich genannten Hersteller in Form von Pellets. Seit September 2020 ist das Papier europaweit lieferbar.

Neben dem Einsatz für Tragetaschen zielt Mondi mit seinem Graspapier auch auf Verpackungen, etwa als Liner für Well- und Vollpappe. Das Papier wurde nach Unternehmensangabe für den Flexodruck entwickelt und erfolgreich getestet. Es ist für den Kontakt mit trockenen und nicht fettigen Lebensmitteln zugelassen.

Der Einsatz von Gras zur Papierherstellung ist keine neue Idee. Aber es ist eine Idee, die zunehmend Verbreitung findet. Auch Coca-Cola nutzt Graspapier-Kartonage bereits für Flaschenträger und Etiketten.

Die (ökologischen) Gründe für Graspapier liegen auf der Hand. Gras macht rund ein Fünftel der gesamten Vegetation unseres Planeten aus. Es ist eine der am schnellsten wachsenden und ökologisch erfolgreichsten Pflanzen der Welt und in allen Klimazonen vorhanden. Im Vergleich zur Fasergewinnung aus Holz benötigt die Herstellung weniger Energie und Wasser. Neben der CO2-Einsparung kann auch auf Chemie verzichtet werden, die es beim Holz braucht, um den Zellstoff Lignin zu entfernen.

Dass ein internationales Schwergewicht wie die Mondi Group sich jetzt mit seiner Kraft und Marktposition dem Thema Graspapier zuwendet, ist bemerkenswert und ein riesiger Schritt nach vorne.

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