PCR = „Impfstoff“ der Kreislaufwirtschaft?

 

 

Thomas Reiner | 30.06.2021

Unilever stellt das „Squeezy“-Sortiment seiner Food-Marke Hellmann’s in UK auf Flaschen aus 100 % recyceltem Post-Consumer-PET um. Der Schritt ist auch volumenmäßig eine echte Hausnummer. Und er macht klar, dass der reine Fokus auf Rezyklierbarkeit Vergangenheit ist. Der Einsatz von Rezyklat gewinnt als logischer zweiter Schritt an Bedeutung. Kein Kreislauf ohne Rezyklateinsatz: PCR wird zum Impfstoff der Circular Economy.


 

Rezyklierbarkeit war lange Zeit die Hauptüberschrift auf dem Weg zur Circular Economy. Schließen kann sich der Kreis jedoch nur, wenn das Rezyklat auch erneut Verwendung findet. Dass Unilever diesen Schritt nun geht, ist ein starkes Zeichen. Rezyklateinsatz ist nicht länger nur ein kleines Spiel für Nischen.

Die Gewürzmarke Hellmann’s ist im Portfolio von Unilever strategisch und mengenmäßig relevant. Im Bereich Mayonnaise zählt die Marke zu den größten überhaupt. Die Umstellung auf Flaschen aus 100 Prozent recyceltem Post-Consumer-PET wird deshalb Wellen schlagen – auch wenn es erst einmal nur den Markt in Großbritannien betrifft.

 

Fakten zum rPET-Move

  • Die Marke Hellmann gehört mit ihren rPET-Flaschen zu den ersten Lebensmittelmarken in UK, die 100 Prozent recycelten Post-Consumer-Kunststoff verwenden.
  • Mit 40 Prozent hat Unilever bis April 2021 fast die Hälfte des Squeezy-Sortiments bereits auf recyceltes Kunststoffmaterial umgestellt und in die Regale geschickt. Bis Ende 2022 soll die Umstellung abgeschlossen sein.
  • Nach Unternehmensangaben werden mit der kompletten Umstellung jährlich rund 1.480 Tonnen Frischkunststoff eingespart.
  • Die verstärkte Verwendung von recyceltem Kunststoff ist ein wesentlicher Bestandteil der umfassenderen globalen Verpackungsverpflichtungen von Unilever. Bis 2025 sollen alle Verpackungen wiederverwendbar, recycelbar oder kompostierbar sein.
  • Das Hellmann’s-Squeezy-Projekt in UK dient dem Unternehmen auch als wichtiger Erkenntnisbringer. Die gewonnenen Erfahrungen sollen den Umstieg weiterer Unilever-Lebensmittelmarken auf Rezyklat-Verpackungen beschleunigen.

 

PCR als Impfstoff

Hellmann’s ist ein Flaggschiff im Portfolio von Unilever. Der Wechsel hin zu Verpackungen aus 100 Prozent PCR ist also eine echte Hausnummer. Der Schritt wird große Konsequenzen haben, nicht nur für das Unternehmen, sondern für den Markt insgesamt. Klar wird, dass Rezyklierbarkeit nicht mehr ausreicht. Der Einsatz von Rezyklat als logischer zweiter Schritt gewinnt zunehmend an Bedeutung. Gut so! Denn nur über den Einsatz von Rezyklat können wir die Kreisläufe beim Kunststoff schließen. Die Verwendung von PCR könnte hier zum Impfstoff werden.

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Lenkungswirkung: Lidl testet den Eco-Score für Lebensmittel

Bildquelle: Lidl

 

Lenkungswirkung: Lidl testet den Eco-Score für Lebensmittel

Thomas Reiner | 16.06.2021

Der nach der Filialanzahl größte Discounter-Konzern der Welt testet den Einsatz des fünfstufigen Eco-Scores der ECO2-Initiative. Lidl will seinen Kunden mit dem Score den Nachhaltigkeitsgrad von Lebensmitteln transparent und effizient vermitteln. Das ist ein positiver, pragmatischer und überfälliger Schritt für die Branche. Er wird Lenkungswirkung zeigen – und sich auch auf den Markt für nachhaltige Verpackungen auswirken.


 

Lidl testet in Berlin als erster deutscher Händler den Einsatz eines fünfstufigen Eco-Scores für Lebensmittel. Der nach Anzahl der Filialen größte Discounter-Konzern der Welt geht dafür eine Partnerschaft mit dem Entwickler des Scores, der Initiative ECO2, ein. Der Eco-Score kennzeichnet die Umwelteinflüsse des Lebensmittels über eine Skala vom dunkelgrünen A bis zum roten E. Die Bewertung berücksichtigt neben der Ökobilanz des Produkts auch Kriterien wie Zertifizierungen, die Herkunft der Zutaten sowie die Art der Verpackung.

Das Pilotprojekt von Lidl ist ein positiver und pragmatischer Schritt. Und er ist aus unserer Sicht längst überfällig. Denn die wachsende Bedeutung von Nachhaltigkeit für das Kaufverhalten von Verbrauchern ist unbestreitbar und nicht erst seit gestern fest etabliert. Dass auf Konsumentenseite mit dem Wunsch zu mehr Nachhaltigkeit auch das Bedürfnis nach Information und Orientierung wächst, kann nicht verwundern. Eine nachhaltige Kaufentscheidung braucht eine verlässliche Entscheidungsgrundlage. Die soll der Eco-Score bieten.

Auch Verpackungshersteller sind von der Entwicklung direkt betroffen. Denn die Nachhaltigkeit der Verpackung fließt direkt in den Eco-Score ein. Das wird die ohnehin boomende Nachfrage nach ökologischen Verpackungslösungen zusätzlich antreiben und eine starke Lenkungswirkung zeigen.

 

Die Eco-Score-Methodik

Der Eco-Score wird auf Basis folgender Daten errechnet:

  • Quantitative Daten der Bewertung des Produktlebenszyklus (Life Cycle Assessment; LCA). Die Daten werden von Experten ermittelt und in die französische Datenbank für Landwirtschaft und Lebensmittel, Agribalyse, implementiert. Berücksichtigt werden für diese Ökobilanz die Auswirkungen auf die Umwelt durch Produktion, Transport, Herstellung und Verpackung.
    • Im Ergebnis ergibt sich eine Bewertung auf einer Skala, die bis 100 reicht.
  • Daten, die nicht in der Agribalyse-Ökobilanz enthalten sind, aber durch ihre positiven oder negativen Auswirkungen auf die Umwelt in den Score einfließen. Dazu gehören beispielsweise das Material und die Recyclingfähigkeit der Verpackung sowie die Herkunft und Saisonalität des Lebensmittels bzw. seiner Zutaten.
    • Die in diesem Schritt berücksichtigten Daten führen zu einem entsprechenden Bonus oder Malus, der die Punktzahl beeinflusst und zum endgültigen Score-Wert führt.

 

Der Berliner Pilot

Lidl testet den Eco-Score im Laufe des Jahres in all seinen Berliner Filialen. Dazu werden die Preisschilder ausgewählter Lebensmittelgruppen mit der neuen Kennzeichnung ausgestattet. Der Discounter will mit dem Pilotprojekt erkunden, wie Verbraucher den Score wahrnehmen und wie sie darauf reagieren. Abhängig vom Ergebnissen prüft das Unternehmen die Umsetzung der Nachhaltigkeitskennzeichnung in allen Filialen in Deutschland.

 

So einfach und wirkungsvoll wie der Preis

Lidl zeigt sich bei seiner Initiative offen für branchenweite Kennzeichnungsalternativen. Auch das ist ein pragmatischer und sinnvoller Schritt. Denn letztlich geht es bei einem Nachhaltigkeits-Score für Lebensmittel vor allem um eines: Kunden müssen einheitlich, verlässlich und einfach über die Nachhaltigkeit des Produkts informiert werden. Dafür brauchen sie einen Indikator. Und der sollte so „schlicht“ und aussagekräftig sein, wie die Preisangabe. Die gibt uns effizient und eingängig ein Gefühl für die Kosten und den Wert eines Produktes. Genau das soll ein Eco-Score im Bereich Nachhaltigkeit leisten – als verantwortungsvolle Grundlage für die Kaufentscheidung.

 

Lenkungswirkung für mehr als eine Branche

Wenn ein Discount-Gigant wie Lidl die Sache angeht, wird das Lenkungswirkung für die Branche haben – und darüber hinaus. Denn auch für Verpackungshersteller ist der Eco-Score ein machtvoller Treiber.

Schon bisher ist Fakt, dass eine nachhaltige Verpackung der erste und wichtigste Botschafter eines nachhaltigen Produkts ist. Nun aber fließt die Öko-Qualität der Verpackung auch noch direkt in den Eco-Score des Lebensmittels ein. Das wird den Bedarf an nachhaltigen Verpackungslösungen weiter steigern. Wer hier gut aufgestellt ist, wird über die Maßen profitieren können. Wer seine Hausaufgaben vernachlässigt, wird aus dem Markt fliegen.

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Eine neue „Dating-Plattform“ für Verpackungsmaschinen zeigt: Der digitale Wandel in der Verpackungsindustrie nimmt Gestalt an

Eine neue „Dating-Plattform“ für Verpackungsmaschinen zeigt: Der digitale Wandel in der Verpackungsindustrie nimmt Gestalt an

Thomas Reiner | 11.06.2021

Die Ampeln für die Plattform-Ökonomie stehen schon seit geraumer Zeit auf Grün. Ihr Versprechen, Intransparenz und Ineffizienz aus dem Markt zu holen, ist unschlagbar. Auf absehbare Zeit werden sich deshalb große Teile der Industrie zu einer Plattform-Ökonomie wandeln. Erstaunlich ist eigentlich nur, dass sich bisher so wenig getan hat – gerade im Bereich Maschinenbau.

Mit Packpart macht sich nun eines der ersten Start-ups in diesem Bereich auf den Weg. Seine Dating-Plattform vernetzt Projektanfragen von Kundenseite mit dem Know-how und den Angeboten von Maschinenbauern. Im Zentrum der Plattform steht ein automatisiertes, digitales Matching-System. Den Start machen die Branchen Chemie, Pharma, Kosmetik und Food.

Das Versprechen der Plattform: Sie vereinfacht die Suche nach einem passenden Verpackungsmaschinenhersteller, senkt den Aufwand für Kunden sowie Anbieter und optimiert das Ergebnis.

 

So funktioniert die Dating-Plattform

  1. Kunden starten ein Projekt und geben dafür ihre individuellen Anforderungen an die Verpackungsmaschine an. Ein interaktiver Fragekatalog leitet durch den Prozess. Die Angaben werden direkt in ein vorbereitetes, digitales Lastenheft übernommen, das für den weiteren Projektverlauf zur Verfügung steht.
  2. Die Angaben werden automatisch mit dem Leistungsspektrum der registrierten Maschinenhersteller abgeglichen. Der Kunde erhält am Ende eine Übersicht der Hersteller, die am besten zu seinen Anforderungen passen.
  3. Aus der Übersicht wählt der Kunde diejenigen Hersteller aus, an die seine Projektanfrage übermittelt werden soll. Die Weitergabe erfolgt anonymisiert.
  4. Die kontaktierten Maschinenbauer holen bei Bedarf über die Betreiber der Plattform zusätzliche Informationen zum Projekt ein. Sind sie interessiert, erhalten die Hersteller die Kontaktdaten des Kunden und setzen sich direkt mit ihm in Verbindung.

 

Vorbote eines tiefgreifenden Wandels

Das Start-up Packpart hat seinen Sitz Rosengarten, Baden-Württemberg. Die Region in Süddeutschland ist ein Zentrum des Maschinenbaus. Gründer Christian Baumann hat die Zeichen der Zeit erkannt. Seine Dating-Plattform ist Vorbote eines tiefgreifenden Wandels, der die ganze Industrie erfassen wird. Plattformen bringen Transparenz und Effizienz in einen Markt, der gerade im Bereich Verpackung noch viel zu oft vom Gegenteil beherrscht wird.

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Die Verpackung braucht Diät: Über 75% der Verbraucher haben überdimensionierte Verpackungen gründlich satt

 

 

Die Verpackung braucht Diät: Über 75% der Verbraucher haben überdimensionierte Verpackungen gründlich satt

Thomas Reiner | 09.03.2021

Zu groß und zu viel – Dreiviertel der Verbraucher haben überdimensionierte Verpackungen gründlich satt und fordern Diät. Das Ergebnis einer aktuellen E-Commerce-Studie von Mondi zeigt auch deutliche Mehrheiten für nachhaltige Verpackungen. Rund jeder Zweite ist bereit, dafür sogar tiefer in die Geldtasche zu greifen – unter bestimmten Voraussetzungen.


 

Too big to fail? Im Gegenteil! Ware, die überdimensioniert oder mit zu viel nicht-funktionalem Aufwand verpackt ist, hat es immer schwerer. Laut einer quantitativen Studie von Mondi in fünf europäischen Ländern lehnen 79 Prozent überdimensionierte und 73 Prozent zu viel Verpackung ab.
Wert legen die Verbraucher auch auf Nachhaltigkeit. Für eine absolute Mehrheit von 80 Prozent ist das wichtig. Der Druck zur Verpackungsdiät steigt also weiter, nicht nur im E-Commerce. Spannend ist, dass immer mehr Konsumenten bereit sind, sich diese Diät etwas kosten zu lassen. Rund jeder Zweite zeigt sich gewillt, für nachhaltige Verpackungen mehr zu bezahlen – aber nur, wenn diese gleichzeitig den Anforderungen an Produktschutz, Kreislauffähigkeit und einfache Handhabungen entspricht.

Online-Handel, Nachhaltigkeit, Kundenwünsche
Mondi hat seine Studie gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Karmasin Research & Identity durchgeführt. Zum Thema Online-Konsumentenverhalten und Ansprüche an Verpackungen wurden insgesamt 3.052 Verbraucher in Deutschland, Österreich, Polen, Rumänien und Tschechien befragt, wobei sich die Ergebnisse in den Ländern nicht signifikant unterscheiden.

Die Kernergebnisse:

  • Fast jeder Zweite kauft seit Corona mehr und öfter online ein.
  • Die häufigsten Kunden sind junge Frauen.
  • Die meistbestellten Produkte sind Kleidung und Schuhe, Drogerie- und Parfumartikel, Bücher sowie Elektrogeräte.
  • 80% der Gesamt-Befragten legen verstärkt Wert auf nachhaltige Verpackung.
  • Mehr als die Hälfte (57 % in allen Ländern, 48 % in Deutschland) sind bereit dafür mehr zu bezahlen, wenn die Anforderungen an den Schutz der Ware und einfache Handhabung gewährleistet sind.
  • Mehrheitlich abgelehnt werden überdimensionierte Verpackungen (78 %), umständliche Entsorgung und Recycling (78%) sowie zu viel Verpackung (73 %).
  • Positiv bewertet werden vor allem leichtes Öffnen und leichte Wieder- oder Weiterverendung (jeweils 42 %).
  • Bei der Materialwahrnehmung in puncto Nachhaltigkeit dominiert Wellpappe (57 %).

Neue Chancen durch Nachhaltigkeit, Kreislauffähigkeit und Maß halten
Der Druck auf Markenartikler und Handel, ihre bisherigen Verpackungen zu prüfen und zu überdenken, wächst weiter. Weniger ist mehr, gerade bei Verpackungen. Allerdings nur, wenn Funktionalität und Convenience nicht leiden und die nachhaltige Lösung kreislauffähig ist. Wer das alles unter einen Hut bekommt, dem bietet die Entwicklung erstklassige Chancen zur Differenzierung – nicht nur im Onlinehandel.

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Digitalisierung wird zwar Top-Wachstumschance der Verpackungsindustrie gesehen, doch es wird wenig Gewinner geben

Digitalisierung wird zwar Top-Wachstumschance der Verpackungsindustrie gesehen, doch es wird wenig Gewinner geben

Thomas Reiner | 02.03.2021

Eine Befragung von B+P-Consultants unter 270 Führungskräfte der Verpackungsindustrie zeigt, dass 77% der Unternehmen Digitalisierung als Wachstumschance sehen und schon bald relevante Umsätze erwartet. Gut so. Es wird allerdings nur wenige Gewinner geben und viele Verlierer. Denn die Mehrzahl ist schlecht vorbereitet. Obwohl klar ist, wo der digitale Schlüssel liegt.


 

B+P-Consultants hat im Q4 2020 eine Befragung unter 270 Führungskräfte der Verpackungsindustrie durchgeführt. Dabei zeigt sich, dass eine überwältigende Mehrheit von 77 Prozent der Branche Digitalisierung als Wachstumschance sieht (bei Maschinenbauern sind es sogar 89%). Das ist gut so und bleibt unwidersprochen. Auch, dass satte 70 Prozent schon bis 2025 relevante Umsätze über die digitalen Kanäle erwartet, d.h. über 5% ihres Umsatzes, könnte ein positives Zeichen sein. Man muss sich allerdings fragen, worauf dieser Optimismus beruht. Denn in den meisten Fällen fehlen die Grundlagen.

Ein Großteil der Industrie ist auf den Wandel schlecht vorbereitet und hinkt digital gewaltig hinterher. Deshalb wird es unter den Unternehmen der Verpackungsindustrie nur wenige Gewinner der Digitalisierung geben – und viele Verlierer. Die wenigsten werden in der Lage sein, bis 2025 rund 5 Prozent oder mehr ihres Umsatzes über digitale Kanäle zu generieren.

Man kann davon ausgehen, dass sich der online erzielte Umsatz in Zukunft auf die wenigen Gewinner konzentrieren wird. Und hier besonders auf jene, die die Bedeutung digitaler Plattformen erkannt haben. Digitale Plattformen ermöglichen disruptive Dynamik. Sie lösen alte Strukturen und Geschäftsmodelle auf, um sie grundlegend neu zu gestalten. Und sie erlauben einen direkten und mit viel Wissen hinterlegten Zugang zur Zielgruppe. So lassen sich beispielsweise Kundenwünsche und -Bedürfnisse früh erkennen und bedienen.

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